© APA/AFP/POOL/BEN STANSALL

Chronik Geschichten mit Geschichte
03/13/2021

Europas letzte Monarchien

Nach dem Wirbel um Meghan und Harry. Einst gab es fast nur Monarchien. Heute sind es gerade noch zehn. Fast alle sind von Skandalen geschüttelt

von Georg Markus

Je größer der gerade aktuelle Skandal im britischen Königshaus ist, desto mehr Untertanen stellen sich die Frage, ob die Monarchie überhaupt noch zeitgemäß ist. Das war so, als König Edward VIII. seiner Wallis Simpson zuliebe auf den Thron verzichtete. Das war so, als Prinzessin Diana von den Windsors gemobbt wurde. Und das ist so seit bekannt wurde, wie man Harry und Meghan behandelt hat. In zehn europäischen Ländern regieren heute noch Könige oder Fürsten. Hat diese Staatsform Zukunft oder sind die letzten Monarchen des Kontinents ohnehin nur Operettenfiguren, die man zwecks Ankurbelung des Fremdenverkehrs auf ihrem Thron sitzen lässt?

Die Thronrede

Man kann gegen das britische Königshaus vieles vorbringen, doch steht außer Zweifel, dass Elizabeth II. ihr Land seit 69 Jahren mit einem hohen Maß an Disziplin repräsentiert. Mehr als repräsentieren darf sie ohnehin nicht, bleibt doch die einzige politische Aufgabe, die ihr noch zusteht, die alljährliche Verlesung der Thronrede. Noch weniger ist dem König von Schweden erlaubt. Carl XVI. Gustaf darf nicht einmal den offiziellen Auftrag zur Regierungsbildung erteilen. Etwas mehr Rechte haben König Willem-Alexander der Niederlande, Margarethe von Dänemark und der norwegische König Harald.

Der Rotlichtskandal

Politisch machtlos, wie sie nun einmal sind, beschreiten gekrönte Häupter allzu oft andere Wege, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Am ehesten gelingt das immer noch, wenn sie oder ihre Thronfolger Skandalöses oder Amouröses zu bieten haben. Diesbezügliche Hauptlieferanten sind nach wie vor die Briten, doch brachte im Jahr 2010 auch Schwedens König Carl Gustaf seine Monarchie ins Wanken, als bekannt wurde, dass er sich im Rotlichtmilieu bewegt haben soll. Allerdings ist die Affäre durch die Heirat der sympathischen Kronprinzessin Victoria mit ihrem bürgerlichen Mann Daniel fast in Vergessenheit geraten.

Der einzige Monarch Europas, dem vor absehbarer Zeit noch eine bedeutende politische Rolle zukam, war Spaniens König Juan Carlos, der sein Land 1975 in die Demokratie führte und sechs Jahre später einen Putschversuch vereiteln konnte. Mit seinem privaten Verhalten machte er seine Verdienste jedoch wieder zunichte: Juan Carlos musste sich mit Schwarzgeld- und Korruptionsvorwürfen herumschlagen und nahm, während Spanien in einer Wirtschaftskrise steckte, in Botswana an einer Elefantenjagd teil. Nicht genug damit, begleitete ihn dorthin die deutsche Prinzessin Corinna zu Sayn-Wittgenstein, die sich als seine langjährige Geliebte entpuppte. Juan Carlos musste 2014 zugunsten seines Sohnes Felipe zurücktreten, womit er die schwer angeschlagene Monarchie wohl gerettet hat. Juan Carlos lebt heute im Exil in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Unterschlagung

Dort besuchten ihn kürzlich seine Töchter Elena und Cristina und sorgten für die nächsten Negativschlagzeilen, als sie sich in Abu Dhabi vorzeitig gegen Corona impfen ließen. Cristina ist ohnehin von den offiziellen Aktivitäten der Königsfamilie ausgeschlossen, da ihr und ihrem Mann Korruption und Unterschlagung vorgeworfen werden.

Für Empörung sorgte kürzlich der populäre König Willem-Alexander der Niederlande, als er mit seiner Frau Maxima und den Kindern mitten in der Corona-Krise nach Griechenland reiste. Nach einem Aufschrei in den Medien brach die Familie den Urlaub ab und entschuldigte sich.

Auch das kleine, aber reiche Monaco hatte jede Menge Krisen zu bewältigen. Einst durch die strahlende, in Hollywood geschulte Gracia Patricia mit Glamourfaktor gesegnet, plumpste das Fürstentum in der nächsten Generation von einem Skandal in den anderen. Vorerst waren es Gracias und Fürst Rainiers Töchter Caroline und Stephanie, die durch ehe- und außereheliche Eskapaden die Schlagzeilen beherrschten, später brachte es Fürst Albert zuwege, bei seiner Hochzeit mit der Schwimmerin Charlene Wittstock im Juli 2011 ähnlich ernst dreinzuschauen wie beim Begräbnis seines Vaters. Kein Wunder, tauchte doch, während die Trauung live im TV lief, das Gerücht auf, dass die Braut eben noch Monte Carlo verlassen wollte, weil sie erfahren hatte, dass Albert während ihrer Beziehung ein Kind mit einer anderen gezeugt hatte.

Historisch bedeutsam

So gering die politische Bedeutung der europäischen Monarchien heute auch sein mag, so enorm ist ihr Beitrag in der Geschichte. Praktisch stand einst der gesamte Kontinent unter imperialer Führung. Herrschten die Habsburger noch im 16. Jahrhundert in aller Welt, so begann bald danach der Abstieg der Dynastien. England war das erste Land, das die absolute Autorität des Königs beendete. Mit einem blutigen Schritt: 1649 wurde Charles I. hingerichtet und die Monarchie durch eine Republik ersetzt. Sie hielt zwar nur kurz, doch blieb die wahre Macht auch nach Rückkehr des Throns dem Parlament vorbehalten.

In Frankreich begann die Entmachtung der Krone, als sich das Volk 1789 mit der Revolution gegen Willkür und Dekadenz der Könige zur Wehr setzte. Zwar fand auch Frankreich wieder zur monarchischen Tradition zurück, doch war hier die absolute Herrschaft ebenfalls beendet. Ein Satz wie der des einstigen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. – „Der Staat bin ich“ – konnte nie wieder fallen.

Ende der Monarchien

Die meisten großen Monarchien Europas gingen in den beiden Weltkriegen unter: im Ersten Österreich-Ungarn, Deutschland und das russische Zarenreich, im Zweiten Italien. Nur in Griechenland wurde die Republik erst 1975 ausgerufen – und König Konstantin ins Exil geschickt.

Europas Monarchen – Belgien, Luxemburg und Liechtenstein wären hier noch zu nennen – konnten ihre Throne dort retten, wo sie demokratische Entwicklungen zuließen. Eine wichtige Rolle spielte auch die Einheirat der alten Dynastien in bürgerliche Familien, weil man mit einer Braut oder einem Bräutigam „wie du und ich“ Volksnähe zeigen kann. Bedeutsam auch für den Fortbestand der Monarchien: Wann immer ein royaler Skandal auftaucht, stehen die besten PR-Berater zur Verfügung, um die Gefahr mit modernsten Marketingmethoden aus der Welt zu schaffen.

Schwer zu lösen

Die Monarchien werden also weiterhin bestehen bleiben. Wobei die aktuelle Causa um Harry und Meghan auch mit den besten Beratern nicht ganz einfach zu lösen sein wird.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.