Chronik
22.06.2017

Heeres-Helikopter abgestürzt: Das Opfer klagt an

Drama um Insassen Robert S., er ist teilgelähmt und sitzt nun in der Schuldenfalle.

Drei Jahre nach dem Absturz eines Heeres-Hubschraubers bei der Übung "Schutz 2014" in Tirol sitzt der Navigator Robert S. in der Schuldenfalle. Der 38-jährige Niederösterreicher muss noch immer Morphium nehmen und ist teilgelähmt. Er kann sich nur mit Stock oder Rollator fortbewegen. Und er hat rund 200.000 Euro Schulden – weil er bisher nur 20.000 Euro vom Staat bekommen hat. Selbst im Verteidigungsministerium gibt man zu, dass die Angelegenheit "kein Ruhmesblatt" darstellt.

Zweiter Vorfall mit LTE

Der Hubschrauber vom Typ OH-58 B "Kiowa" verunglückte im gebirgigen Gelände mit drei Insassen an Bord. Der Helikopter hat eine Schwachstelle, er ist anfällig für ein Phänomen, dass sich LTE (Loss of Tail Engine Effectiveness) nennt. Sind Windverhältnisse, Treibstoffbefüllung und Flugwinkel ungünstig, kann sich der Helikopter wie ein Kreisel eindrehen, wird unsteuerbar und stürzt zu Boden. Bereits 1992 hatte das Bundesheer so einen Vorfall in den Triebener Tauern. Ein Insasse starb damals.

Der Unfall in Tirol 22 Jahre später dürfte eine ähnliche Ursache gehabt haben. Auch hier kam es zu einem LTE, also wieder zu einem Verlust der Heckrotorwirksamkeit. Für Stabswachtmeister Martin K.., der das Wärmebildgerät bediente, kam jede Hilfe zu spät. Die Pilotin Verena D. überlebte mit schweren Verletzungen, Robert S. erlitt so schwere Verletzungen, dass er seither teilgelähmt ist.

"Nur 20.000 Euro"

"Bisher bekam wir lediglich 20.000 Euro akonto für die Folgen des Absturzes", erklärt Bernd Gahler, Anwalt von Robert S. Dazu kamen Spenden, die ein wenig Linderung brachten.

Auf der anderen Seite stehen Folgekosten von 270.000 Euro, die Gahler aufgelistet hat. Die Hälfte davon musste etwa für ein behindertengerechtes Haus aufgebracht werden, dazu kommt ein behindertengerechtes Auto. "Wir wollen nicht reich werden, es geht nur um die Abdeckung der Kosten", sagt Nicole S. die Frau des abgestürzten Navigators. Sie hat mittlerweile ihren Posten als Krankenschwester verloren. "Tagsüber mit Palliativpatienten arbeiten und abends meinen Mann pflegen, das ging einfach nicht mehr", erklärt sie.

Nun Chefsache

Die beiden versuchen derzeit, über die Volksanwaltschaft zu Schadensersatz zu kommen. 2008 schaffte Verteidigungsminister Norbert Darabos die Insassenversicherung ab, weil die Prämien zu hoch waren. Nach einer KURIER-Anfrage im Verteidigungsressort macht Minister Hans Peter Doskozil die Angelegenheit zur Chefsache: "Es muss jetzt so rasch wie möglich eine Lösung geben. Darauf werde ich drängen. Dass sich die Causa schon so lange hinzieht, ist nicht akzeptabel", meint Doskozil. Gahler hofft nun auf entsprechende Taten.