Chronik
28.03.2018

Faßmann: „Schule ist nicht Reparaturinstanz“

Minister Faßmann kündigt statistische Erhebung zu Aggressionen an - er nimmt aber auch Eltern in die Pflicht.

Ein Schüler, der einer Lehrerin die Hand bricht; ein anderer, der seine Lehrerin derart in den Bauch boxt, dass sie ins Spital muss: Die Lehrervertretung „beobachtet seit geraumer Zeit die Zunahme von Gewalt“, sagt Paul Kimberger, oberster Pflichtschul-Gewerkschafter, am Dienstag in Heute und Österreich . Er fürchtet gar Zuständen wie in „Pariser Vororten“, wenn die Politik nicht mehr Sozialarbeiter, Psychologen oder Mediziner parat stelle.

Fragt man ebendiese Politik, was sie davon hält, so kommt wenig Verständnis: Die „Zunahme von Gewalt“ sei empirisch nämlich nicht belegt, sagt der von der ÖVP nominierte Bildungsminister Heinz Faßmann. „Ich glaube, ohne empirische, statistische Grundlage kann man schwer diskutieren. Man braucht eine Grundlage, sonst bewegen wir uns auf zu dünnem Eis“, sagt er zum KURIER. Er kündigt darum eine Erhebung an: „Wenn es in den jeweiligen Schulaufsichtsbehörden keine systematischen Aufzeichnungen gibt, müsste man diese beginnen – und wenn es dazu eine Empfehlung des Ministeriums braucht, gebe ich die gerne.“

Den Wunsch nach mehr Personal spielt Faßmann zurück. „Mehr Ressourcen sind die naheliegendste Antwort. Ich finde es aber problematisch, die Schule als Reparaturinstanz für die gesamte Gesellschaft zu betrachten – die Ursachen für die Gewalt liegen oft außerhalb der Schule, in den Peer-Groups (Gruppe von Menschen mit ähnlichem Hintergrund) , in den Familien, vielleicht auch in der medialen Beeinflussung der Kinder und Jugendlichen.“

Eigenverantwortung

Man müsse daher „an die Ursachen rangehen“. Und da sei nicht nur die Schule gefragt, sondern vor allem die Eigenverantwortung der Eltern wesentlich. Und wenn die Probleme in den Schulen empirisch gesichert seien, sei „auch die Jugendwohlfahrt gefordert, hier entsprechende Lösungsvorschläge auf den Tisch zu legen“.

Damit spielt Faßmann den Ball erneut retour: Die Jugendwohlfahrt ist nämlich Ländersache.