Falsch oder richtig?

© calic, fotolia

Chronik Geschichten mit Geschichte
09/06/2020

Donald Trumps Lügenregister

Der Lügendetektor wurde vor über 100 Jahren in Graz gebaut. In den USA werden mit modernen Apparaten Spione und Kriminelle und Politiker ausgeforscht.

Donald Trump lügt, dass sich die Balken biegen. Die angesehene Washington Post wies dem US-Präsidenten mehr als 20.000 Lügen nach. Hier eine kleine Auswahl:

Obama Sein Vorgänger Obama wurde nicht in Amerika geboren, sondern in Kenia und hätte deshalb „gar nicht Präsident werden dürfen“.

Krankenkassa Die von Obama eingeführte Krankenversicherung sei eine große Lüge.

Mehr Zuschauer Trump erklärte auch wahrheitswidrig, dass seiner Amtseinführung „mehr Menschen beigewohnt“ hätten als jeder anderen in der Geschichte der USA.

Briefwahl Es gebe „enormen Betrug“ bei der Briefwahl.

Corona-Politik Durch Trumps Corona-Politik seien Millionen Menschen „gerettet worden“, auch hätten die USA die „nahezu niedrigste Sterberate“.

Biden Die Pläne seines demokratischen Gegenspielers Joe Biden würden Amerika „wettbewerbsunfähig“ machen.

Fake Gerne dreht Trump den Spieß um und behauptet, Qualitätsmedien würden „Fake News“ in die Welt setzen.

Die Washington Post dokumentierte Trumps „alternative Fakten“, wie er seine Halb- und Unwahrheiten nennt, zum Teil durch journalistische Recherche, zum Teil via Bildschirm durch moderne Lügendetektoren.

Laut Trump sind China und die WHO schuld

Der Lügendetektor ist ein amerikanisches Phänomen, das zur Überführung von Straftätern eingesetzt wird. Das erste derartige Gerät wurde 1913 vom italienischen Psychologen und Physiker Vittorio Benussi an der Universität Graz konstruiert. Der Apparat registrierte Atmungsphasen und Puls und zeigte an, ob eine Versuchsperson lügt oder nicht. Zehn Jahre später wurde in den USA der erste Lügendetektor (in Fachkreisen als Polygraf bezeichnet) vorgestellt, nachdem ein Ärzteteam bestätigt hatte, dass der Puls des Menschen sich geringfügig erhöht, sobald er die Unwahrheit sagt. 1937 ging dann die Meldung um die Welt, dass „zum ersten Mal ein des Mordes verdächtigter Amerikaner mit Hilfe eines mechanischen Apparates überführt wurde, mit dem ihm nachgewiesen werden konnte, dass er lügt“.

Polizei und CIA

Inzwischen werden in den USA jährlich Millionen Menschen mittels Lügendetektors unter die Lupe genommen. Polizeibehörden untersuchen die Glaubwürdigkeit von Zeugen und Angeklagten, ebenso wie der Geheimdienst CIA seine Agenten und Spione. Das Haupteinsatzgebiet des Detektors sind allerdings Einstellungsgespräche für verantwortungsvolle Positionen bei Regierungsbehörden und bei internationalen Konzernen.

FILES-US-CRIME-SIMPSON-AMFOOT-NFL

Als 1994 der ehemalige Footballstar O. J. Simpson nach dem Doppelmord an seiner Frau und deren Liebhaber Ron Goldman vor dem Lügendetektor die Tat leugnete, zeigte das Gerät minus sechs Punkte, und auf dem Monitor stand „Irreführung“. Simpson hatte damit jegliche Vertrauensbasis verloren, da man erst bei plus sechs als „glaubwürdig“ gilt. Seine Anwälte protestierten jedoch im Strafprozess gegen die regelwidrige Auswertung des Lügentests und Simpson ging frei.

Infolge derartiger Widersprüche und Fehleinschätzungen werden Lügendetektoren von amerikanischen Gerichten nicht mehr eingesetzt, zumal die Trefferquote bei nur 60 bis 80 Prozent liegt. In Österreich war der Lügendetektor, wie in fast allen europäischen Ländern, als Beweismittel nie zugelassen. Zur Diskussion stand das Gerät hierzulande nur in Mordfällen, bei Kindesmissbrauch und im Spionagewesen. Dazu ist es aber nicht gekommen.

Als Spion überführt

Tatsächlich ist der Lügendetektor für den amerikanischen Geheimdienst von eminenter Bedeutung. Die CIA schleust seine Mitarbeiter alle fünf Jahre durch ein spezielles Computerprogramm, um herauszufinden, ob einzelne Agenten für ausländische Geheimdienste arbeiten. Als sich etwa der CIA-Agent Harold Nicholson 1997 beim routinemäßigen Lügen-Check verdächtig machte, begannen ihn seine Kollegen rund um die Uhr zu beschatten. Und fanden heraus, dass er auch in Diensten des Kremls stand. Nicholson wurde zu 23 Jahren Haft verurteilt.

Der Lügendetektor hat seit seiner Erfindung eine kolossale Entwicklung durchgemacht. Reagierten die frühen Modelle in erster Linie auf Pulsveränderungen und Atem, so werden heute per Computer auch Hautfeuchtigkeit und Blutdruck berücksichtigt. Der für den Hausgebrauch entwickelte „Truster“ (= der Glaubwürdige) reagiert auf Schwankungen der Stimme und der Durchblutung des Gesichts. Mit dieser Methode konnten Trumps Aussagen am Bildschirm überprüft werden. In letzter Zeit werden auch Gehirnscans eingesetzt, um zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden zu können.

COMBO-FILES-FRANCE-US-POLITICS-ENTERTAINMENT-CLINTON-LEWINSKY

Bush, Obama, Clinton

Donald Trump hat die Lüge im Weißen Haus nicht erfunden – auch Bush sen. und jun. und Obama konnte die eine oder andere Unwahrheit nachgewiesen werden, und Bill Clinton log über seine Praktikantin Monica Lewinsky: „I did not have sexual relations with that woman“ („Ich hatte keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau“). Aber kein Amtsvorgänger Trumps hat sich die Wahrheit in diesem Umfang zurechtgebogen wie er.

Adult-film actress Clifford, also known as Stormy Daniels, poses for pictures at the end of her striptease show in Gossip Gentleman club in Long Island, New York

Pornostar Stormy Daniels

Die Funktion des Lügendetektors lernte Trump übrigens auch von der anderen Seite her kennen. 2011 hatte die Pornodarstellerin Stormy Daniels erklärt, bereits in der Ehe mit seiner Frau Melania „ungeschützten Sex mit Donald Trump“ gehabt zu haben. Diese Aussage wurde von einem Lügendetektor bestätigt. Als Trump dann Präsident war, stritt Stormy Daniels die Beziehung zu ihm ab. Diesmal ohne Detektor. Freilich hatte sie mittlerweile von seinem Anwalt ein Schweigegeld in Höhe von 130.000 Dollar erhalten.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.