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Chronik Geschichten mit Geschichte
10/04/2020

Auktion: Wer will des Kaisers Hut?

Im Wiener Dorotheum werden persönliche Gegenstände Franz Josephs und Sisis versteigert

von Georg Markus

Es ist erstaunlich, dass mehr als 100 Jahre nach dem Tod Kaiser Franz Josephs immer noch dessen Socken, Brillen, Hüte, Uhren, aber auch Trinkgläser und sein Schreibzeug zur Versteigerung gelangen und sich enormer Beliebtheit erfreuen. Auch Bilder von Sisi und Kronprinz Rudolf kommen demnächst bei einer großen Kaiserhaus-Auktion im Wiener Dorotheum unter den Hammer. Angeboten werden 309 Objekte aus dem Besitz der Habsburger und aus deren Umfeld.

Großes Interesse

„Das Interesse an Devotionalien aus dem Kaiserhaus ist größer denn je“, erklärt Dorotheum-Experte Georg Ludwigstorff. Der Grund: „Es werden immer weniger Gegenstände angeboten, weil zuletzt viele von Museen erworben wurden, die nicht mehr in den Verkauf gelangen.“ Die meisten Interessenten für kaiserlich-königliche Erinnerungsstücke sitzen in Österreich, gefolgt von den Sammlern aus dem süddeutschen Raum und aus China. Seit das Musical „Elisabeth“ 2014 in Schanghai Premiere hatte, erfreut sich die Kaiserin auch im Fernen Osten immenser Popularität. Doch die Interessenten aus China werden diesmal Corona-bedingt nicht persönlich anreisen, sondern online oder telefonisch mitsteigern.

Die größten Sammler

Ich selbst kannte noch die beiden größten Sammler derartiger „Reliquien“: den Bauunternehmer Bruno Buchwieser

und den Privatgelehrten Kurt Stümpfl, die Abertausende Originalgegenstände aus kaiserlichem Besitz angehäuft und mir eines Tages ihre riesigen Sammlungen gezeigt haben. Da waren ein Haus und eine Palaiswohnung voll mit k. u. k. Uniformen, Hausmänteln, Fächern, Kopfpolstern, Handschriften und Reisetaschen. Beide Herren sind mittlerweile verstorben, aber die Erben von Professor Stümpfl bieten auch diesmal wieder Teile der Sammlung zum Verkauf an. Weiters stammen die Gegenstände von direkten Nachfahren des Hauses Habsburg sowie von ehemaligen Hofangestellten und Kammerdienern.

Kammerdiener Ketterl

Tatsächlich hatten die engsten Mitarbeiter des Kaisers das verbriefte Recht, nicht mehr in Verwendung stehende persönliche Gegenstände Seiner Majestät zu veräußern. Einige der Kuriositäten sind mit einer Visitenkarte des kaiserlichen Kammerdieners Eugen Ketterl versehen, auf der dieser bescheinigt, dass ein angebotenes Kleidungsstück „ausschließlich von Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät Franz Joseph I. getragen wurde“.

Zu den „Zuckerln“ der Dorotheum-Auktion am 19. Oktober zählen:

Die „Melone“ des Kaisers Franz Joseph trug den schwarzen Filzhut, wenn er außerhalb Österreich-Ungarns privat bzw. inkognito unterwegs war. (Schätzwert 3.000 bis 6.000 €).

Der „Zwicker“ Franz Josephs Die Lesebrille, in Futteral mit Kaiserkrone (2.500–3.500 €).

Des Kaisers Socken Aus Seide genäht, schwarz (500–800 €).

Franz Josephs Zigarrenspitz Aus Edelholz und Horn gefertigt (300 bis 500 €).

Das persönliche Schreibzeug Kaiser Franz Josephs Tintenfass samt Streusand-Behälter aus Porzellan (3.000–6.000 €).

Eine silberne Taschenuhr des Kaisers (700 bis 900 €).

Franz Joseph und Sisi: Ein Farbdruck zeigt das Kaiserpaar am offenen Sarg Kronprinz Rudolfs (200–400 €).

Elisabeth Eines der teuersten Objekte: Porträt der jungen Kaiserin, Öl auf Leinwand (28.000 bis 38.000 €).

Die Prozessakten von Sarajewo Inklusive Urteilsspruch. Auf 503 maschingeschriebenen Seiten nach dem Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand und Herzogin Sophie. Stammt aus dem Besitz eines Rechtsanwalts oder hohen Beamten (3.000 bis 6.000 €).

Sonstiges

Weiters gibt es jede Menge Taschentücher, Trinkgläser, Geschirr, Porzellanfiguren, Büsten, Fächer, Orden, Handschuhe sowie Fotos des Kaiserpaares, aber auch Bilder von Maria Theresia, Kaiser Maximilian von Mexiko, Kaiser Karl und anderen Angehörigen des Hauses Habsburg.

Der Schätzwert der gesamten Auktion liegt bei bis zu 960.000 Euro, die letztlich erzielten Preise werden aber weitaus höher sein, weiß man doch im Dorotheum von früheren Versteigerungen, dass Kaiserhaus-Stücke sehr begehrt sind. So wurde 2018 ein Paar Schuhe der Kaiserin Elisabeth um 3.000 Euro ausgerufen – den Zuschlag erhielt dann aber ein Sammler, dem sie 17.000 Euro wert waren. Das bisher teuerste Einzelstück war ein Reithut Sisis, der für 135.000 Euro den Besitzer wechselte.

Übrigens hat das Dorotheum die Corona-Krise bisher insgesamt gut überstanden, zumal die meisten Auktionen online durchgeführt wurden.

Auktion Kaiserhaus und Historika, 19. Oktober, 14 Uhr, Palais Dorotheum, 1010 Wien, Dorotheergasse 17.

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