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Gegen Heuschnupfen: Forscher in Krems planen neuen Ansatz

Niederösterreich will international bei der Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieformen mitmischen. Geforscht wird in Krems.
Skin Prick Allergy Testing

Allergien sind eine Volkskrankheit. Weltweit leiden etwa 300 Millionen Menschen an allergischem Asthma, bis zu 250 Millionen an Nahrungsmittelallergien und 400 Millionen an Heuschnupfen. Die Ausprägungen sind dabei völlig unterschiedlich. Sie können das Leben nur minimal beeinträchtigen oder im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen – wenn etwa ein Wespenstich zu einer lebensgefährlichen Reaktion führt.

Seit Jahren sind Forscher in Niederösterreich damit beschäftigt, das Leid der Betroffenen zu lindern. Ihr Zentrum ist das Center for Molecular Allergology (CMA) an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität in Krems. Am Mittwoch wurde hier ein neues Forschungslabor eröffnet. Laut Landesvize Stephan Pernkopf (ÖVP) investieren das Land Niederösterreich und die Medizinische Universität Wien insgesamt 940.000 Euro in das Projekt.

In dem neuen Labor wird untersucht, wie Allergien entstehen und wie sie früher erkannt werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten molekularen Allergietests. Diese sollen exakt zeigen, auf welche Stoffe Menschen tatsächlich reagieren – sowohl weltweit als auch speziell in Niederösterreich. Ziel ist es, Therapien individueller, wirksamer und langfristig auch günstiger zu machen.

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Pernkopf (l.) besuchte die Forscher in Krems.

Das neue Zentrum ist Teil des „Danube Allergy Research Cluster“ (DARC), eines Forschungsnetzwerks mit rund 100 Wissenschaftern der MedUni Wien, der BOKU Wien, des Universitätsklinikums St. Pölten sowie der Karl-Landsteiner-Privatuniversität.

„Historischer Moment“

Geleitet wird das Netzwerk von Rudolf Valenta, einem der weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Allergieforschung. „Die Eröffnung dieses Labors ist ein historischer Moment“, sagte Valenta.

Österreich sei mittlerweile führend in der Entschlüsselung allergieauslösender Stoffe. Im neuen Labor habe man eine vollständige „Kollektion“ der wichtigsten Allergene der Welt zusammengeführt. Dadurch könnten die Moleküle gezielt hergestellt und analysiert werden.

Neben der Diagnostik wird auch an neuen Therapieansätzen gearbeitet. Im Fokus stehen etwa Nasensprays oder Augentropfen, die Entzündungsreaktionen verhindern sollen, noch bevor Symptome wie Niesen, Atemnot oder tränende Augen auftreten.

Für die Rektorin der Karl-Landsteiner-Privatuni, Andrea Olschewski, ist das Projekt weit mehr als reine Grundlagenforschung: „Es handelt sich um ein zentrales Forschungsprojekt, das für die Wissenschaft und die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung ist.“ Man erhoffe sich einen direkten Nutzen für Patienten.

Studie geplant

Auch wirtschaftlich könnte das Zentrum neue Impulse bringen – etwa durch technologische Entwicklungen und mögliche Hightech-Start-ups. Laborleiterin Huey-Jy Huang betonte vor allem den personalisierten Ansatz der Forschung: „Es geht um mehr Individualisierung und mehr Personalisierung, um mehr Menschen zu helfen.“ Das neue Labor und das gesamte Forschungsnetzwerk würden bereits heute „weltweit führende Arbeit“ leisten.

Geplant ist laut Valenta zudem eine Studie, die sich speziell mit Niederösterreich beschäftigen soll. Der Fokus soll dabei auf Allergien liegen, die in manchen Regionen besonders häufig vorkommen – von Neunkirchen bis Litschau.

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