Chronik
03.05.2018

Grüner Landessprecher: "Im Kreis sitzen ist keine Arbeit"

Der neue Grüne Landessprecher geht neue Wege. „Ich bin für ein Verbot der Verbote“, sagt Matthias Köchl

Der gesamte Landesvorstand der Kärntner Grünen ist vergangenes Wochenende zurück-, viele sind aus der krisengebeutelten Partei ausgetreten. Über seine Motive, dennoch den Job des Parteichefs zu übernehmen, spricht der 40-jährige Matthias Köchl im KURIER-Interview.

KURIER: Im Vorfeld haben Sie ausgeschlossen, sich zum Landessprecher küren zu lassen. Warum der Meinungsschwenk?

Matthias Köchl: Am Parteitag sind viele an mich herangetreten, ich möge es machen. Ich habe meine weitreichenden Vorstellungen dargelegt und 71 Prozent haben die überraschend angenommen. Wir hatten 9000 Wähler bei der Landtagswahl, 50 bis 60 Mandatare haben wir derzeit auf kommunaler Ebene. Das ist ja nicht nix. Wenn ich es nur schaffe, die Hälfte der 14.000 Grünwähler, die am 4. März zu Hause geblieben sind, zu gewinnen, sind wir wieder im Landtag. Zurück zum Ursprung, Umweltthemen besetzen, Ungerechtigkeiten ansprechen.

Sie wollen die Klagenfurter Stadtpartei, die ein eigener Verein ist, integrieren?

Eine Herkulesaufgabe, denn es gab immer wieder Konflikte. Jetzt, wo die Hauptressource in Klagenfurt und Villach sitzt, muss man eng zusammenarbeiten.

Die Partei braucht Geld; der Grüne Klub hat 500.000 Euro erspart, soll die aber dem Land zurückzahlen.

Beim Klub habe ich keinen Einfluss. Ich denke nur: Im Zweifel gehört das Geld dem Steuerzahler. Aber Geld: Wir müssen aus alten Denkmustern heraus. SPÖ-Chef Peter Kaiser hat kein einziges Wahlplakat aufgestellt und hatte den Wahlerfolg. Politik ist keine große Werbemaschinerie mehr, die nur um Marktanteile kämpft.

Wie viel soll ein Politiker verdienen?

2000 Euro netto, außer man hat Kinderbetreuungspflichten. Mit den frei werdenden Mitteln sollten Projekte im ländlichen Raum unterstützt werden. Die Bürger dort fühlen sich von der Politik vernachlässigt und wählen rechts.

Sie twittern: „Mitmach-Partei statt Schlau-im-Kreis-sitzen-und-gscheid-daherreden“. Haben die Grünen das getan?

Lange im Kreis sitzen und dann darüber ein Protokoll anfertigen, ist in meinen Augen keine Arbeit. Wir sind jetzt eine Mitmach-Partei, eröffnen ein Bürgerbüro und Menschen, die ein Anliegen haben, sollen zu uns kommen, damit wir Dinge gemeinsam umsetzen.

Warum sind die Grünen österreichweit im Eck?

Wir müssen auch untereinander Grundwerte wie Solidarität, Gewaltfreiheit leben, die haben wir zuletzt links liegen lassen.

In Kärnten wird zur Otterjagd geblasen, die GTI-Vortreffen eskalieren. Kommen Grüne Anliegen unter die Räder?

Klar. Ohne Grüne im Landtag wird Kärnten weniger umweltfreundlich und sozial. Zu GTI: Wir sind nicht die Seniorenresidenz Österreichs und Kärnten als Tourismusland muss ein GTI-Treffen aushalten – einige Tage und in geordnetem Rahmen. Ich bin für ein Verbot der Verbote, daher sage ich nicht: „Verbot von Ölheizungen“, sondern andersrum: Ich will Menschen von der Abzocke an der Tankstelle befreien.

Ihr Traumberuf als Schüler war: Bundeskanzler.

Damals, ja. Aber ich würde es nur mit einer 51-prozentigen Grünen Mehrheit machen (lacht, Anm.), nicht mit faulen Kompromissen wie Sebastian Kurz. Wie er sich an die FPÖ anbiedert, ist mir höchst zuwider, abstoßend. Er hat das blaue Programm übernommen, um die blauen Stimmen zu bekommen – nur des Machterhalts wegen.