Chronik
22.03.2018

Mühsame Überprüfung des einzigen Gutachters

Umstrittener Sachverständiger greift in Literaturliste auf Routen der Hippies zurück

Ein steirischer Geschäftsmann, der sich häufig in und um Kabul aufhält, hat das Monopol als Experte für die Zustände in Afghanistan. Karl Mahringer ist der einzige gerichtlich zertifizierte Sachverständige für dieses Gebiet.

Und seine Gutachten sind häufig die Grundlage für abgewiesene Asylanträge. Kriegsflüchtlinge werden damit in ein Land zurückgeschickt, in dem man bloß zehn Minuten Umweg in Kauf nehmen müsse, um einem Attentat zu entgehen (wie

Mahringer in einem KU RIER-Interview sagte).

Das steht in diametralem Widerspruch zu Berichten von Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty über die dramatische Sicherheitslage und systematische Folter. Nach heftigen Vorwürfen von Flüchtlingsorganisationen und Anwälten hat das Landesgericht für Zivilrechtssachen (das die Gutachterliste führt) ein Überprüfungsverfahren gegen Mahringer eingeleitet. Rasche Ergebnisse darf man sich davon aber nicht erwarten. Zunächst werden Schriftsätze ausgetauscht, dann muss ein Fachprüfer bestellt werden, der die Qualifikation des umstrittenen Sachverständigen hinterfragt. Dabei muss man ins benachbarte Ausland ausweichen, weil Mahringer – wie gesagt – in Österreich der einzige in die Liste eingetragene Gutachter ist.

Währenddessen stützen sich das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl sowie das Bundesverwaltungsgericht in 2. Instanz weiterhin auf Mahringers Gutachten, die dort gern als „widerspruchsfrei und in sich schlüssig“ bewertet werden.

Die Flüchtlingsberatung hat den Plagiatsprüfer Stefan Weber beauftragt, Mahringers Expertisen zu untersuchen. Weber nannte sie laut profil einen „Reisebericht“ mit „deutlich nichtwissenschaftlichem Charakter“.

Die Initiative „Mehr Fairness im Asylverfahren“ rund um Flüchtlingshelfer hat sich die Mühe gemacht, die von Mahringer in seinen Gutachten angegebene Literaturliste – die er für seine Studien heranzieht – zu durchforsten. Dort ist alles vertreten, was irgendwie mit Afghanistan zu tun hat. Neben dem Buch „Im wilden Afghanistan“ aus dem Jahr 1923 finden sich in den Quellenangaben ein Buch über die Reiserouten der Hippies in den 1960er Jahren („Magic Bus“) sowie mit dem Werk „Alle Wege sind offen“ der Reisebericht über eine Autofahrt zweier Schweizer Journalistinnen nach Afghanistan. ricardo peyerl