Chronik | Niederösterreich
08.10.2017

An Zwettl darf kein Weg vorbeiführen

Freude über weniger Schwerverkehr / Unternehmer fordern bessere Wegweiser in die Innenstadt.

"Am Anfang war in der Innenstadt genauso viel los wie in Zeiten ohne Umfahrung. Jetzt ist es spürbar ruhiger. Offenbar haben sich die Verkehrsteilnehmer daran gewöhnt", sagt Anwalt Franz Eckl, dessen Büro sich in der Bahnhofstraße befindet.

Zehn Wochen nach der Eröffnung der Zwettler Umfahrungsstraße sprechen viele Bewohner von einem neuen Lebensgefühl. Fast der gesamte Schwerverkehr donnert nicht mehr durch das Stadtzentrum, sondern wird vorbei geleitet. Einzelne Lkw-Fahrer verirren sich noch in die Innenstadt. Und anders als in Maissau, wo die Umfahrung die Umsätze einbrechen ließ, können die Zwettler Kaufleute prinzipiell nicht klagen. Nur kleinere Probleme werden angesprochen.

Hauptplatz, 11 Uhr: Ein Parkplatz ist schnell gefunden. Wenige Meter weiter lassen sich Kunden im Schuhgeschäft Stolz beraten. "Wir sind mit der Kundenfrequenz zufrieden. Die neue Umfahrung hat keine Einbußen gebracht", sagt Inhaber Rudolf Stolz. Er wünscht sich allerdings, dass die Abfahrten besser beschildert werden. "Zwei Kunden aus Wien haben mir erzählt, dass sie jene nach Zwettl fast verpasst hätten, weil die Hinweistafel zu klein ist."

Auch am Dreifaltigkeitsplatz überwiegt die Freude über die neu erlangte Ruhe. "Der Schwerverkehr war früher hier unerträglich. Jetzt ist es angenehm", sagt Modehändlerin Bettina Fessinger. Dass Kunden ausbleiben und weiter nach Krems fahren würden, kann sie nicht bestätigen. Mehr Attraktivität wünschen sich hingegen die Geschäftsleute in der Hamerlingstraße. "Eine Straßensanierung wäre wichtig und ein paar zusätzliche Parkplätze wären wünschenwert", sagt Optiker Florian Blaim. Noch deutlicher bringt es Bäckermeister Wolfgang Fröschl auf den Punkt: "Die Kundenfrequenz ist bei uns ins Bodenlose gefallen, weil es rund herum viele Leerstände gibt." Er hofft auf das geplante Verkehrskonzept für die Innenstadt. "Sobald die Straße wieder attraktiver ist, lassen sich auch die leer stehenden Geschäfte schneller vermieten."

Martin Fichtinger, Obmann des Wirtschafts- und Tourismusmarketing, sieht vorrangigen Handlungsbedarf bei der Beschilderung auf der Umfahrungsstraße. "Wir müssen unser Schatzkistl, das unsere Innenstadt nun mal ist, mit einem großen Wegweiser besser anpreisen", sagt Fichtinger. Außerdem erhofft er sich durch das Verkehrskonzept ein neues Parkleitsystem.

Verkehrszählung 2018

Bis dahin müssen sich die Kaufleute aber noch gedulden. "Ein Jahr nach der Eröffnung plant das Land NÖ eine neuerliche Verkehrszählung. Erst dann gibt es genaue Vergleichswerte, die wir für weitere Schritte in der Innenstadt heranziehen können", sagt Vizebürgermeister Johannes Prinz. Wie der innerstädtische Verkehr in Zukunft fließen soll, das will er noch nicht vorweg nehmen. Eine Begegnungszone in der Hamerlingstraße gehört genauso zu den möglichen Vorschlägen wie viele andere.