101-Kilometer-Lauf: „Der Reiz des Unmöglichen“

101-Kilometer-Lauf: „Der Reiz des Unmöglichen“
Der 20-jährige Tobias Vorlaufer aus Ober-Grafendorf war der jüngste Teilnehmer am Trail in der Schweiz.

„Als ich mich angemeldet habe, haben alle gesagt, das schaffst du nie. Das hat den Reiz noch größer gemacht, das scheinbar Unmögliche zu schaffen“, erzählt Tobias Vorlaufer aus Ober-Grafendorf (Bezirk St. Pölten-Land). Der 20-Jährige hat vergangenes Wochenende beim 101 Kilometer langen Trail um den Eiger in der Schweiz teilgenommen.

Mentale Stärke

Alleine hat er sich monatelang vorbereitet, körperlich – er lief etwa an einem Tag mehrmals Berge beim Ötscher rauf und runter – und mental. Alleine hat er sich in der Schweiz an den Start begeben. „Das war sehr emotional. So lange hatte man viel geopfert, um hier zu sein und dann ging es um vier Uhr in der Früh mit Stirnlampen los“, erinnert sich Vorlaufer. 101 Kilometer mit 6800 Höhenmetern lagen vor ihm. Nach 60 Kilometern gab es dann ein heftiges Gewitter. Der Lauf musste unterbrochen werden. Wege waren nicht mehr passierbar. Der Trail musste abgekürzt werden. „Schließlich kam ich nach 80 Kilometern, 4800 Höhenmetern und 18 Stunden und 37 Minuten ins Ziel“, sagt der 20-Jährige, der der jüngste Teilnehmer war.

„Der Zieleinlauf war ein großes Erlebnis. Um halb eins in der Früh waren nicht mehr viele Leute da, aber das war nach all den Stunden Qual egal.“ Direkt danach dachte er: Nie wieder. Zu qualvoll sei die Erfahrung gewesen. Während des Laufs müsse man zwischen zwei Arten von Schmerz unterscheiden: Ernsten und nicht-ernsten. „Blasen auf den Füßen wegen aufgeweichter Schuhe, die aufreißen, sind etwa nicht ernst. Knieschmerzen hingegen sollte man ernst nehmen.“ Den größten Streich würden einem jedoch die Gedanken spielen, die es zu kontrollieren gelte. In der Vorbereitungsphase habe er jegliche Schmerzen und mentale Krisen durchgespielt. "Man muss Antworten auf die Probleme haben, dann geht es", erklärt Vorlaufer.  "Die ersten 60 Kilometer verlaufen dann relativ problemlos. Aber dann wird es sehr zach. Da spielen Routine und mentale Stärke eine große Rolle."

Nach seiner ersten Reaktion im Ziel, nie wieder etwas Ähnliches zu machen, begab er sich bereits am nächsten Morgen auf die Suche nach neuen Herausforderungen.

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