Chronik | Niederösterreich
02.02.2018

"Alte Arbeitsweisen nachvollziehen"

540 Spezialisten führen durch Österreichs Kellergassen. Demnächst beginnt der neue Lehrgang.

"Was für den Westen die Almhütten sind, das sind für uns die Kellergassen", sagt Hannes Weitschacher vom Weinviertel-Tourismus und betont damit die Bedeutung der Kellergassen. Ab 14. März beginnt im Retzer Land (Bezirk Hollabrunn) wieder ein Lehrgang mit sechs Modulen für Kellergassen-Spezialisten.

Mittlerweile gibt es mehr als 560 ausgebildete Kellergassenführer, ihr Obmann ist Joachim Maly. Er selbst bietet Führungen in Poysdorf (Bezirk Mistelbach) an: "Allein Poysdorf besitzt zehn Kellergassen, in der Gemeinde sind es 30", erzählt er.

Eine Führung dauert bei ihm etwa zwei Stunden. Start ist bei der Kellergasse Gstetten. "Dabei handelt es sich um ein ganzes Kellergassendorf. Dort führe ich dann durch zwei oder drei Gassen", beschreibt Maly seine Route. "Ich zeige dann den ehemaligen Arbeitsbereich der Winzer her, wo die Trauben gepresst und der Wein gelagert wurde. Da können alte Gerätschaften und Pressen angesehen werden. So können die alten Arbeitsweisen nachvollzogen werden." Irgendwann sei die Arbeit von den Kellergassen dann in die großen Winzerhöfe abgesiedelt. "Jetzt haben sie nur noch musealen Wert. Das versuche ich bei der Führung zu vermitteln", sagt Maly. Abgerundet werden die Führungen durch Weinproben.

Großväter

"Zum einen sind die Personen, die die Ausbildung machen, selbst Winzer, die an die früheren Traditionen erinnern und die Arbeitsweisen ihrer Großväter herzeigen wollen", erklärt Maly. "Zum anderen sind es kulturhistorisch Interessierte, die ihre Arbeit als Denkmalpflege verstehen. Für alle ist es aber ein Hobby, das überwiegend von älteren Personen betrieben wird." Mit Palmsonntag (25. März) starten wieder regelmäßige Führungen, inzwischen gibt es auch individuelle.