Durch eine Fernsehserie berühmt geworden: das Schlosshotel Velden am Wörthersee

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Geschichten mit Geschichte
05/24/2020

Die Rückkehr des Fremdenverkehrs

Ab Freitag dürfen Beherbergungsbetriebe wieder aufsperren. Lesen Sie hier einige Geschichten berühmter Hotels in Österreich.

Als Wien im Jahr 1873 von der Cholera heimgesucht wurde, verließen die Fremden fluchtartig die Stadt, andere stornierten ihre Hotelbuchungen. Die Epidemie dauerte ein halbes Jahr und hatte eine weitaus größere Verbreitung als das Coronavirus. Mehrere Hotel- und Gasthausbetreiber mussten für immer zusperren – allerdings gab es noch keinen Massentourismus und daher weit weniger Fremdenverkehrsbetriebe als heute. Aktuell befinden sich in Österreich 16.000 Beherbergungsunternehmen – und jedes von ihnen hat eine Geschichte zu erzählen.

Von der Cholera betroffen war damals auch das Grand Hotel am Wiener Kärntner Ring, das erst drei Jahre davor eröffnet worden war. Das Hotel war ausgebucht, weil in Wien gerade die Weltausstellung stattfand, doch plötzlich reisten alle Gäste ab. Nehmen wir’s als Zeichen der Hoffnung: Das Grand Hotel hat sich bald wieder von den Geschäftseinbußen erholt und existiert heute noch.

Vetsera im Grand Hotel

Das Grand Hotel steht auch im Zusammenhang mit einer weiteren Tragödie. Hier logierte die Gräfin Marie Larisch, wenn sie in Wien weilte. Sie war eine Nichte der Kaiserin Elisabeth und vermittelte die Liebesbeziehung zwischen Kronprinz Rudolf und Mary Vetsera. Der Leibkutscher des Kaisersohnes holte Mary immer vom Grand Hotel ab, wenn er sie zu ihren geheimen Treffen mit Rudolf in die Hofburg brachte.

Schräg gegenüber vom Grand Hotel befindet sich das Imperial, Österreichs wohl erste Adresse, wenn es darum geht, Staatsgäste zu beherbergen. Davon machte auch Hitler Gebrauch, als er hier zwei Tage nach dem „Anschluss“ im März 1938 einzog, wofür das gesamte Hotel geräumt (und schnell noch „arisiert“) wurde.

Die Queen im Imperial

Ein Staatsgast ganz anderen Formats war Queen Elizabeth, die im Mai 1969 im Imperial wohnte. Wie mir die frühere Direktionsassistentin Elisabeth Denetz anvertraute, betrat sie einmal das Badezimmer der Königin und konnte beobachten, wie die Majestät ihre Leibwäsche persönlich wusch.

Wer hätte das gedacht!

Ebenfalls an der Ringstraße liegt das 1913 errichtete Bristol. Niemand konnte sich vorstellen, dass just dieses elegante Hotel zum Schauplatz einer schrecklichen Bluttat werden sollte. Das Bankiersehepaar Fortunat und Emma von Vivante aus Triest pflegte die Wintermonate im Bristol zu verbringen. In seiner Begleitung war stets die englische Gesellschaftsdame Julie Earl, die am 23. März 1918 in ihrem Dienstbotenzimmer im Bristol tot aufgefunden wurde. Die Kriminalpolizei fand heraus, dass sich der Versicherungsangestellte Emmo Davit an die 40-jährige Britin herangemacht und ihr eine gemeinsame Zukunft versprochen hatte. Bei einem Besuch im Bristol überredete Davit die Gesellschaftsdame, die mit Schmuck und Bargeld gefüllte Handtasche ihrer Dienstherrin aus dem Hotelsafe zu holen. Dann ermordete er Julie in ihrem Zimmer kaltblütig.

Das Hotel Bristol befindet sich heute ebenso im Eigentum der Familie Gürtler wie das nahe SacherÖsterreichs zweifellos berühmtestes Hotel.

Wo bitte hätte Marcel Prawy die vergangenen zweieinhalb Monate zugebracht, hätte er Corona noch erlebt? Er hatte ein Zimmer im Sacher gemietet, in dem er permanent gewohnt und einen Teil seines berühmten Plastiksackerl-Archivs untergebracht hatte.

Prawy hat sogar noch die 1930 verstorbene Anna Sacher persönlich gekannt und sie als „eine Art Operettenfürstin im dritten Akt der Gräfin Mariza“ beschrieben. Die Frau Sacher hatte nach ihrer Einheirat in die Torten-Dynastie das Kommando über das 1876 eröffnete Hotel übernommen. Sie verstand es, der ob ihrer intimen Separées etwas anrüchigen Nobelherberge einen Spitzenplatz in der österreichischen Hotellerie zu verschaffen.

Später traf man hier Weltprominenz von Herbert von Karajan über Liz Taylor bis Curd Jürgens, der dem Sacher Anfang der 1970er-Jahre zu einem weltweit verbreiteten „Skandal“ verhalf, als er des Restaurants verwiesen wurde. Der Grund: Der Schauspieler war ohne Krawatte erschienen!

Das Schlosshotel Velden

Nicht minder prominent ist die Klientel des Schlosshotels Velden mit seiner wechselvollen Geschichte. Der Wörthersee-Tourismus hatte noch in der Monarchie begonnen, wenn auch in bescheidenen Landgasthöfen. Als Kaiser Franz Joseph und Sisi auf der Durchreise am Wörthersee einkehrten, wurden Adelige, Industrielle und Künstler auf das prächtige Stück Natur aufmerksam.

Der wahre Tourismus-Boom setzte dann in den 1950er-Jahren ein – unterstützt von der unbezahlbaren Werbung durch Filme wie „Du bist die Rose vom Wörthersee“ mit Hans Moser und später von der Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“.

Doch gerade als das „Schloss am Wörthersee“ auf Sendung ging, schlitterte das Hotel in Velden in eine Krise. Gunther Sachs kaufte das 400 Jahre alte Schloss, begann mit seiner Renovierung, gab aber mitten drin auf. Später wurde das Schloss von „Billa“-Gründer Karl Wlaschek gekauft und gerettet.

Seit mehr als 60 Jahren verbringt die frühere Königin Beatrix der Niederlande ihren Skiurlaub im Hotel Post in Lech am Arlberg – und das, obwohl sie hier ihren Sohn Friso durch ein tragisches Unglück verloren hat. Prinz Friso hatte sich im Winter 2012 auf eine Skitour begeben und wurde von einer Lawine erfasst. Er starb im Jahr darauf an den Folgen der Tragödie.

Das Weiße Rössl

Zu Österreichs bekanntesten Hotels zählt das Weiße Rössl am Wolfgangsee – vor allem durch das gleichnamige Singspiel. Die Lovestory zwischen der Rössl-Wirtin und ihrem Oberkellner Leopold hat es wirklich gegeben, allerdings nicht am Wolfgangsee, sondern im Gasthaus Zum Weißen Rössl in Lauffen bei Bad Ischl. Dort hatte sich im Jahr 1897 nicht der Kellner, sondern der Berliner Schriftsteller Oscar Blumenthal in die resche Wirtin Maria Aigner verliebt. Und er machte aus seinem Flirt ein Theaterstück, das später durch Ralph Benatzky vertont wurde.

Kultureller Sommer "Im Weissen Rössl" ­ Die Kult-Operette in Bad Ischl

Nach St. Wolfgang verlegt

Weil der Wolfgangsee bekannter war als der kleine Ort Lauffen, verlegte Blumenthal die Handlung ins tatsächlich existierende Hotel Zum Weißen Rössl nach St. Wolfgang. Dessen Besitzerin Antonia Drassl erkannte den Werbewert des Stücks, gab sich fortan als Rössl-Wirtin aus und machte ihr Hotel weltberühmt, während die echte Wirtin aus Lauffen in Vergessenheit geriet und sogar Konkurs anmelden musste.

Geschichten über Geschichten. Gott sei Dank dürfen Österreichs Hotels am 29. Mai wieder aufsperren.

georg.markus