Chronik
28.03.2018

HCB-Studie fordert Kontrolle von Wild, Wald und Pilzen

Umweltbundesamt gibt nach Umweltskandal vorsichtige Entwarnung für das Görtschitztal

Das Görtschitztal ist auf einem guten Weg, dass das Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) wieder vollständig abgebaut werden kann. Das ist die Quintessenz einer am Mittwoch veröffentlichten Langzeitstudie des Umweltbundesamtes (UBA). Allerdings wird die Gemeinde Brückl von dieser Diagnose dezidiert ausgenommen.

Der UBA-Bericht stützt sich auf sämtliche Untersuchungen (vorrangig des Landes) seit Bekanntwerden des Skandals im Jahr 2014 und beschreibt einen signifikanten Rückgang der Schadstoffbelastung. „Die Konzentrationen von HCB im Boden sind weitgehend in einer Größenordnung, die keine negativen Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion erwarten lassen. Auch Bio-Landbau ist ohne Einschränkungen möglich“, erklärt Karl Kienzl, stellvertretender UBA-Geschäftsführer.

Als Sorgenkind entpuppt sich Brückl, wo am Gelände der Donau Chemie 230.000 Tonnen HCB-Kalk lagern, die im Zementwerk in Klein St. Paul verbrannt werden hätten sollen. „Im Umkreis dieser Altlast sind erhöhte Werte von HCB, Quecksilber und chlorierte Kohlenwasserstoffe messbar“, teilt das Umweltbundesamt mit.

Der UBA-Bericht identifiziert weiters Datenlücken beim Monitoring des Landes. „Das betrifft Wald-Beprobungen sowie Untersuchungen von Schadstoffgehalten in Pilzen und Wild“, betont Helmut Burtscher-Schaden von Global 2000. Auch sei ein Krebsmonitoring in der Region anzudenken.

Kein Glyphosat-Verbot

Absehen muss das Land Kärnten unterdessen offenbar vom geplanten flächendeckenden Glyphosat-Verbot. Am Mittwoch wurde bekannt, dass es von der EU vorerst ein Nein zum regionalen Vorhaben gibt. Ein vollständiges Verbot von Glyphosat würde den grundlegenden Vorschriften über die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln widersprechen, teilte die Kommission mit. Die EU-Mitgliedsstaaten müssten sämtliche Pflanzenschutzmittel individuell prüfen, erst dann könnten sie Zulassungen verweigern.

Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) betonte, er werde alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausloten, „um dieses Unkrautgift zu verbannen.“ Ein Mehr an Unterstützung erwarte er sich von Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP).

Thomas Martinz