Kira Grünberg und ihr Team

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Weltweiter Lauf
05/08/2016

Laufen für die, die es nicht können

"Wings for Life World Run": 14.000 Menschen waren in Wien am Start, um für Querschnittgelähmte zu laufen. Darunter auch die verunglückte Sportlerin Kira Grünberg.

von Natascha Marakovits

Am Wiener Karlsplatz dominiert Sonntagmittag nur eine Farbe: Leuchtgelb. Rund 14.000 Läufer sind zu Mittag in ihren knallgelben "Wings for Life"-T-Shirts versammelt, um für diejenigen zu laufen, die es nicht können – nämlich für Querschnittgelähmte. Darunter sind viele, die selbst von dem Schicksal betroffen sind. Auch Rollstuhlfahrer sind beim "Wings for Life World Run" mit dabei. Prominenteste Teilnehmerin ist Kira Grünberg.

Als um 13 Uhr in Wien der Startschuss fällt, steht die ehemalige Stabhochspringerin, die seit ihrem Trainingsunfall am 30. Juli 2015 im Rollstuhl sitzt, erstmals selbst mit einem eigenen Team mit am Start. "Das ist ein emotionaler Moment für mich", sagt sie ins Mikrofon. An ihrer Stimme erkennt man, wie wichtig ihr das ist – die Emotionen kommen bei den Läufern an. Auch ich, Natascha Marakovits, stehe am Start und bekomme bei Kiras Worten Gänsehaut.

Als "Wings for Life"-Botschafterin will die junge Tirolerin ein Zeichen setzen. "Ich habe seit meinem Unfall von vielen Seiten sehr viel Unterstützung bekommen und möchte jetzt etwas dazu beitragen, dass Querschnittlähmung heilbar wird", sagt Kira Grünberg und weiter: "Es ist für mich selbstverständlich, dass ich hier bin und mein Team unterstütze."

Kira Grünberg ist nicht die einzige prominente Sportlerin, die durch ihre Teilnahme die Rückenmarkforschung unterstützen möchte. Auch Marcel Hirscher, Andreas Goldberger und Lukas Müller, der seit seinem Trainingssturz auf der Skiflugschanze am Kulm inkomplett querschnittgelähmt ist, sind in Wien mit dabei. "15 bis 20 Kilometer sollen es werden", meint Hirscher vor Beginn des Starts und ergänzt: "Gebt euer Bestes."

Catcher Car

Gelaufen wird an diesem Tag nicht nur in Wien, sondern, wie der Name "World Run" schon verrät, weltweit. Es handelt sich um ein von einer Privatstiftung für Rückenmarkforschung organisiertes globales Event. Zeitgleich, also unabhängig davon, ob dort gerade Tag oder Nacht ist, werden in 33 Ländern mehr als 100.000 Teilnehmer für den guten Zweck laufen. 100 Prozent der Startgelder fließen in die Rückenmarkforschung. Gelaufen wird solange, bis einen das "Catcher Car", das 30 Minuten nach Start die Verfolgung der Läufer aufnimmt und sukzessive schneller wird, überholt.

Es war eine Hitzeschlacht, bei der ich nur zu gerne aufgegeben hätte. Doch ein Spruch auf einem T-Shirt eines Vordermannes zog mich immer weiter: "Ich laufe für Lukas Müller", stand da zu lesen. Wieder ein Gänsehaut-Moment. "Ich kann laufen, er nicht. Also gebe ich nicht auf", dachte ich mir. Nach 19,87 Kilometern holt mich das Catcher Car ein.

Während ich glücklich zur U-Bahn gehe, sind weltweit noch Tausende auf der Strecke. Der Sieger wird an die 80 Kilometer schaffen. In den beiden vergangenen Jahren war dies der frühere Asylwerber und nunmehrige Österreicher Lemawork Ketema. 2014 und 2015 schaffte er knapp 80 Kilometer. Heuer läuft er nicht um den Sieg, sondern in einem Team mit Hobbyläufern.

LINK: Überblick über alle "Wings For Life"-Läufe

Ex-Skispringer Andreas Goldberger, querschnittgelähmter Skispringer Lukas Müller, Ex-Skispringer Thomas Morgenstern, querschnittgelähmte frühere Stabhochspringerin Kira Grünberg, Snowboarder Benjamin Karl und die US Sportlerin Alana Nichols, Skistar Marcel Hirscher

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