2008 ist wieder schön hirschig

Johannes Hirsch, der Wegbereiter des Schraubverschlusses, darf sich über tolle Qualitäten bei den 2008er-Weinen freuen.


Johannes Hirsch aus Kammern im Kamptal ist einer jener Vordenker, die fehlerfreien Verschluss-Varianten in Österreich den Weg geebnet hatten. Zu einer Zeit als fast alle noch den Kopf geschüttelt haben, verschloss Hirsch seine besten Qualitäten bereits mit Schraubverschluss. Heute habens ja schon alle gewusst, aber 2002 wehte doch noch ein scharfer Gegenwind, Hardliner riefen sogar zum Boykott des Weinguts auf. Was aber nur zur Folge hatte, dass echte Weinfreunde sich mit Hirsch solidarisierten und der Kammerner über die Grenzen hinaus bekannt wurde.

Das populäre Thema der Alternativverschlüsse überdeckte aber andere mutige Schritte des Niederösterreichers. Viele haben schon vergessen, dass er noch vor der Jahrtausendwende alle Rotweinstöcke radikal ausgerissen hat und sich seither nur noch zwei Rebsorten widmet: Grüner Veltliner und Riesling. Zudem stellt er seine Anhängerschar schon seit mehreren Jahren auf harte Geduldsproben, denn seine Topweine füllt er erst im Herbst des Folgejahres. Die Flaschenreife tut den Weinen gut und die Tiefe kommt besser zur Geltung.

KURIER.at hat sich aber schon einmal die "mittleren" Qualitäten angesehen, die von einem hervorragenden Jahrgang künden. Generell gilt für 2008, dass die klimatischen Bedingungen alle Möglichkeiten offen gelassen haben, die Winzer mussten sie nur zu nutzen wissen, was mit sehr viel Arbeit und Gespür verbunden war.

Kostnotizen

Der erste Bote aus dem Hause Hirsch ist der Grüne Veltliner Trinkvergnügen. Der 2008er ist die siebente Ausgabe dieser Schöpfung und trägt daher den Zusatz #7. Das diesjährige Etikett wurde vom österreichischen Zeichner und All-Round Künstler Tex Rubinowitz gestaltet. Sein subtiler Humor steht in bester Tradition zum hirschigen Sortiment, insbesondere als Nachfolger des Trinkvergnügen #6 von Kabarettisten Thomas Maurer. Die Aromen künden schon von der Frische des Weins: Zitrusfrüchte, florale und zart nussige Noten. Am Gaumen ist er schlank und mineralisch. Dazu gesellen sich grüner Apfel und zarte Würze.

Nach dem Spaßwein geht es mit dem Zöbing Riesling Kamptal 2008 schon mit viel Charakter zur Sache: Das vielfältige Aromenspektrum umfasst Feuerstein, Ananas, Karambol und Lindenblüten. Am Gaumen vereinen sich lebendige Säure und prickelnde Mineralik, dazu kommen weißer Pfirsich und ein Hauch Maracuja. Dieser Riesling verdeutlicht mit seiner Lebendigkeit eindrucksvoll, dass Wein ein Naturprodukt mit Seele ist, er vibriert richtiggehend am Gaumen.

Mit breiten Schultern lauert dann schon der Grüne Veltliner Heiligenstein 2008 im Glas. Eine würzige Veltlinernase mit kräftigen Kräutern, Thymianhonig und Heu lässt schon einen Ahnung von lössigem Boden aufkommen. Am Gaumen wiederholt sich der rassige Eindruck mit schmelziger Würze, viel Kraft, fruchtigen Noten und Steinobst. Ein Kraftlackl mit viel Druck am Gaumen, ohne an Trinkfreude einzubüßen.

(kurier) Erstellt am
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