Chronik
24.09.2016

Mit Laib und Seele zum Erfolg

Waldviertler Bäcker macht handgefertigtes Biobrot zum begehrten Lifestyle-Produkt.

Ein angenehmer Brotduft steigt beim Betreten des Geschäfts in die Nase. Das sanfte Bouquet vermischt sich nach und nach mit den Aromen von frisch gemahlenem Kaffee. In der hell und schlicht gestylten Filiale von Joseph Brot in der Landstraßer Hauptstraße 4 in Wien hat sich vor dem Verkaufspult eine Schlange gebildet. Die Mitarbeiter flitzen hin und her, damit die Kunden nicht lange warten müssen. Die kurze Stehzeit kann man nützen, um die rosa gefärbten Tafeln über den Köpfen zu studieren. Auf einer steht: "100 Prozent bio, 100 Prozent regional, 100 Prozent handgemacht" – das ist die Philosophie von Firmenchef Josef Weghaupt, der die Kunden überzeugen will, dass sein Brot nicht nur Sättigungsbeilage, sondern auch ganz ohne Aufstrich eine leckere Hauptmahlzeit sein kann.

Für die einen ist "Joseph Brot" das beste Brot der Stadt, für die anderen übertrieben gelobtes, überteuertes "Bobo-Brot". Trotz des höheren Verkaufspreises braucht der Waldviertler Bäcker mit neuer Produktionshalle in Burgschleinitz im Bezirk Horn keine Konkurrenz fürchten. Sein Argument klingt überzeugend: "Will man ein industriell gefertigtes Brot oder eines, das händisch mit den besten Zutaten aus der Region hergestellt wird und auch nach Tagen noch schmeckt? Außerdem will ich meine Mitarbeiter, die tagtäglich hart arbeiten, fair entlohnen", sagt der 35-jährige Unternehmer.

"Gutes Essen"

Seine Zielgruppe will er nicht eingrenzen. Wer sich in seiner größten Filiale in Wien-Landstraße umsieht, merkt, dass sich hier sowohl Business-Leute als auch Paare, Familien und Freunde zum Frühstücken, Einkaufen und Mittagessen treffen. "Wer zu uns kommt, weiß gutes Essen zu schätzen", betont Weghaupt.

So oder so ähnlich definieren die Kunden das Kaufargument: "Das Brot sieht gut aus, der Geschmack ist großartig. Und deswegen ist der Preis auch gerecht", sagt Ferdinand Salis aus Wien. Beinahe täglich kauft er Croissants und das Original Joseph Brot ein. Für ein Kilogramm müssen Kunden 6,70 Euro zahlen. Maria Kuchler aus Knittelfeld schätzt an Joseph Brot, dass im angrenzenden Bistro auf "Schnickschnack" verzichtet wird: "So ein Konzept gibt es bei uns in der Steiermark leider nicht. Ich mag, wenn Semmeln noch mit der Hand gemacht werden. Für Qualität bin ich bereit, etwas mehr zu zahlen." Auch jüngere Kunden sind begeistert: "Das Brot ist super frisch, die Kruste wahnsinnig knusprig und der Geschmack einzigartig", schwärmt die 20-jährige Studentin Lena.

Auf Qualität und Handarbeit legt Weghaupt großen Wert: "Wir lassen unseren Teig 24 bis 48 Stunden ruhen. Das ist unser Geheimnis", verrät der Unternehmer. In der neuen 480 großen Bäckerei ist wieder reichlich Platz, um sich bewegen zu können. "Früher mussten sich 35 Mitarbeiter zirka 80 Quadratmeter teilen. So viel Körperkontakt war nicht länger tragbar", scherzt der Chef. Die Knettische sind nun so angeordnet, dass man durch das Fenster in die Natur blicken kann.

3000 Stück Brot und Gebäck pro Tag

Josef Weghaupt gründete 2009 seine eigene Bäckerei, weil er als ehemaliger Marketingleiter einer Industriellen Bäckerei zeigen wollte, dass man auch heute noch "Brot backen kann, das schmeckt und lange hält." Er verzichtet auf Fertig-Backmischungen und setzt auf viel Handarbeit und Zeit. Bis zu sechs Tage dauert es von der ersten Vermengung der Zutaten bis zum fertigen Brot. Inzwischen verkauft er in drei Wiener Filialen eine Million Stück Backwaren pro Jahr. Insgesamt beschäftigt Weghaupt 120 Mitarbeiter. Aktuell umfasst sein Sortiment elf Bio-Brote und 17 Gebäck-Sorten. Im Vorjahr betrug der Umsatz acht Millionen Euro. Weitere Infos unter: www.joseph.co.at