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Chronik Geschichten mit Geschichte
01/21/2021

Die wechselvolle Geschichte des legendären Café Landtmann

Bald 150 Jahre alt, ist es seit jeher beliebter Treffpunkt prominenter Gäste. Manchmal wurde hier auch Politik gemacht.

von Georg Markus

Von den einst 27 Kaffeehäusern an der Wiener Ringstraße gibt es heute gerade noch drei: das Prückel, das Schwarzenberg und das Landtmann – jetzt ist auch dieses, wie berichtet, infolge einer Klage wegen corona-bedingter Mietrückstände in Gefahr.

Im Jahr 2023 soll das Landtmann das 150. Jahr seines Bestehens feiern. Es wurde 1873 von Franz Landtmann an der damals neu gebauten Ringstraße eröffnet. Neu war auch das Palais Lieben-Auspitz, in dem das Kaffeehaus untergebracht ist. Im ersten Stock unterhielt Berta Zuckerkandl ihren legendären Ringstraßensalon.

Prominente Gäste

Aber auch im Landtmann ging die Prominenz ein und aus. Sigmund Freud wurde hier ebenso gesichtet wie Gustav Mahler, Max Reinhardt, Peter Altenberg und später dann Oskar Werner, Hans Moser und Romy Schneider.

Nach Franz Landtmann wurde das Kaffeehaus von diversen Eigentümern übernommen – einer hieß Karl Kraus, war aber mit dem großen Literaten nicht identisch – ehe es 1926 in die Pleite schlitterte. Nun war es die Familie Zauner, die das Café rettete und fünfzig Jahre lang führte. Sie war es auch, die für die heute unter Denkmalschutz stehende Einrichtung des Kaffeehauses sorgte. Seit 1976 befindet sich das Landtmann im Eigentum der Familie Querfeld.

Im Landtmann traf und trifft sich auch die hohe Politik der Stadt, und die Besitzer sind stolz darauf, dass es bisher keinen Bundespräsidenten und keinen Bundeskanzler gab, der hier nicht eingekehrt wäre. Julius Raab, der im Landtmann seine Regierungsbesprechungen abhielt, soll an seinem Fenstertisch sogar den Außenminister Karl Gruber abgesetzt haben.

Raab mit „Virginier“

Raab nahm hier täglich sein Frühstück ein, um im Anschluss daran seine geliebte „Virginier“ zu rauchen. Nur eines duldete der Kanzler nicht: Wenn ihm der Landtmann-Chef Zauner seine politischen Ansichten darlegen wollte. Als Herr Zauner wieder einmal einen diesbezüglichen Versuch unternahm, erwiderte Raab: „I mach Ihna an Vorschlag: I versteh nix davon, wia ma an Kaffee braut und werd Ihna auch weiterhin dabei net dreinreden. Dafür lassen Sie die Finger von der Politik. Weil die is nämlich nix für Ihna.“

In der aktuellen Situation sollte die Politik ausnahmsweise vielleicht doch dreinreden. Um die weitere Existenz eines der letzten Wiener Ringstraßencafés zu retten.

 

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