Chronik 12.03.2018

Messerattacke vor iranischer Residenz: Verdächtiger war streng gläubig

ABD0005_20180312 - WIEN - ÖSTERREICH: Ein Überwachungsposten des österreichischen Bundesheeres hat vor der iranischen Residenz i… © Bild: APA/HANS PUNZ

Verdächtiger attackierte Wachsoldat vor Botschaftsresidenz. Er soll Islam-Wissenschaften studiert haben.

Mohamed E. rennt mit einem Küchenmesser wild entschlossen auf einen Wachsoldaten vor der Residenz des iranischen Botschafters in Wien zu und sticht auf ihn ein. Der 23-Jährige setzt sich zur Wehr. Es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod auf offener Straße, der sich über 20 Meter weit erstreckt.

Der Berufssoldat versucht den Angreifer mit einem Pfefferspray abzuwehren. Doch Mohamed E. ist so sehr in Rage, dass dies nichts hilft. Bei einer Rangelei stürzen beide. Als letzte Konsequenz zieht der Soldat seine Dienstpistole und gibt mit der Glock 17 vier Schüsse ab. Zwei Projektile treffen Mohamed E. Er bricht tot zusammen. Der Soldat erleidet eine Schnittverletzung am Arm sowie Prellungen und schlägt sofort per Funkgerät Alarm.

Der Tiroler muss in ein Krankenhaus gebracht werden. Eine Stichschutzweste, die der Korporal trug, dürfte ihm vermutlich das Leben gerettet haben. Bei Mohamed E. finden die Polizei seinen österreichischen Pass, den er bei der Tat dabei hatte.

Was das genaue Motiv für die Tat in der Nacht auf Montag vor der Residenz des iranischen Botschafters in Hietzing war, stellt die Kriminalpolizei vor ein Rätsel.

Streng gläubig

Laut Sprecher Harald Sörös können religiöse oder politische Beweggründe nicht ausgeschlossen werden. Auch psychische Probleme seien ein möglicher Auslöser.

Klar ist, dass es sich bei dem Angreifer um einen Österreicher mit ägyptischen Wurzeln handelt. Der 26-Jährige lebte bei seinen Eltern in einer Wohnung in einem Gemeindebau in Wien-Penzing und machte keinen Hehl aus seinem strengen islamischen Glauben. Auf seiner Facebook-Seite folgte E. unter anderem dem bekannten deutschen Hassprediger Pierre Vogel, der einst Mitglied eines salafistischen Vereins war, der vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Außerdem war der gebürtige Wiener ein Fan einer Gruppe, die "auf die sunnitischen Gefangenen im Iran aufmerksam" machen will. Könnte es hier eine Verbindung geben?

Ein enger Freund des Beschuldigten erzählt im KURIER-Interview zumindest, dass der Verdächtige stark religiös verankert war.

Mohammed E. © Bild: Privat

E. war in Moscheen gern gesehen. Das Beten stand fünf Mal an der Tagesordnung. Eine Zeit lang soll der 26-Jährige sogar Islamwissenschaft studiert haben. In den vergangenen Monaten war es aber ruhig um ihn geworden. Er dürfte sich zurückgezogen haben. War der Österreicher mit ägyptischen Wurzeln radikalisiert worden?

Das denkt der Mann, der ihn seit über zehn Jahren kennt, nicht. Ganz ausschließen will er das aber nicht – wegen seines "Charakters". "Mohamed war vom Glauben total fasziniert", berichtet er. Und beschreibt den Wiener aber als "normal". "Er hat oft mit Sätzen angefangen, die vom Propheten gehandelt haben. Trotzdem macht das alles keinen Sinn. Von so jemanden würde man das nicht erwarten."

Noch keine Hinweise

Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) übernahm noch am Montag die Ermittlungen. Im Zuge derer kam es zusammen mit der "Cobra" in der elterlichen Wohnung zu einer Hausdurchsuchung.

Nachdem die Ermittler stundenlang die Wohnung durchforstet hatten, konnten jedoch noch immer keine Hinweise auf ein mögliches Motiv gefunden werden. "Es wurden elektronische Datenträger sowie ein Handy und ein PC sichergestellt", sagt Harald Sörös.

"Die Auswertung dieser Datenträger ist im Gange, die Ermittler erhoffen sich aus den Daten Rückschlüsse zum Motiv des 26-jährigen Tatverdächtigen. Die Sichtung kann unter Umständen mehrere Tage in Anspruch nehmen." Erst dann wird sich weißen, ob der Wiener politisch motiviert gehandelt habe oder nicht.

Indes befindet sich der angegriffene Wachsoldat in einer Sanitätseinrichtung, wie Bundesheersprecher Michael Bauer erklärt. Dort erhält der Tiroler eine psychologische Betreuung. Es soll ihm den Umständen entsprechend gut gehen.

Die Eltern von Mohamed E. zeigten sich gegenüber den Ermittlern in einer ersten Einvernahme "geschockt". Sie können sich die Tat auch nicht erklären.

( kurier.at ) Erstellt am 12.03.2018