Allentsteig: Gefecht um Heeresforste geht weiter

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Eine Weisung des Ministers sorgt für Aufregung auf dem Übungsplatz: Neuer Ausgliederungsversuch wird befürchtet.

Fast 50 Bedienstete der Heeresforste am Truppenübungsplatz (TÜPL) Allentsteig bangen schon wieder um ihre Jobs, obwohl sie mit den Vorgesetzten ihrer zuständigen Dienststellen ein neues Konzept erarbeitet haben, wie sie in Zukunft besser wirtschaften können. Die Alarmglocken schrillen, seit der SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos die Heeresforstverwaltung per Weisung einer übergeordneten Abteilung zur "Dienst- und Fachaufsicht unterstellt hat".

Während das Ministerium von einem Auftrag spricht, die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, befürchten ÖVP und FPÖ, sowie Gewerkschafter und Bedienstete einen neuen Versuch, die militäreigenen Wälder des 16.000 Hektar großen TÜPL im Waldviertel an die Bundesforste zu übergeben.

"Wenn das passiert, verliert das Bundesheer das Sagen im eigenen Haus", befürchtet Peter Schrottwieser, stellvertretender Vorsitzender der Heeres-Gewerkschaft. Will das Militär üben, müsste es die Bundesforste um Erlaubnis fragen, was die Offiziere verärgert.

Seit Kurzem liegt ein Konzept vor, das die Forst-Bediensteten mit ihren Vorgesetzten formuliert haben. In dem sind drei mögliche Betriebsmodelle festgeschrieben. "Wichtig ist uns, dass der Übungsplatz uneingeschränkt nutzbar bleibt und die Heeresforste gewinnbringender arbeiten können", betont Schrottwieser. In einer Variante, die auch er präferiert, sei erstmals die Wildbret-Vermarktung enthalten, die dem Bundesheer hohe Profite bringen könne.

Trotzdem befürchten viele einen neuen Versuch des Ministers, die heereseigene Forstverwaltung an die Bundesforste zu übergeben. VP-Parlamentarier und FP-Personalvertreter mahnen Minister Darabos zur Vorsicht und stellten eine parlamentarische Anfrage. Eine Ausgliederung widerspreche dem Parlamentsbeschluss.

Panne

Angst am TÜPL: Eine Übergabe der Heereswälder an die Bundesforste würde Nachteile bringen, befürchtet das Militär. Es müsse andere Fragen, wenn es Szenarien üben wolle.
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Doch, wie der KURIER berichtete, war es nur ein taktischer Schachzug bei der Parlamentsabstimmung im Dezember, der die Heeresforste vor einer Übergabe an die Bundesforste rettete. Die Mehrheit stimmte nur deswegen gegen eine Ausgliederung, weil ein bewusst verwirrend formulierter Abänderungsantrag der FP die SP-Fraktion unabsichtlich gegen eigene Pläne stimmen ließ. Für Darabos' jüngstes Handeln hat VP-Nationalratsabgeordneter Günter Stummvoll keine Erklärung: "Er muss aufpassen, gesetzeskonform zu bleiben." Manfred Haidinger, FP-Personalvertreter im Ministerium, spricht von einer reinen SP-Willküraktion zum Nachteil des Heeres. Wie sonst sei es zu verstehen, wenn das Ministerium für die Bundesforste das überlassene Personal zehn Jahre weiterzahlt.

Michael Bauer, Sprecher im Ministerium, verteidigt die Maßnahmen: "Die Zentralsektion hat den Auftrag, das Beste für die Heeresforstverwaltung Allentsteig herauszuholen." Die Variantenkonzepte seien bekannt und würden gute Ideen beinhalten, von denen einige übernommen werden könnten. "Doch in dem Konzept gibt es viele Unschärfen. Vor allem aber fehlen Vergleichszahlen", sagt Bauer. Diese sollen erhoben werden. Ein Ergebnis werde es in einigen Monaten geben.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011