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Chronik Geschichten mit Geschichte
11/01/2021

Die Gräber der Prominenz am Grinzinger Friedhof

Auf einer der schönsten Ruhestätten Wiens sind Legenden wie Gustav Mahler, das Ehepaar Hörbiger-Wessely, Peter Alexander, Thomas Bernhard, Heimito von Doderer und Helmuth Lohner bestattet

von Georg Markus

Wer zu Allerheiligen der verstorbenen Prominenz seine Reverenz erweisen will, flaniert vorzugsweise zu den Ehrengräbern am Wiener Zentralfriedhof, auf dem Unvergessene von Beethoven über Hans Moser bis Falco ihre letzte Ruhe fanden. Doch am anderen Ende der Stadt befindet sich eine weitere Ruhestätte, die fast ein Geheimtipp ist und ebenfalls viele Große beherbergt: der Grinzinger Friedhof.

„Familie Neumayer“

Grinzing ist einer der nobelsten Stadtteile von Wien, dementsprechend viele Berühmtheiten haben hier gelebt, sind hier gestorben – und begraben. Gleich ums Eck, in der Paul-Ehrlich-Gasse, hat Peter Alexander gewohnt. An seinem Grabstein, auf dem „Familie Neumayer“ steht, würde man fast vorübergehen. Der Publikumsliebling ist 2011 seiner Frau und seiner Tochter in den Tod gefolgt. Das frühe Ableben seines Sohnes musste er nicht mehr erleben. Der einst so strahlende Künstlername Peter Alexander ist klein und bescheiden in den Stein gemeißelt. Der Entertainer hat schon zu Lebzeiten jeden Trubel um seine Person gemieden.

Ebenfalls nahe des Friedhofs, in der Himmelstraße, lebte das Ehepaar Attila Hörbiger-Paula Wessely. Als er 1987 mit 91 Jahren starb, sagte sie: „Ich hoffe im Jenseits all den Menschen, die ich geliebt habe, wieder zu begegnen.“ Ihr Begräbnis im Jahr 2000 hatte sie selbst minutiös geplant: Welcher Priester die Einsegnung vornehmen und welche Musik gespielt werden sollte. Und sie hat es sich verbeten, dass ihr Sarg – wie bei Ehrenmitgliedern des Burgtheaters üblich – um das Bühnenhaus getragen wird.

Die letzte Ruhe in Grinzing: Schauspielstar Helmuth Lohner

Seine Ruhestätte sollte unauffindbar sein: Thomas Bernhard 

Auch am Grinzinger Friedhof beerdigt: Heimito von Doderer

Besucher aus aller Welt wollen sein Grab sehen: Gustav Mahler

Gemeinsame Ruhestätte: Attila Hörbiger & Paula Wessely

Peter Alexanders Grab erkennt man erst auf den zweiten Blick

Am ungleich größeren Zentralfriedhof sind mit Figl, Raab und Kreisky gleich drei Bundeskanzler vereint. Josef Klaus wollte es anders. Er lebte in seinen letzten Jahren im Seniorenwohnheim der Wiener Kaufmannschaft nahe des Grinzinger Friedhofs, in dem er 2001, nach seinem Tod mit 90 Jahren, begraben wurde. An seinem Todestag wird von der Volkspartei immer noch jedes Jahr ein Kranz hinterlegt.

Während am Zentralfriedhof ein Ehrengrab an das andere gereiht ist, herrscht in Grinzing keine derartige Rangordnung, dort ruhen die Prominenten über den ganzen Friedhof verteilt und sind somit nicht ganz leicht zu finden. Einer, der alle ihre Gräber kennt, ist der 71-jährige Jurist Franz Luger, der vis-á-vis des Friedhofs wohnt, ihn seit Jahrzehnten regelmäßig besucht und immer wieder Neues und Interessantes herausfindet.

Wollte versteckt bleiben

So führt er uns zum schlichten Metallkreuz des 1989 verstorbenen Thomas Bernhard, auf das lange Zeit kein sichtbares Namensschild hinwies, weil das Grab für Friedhofsbesucher versteckt bleiben sollte – wie der Schriftsteller ja auch verfügt hatte, dass seine Stücke nach seinem Tod nicht mehr aufgeführt werden. Beide Wünsche wurden nicht erfüllt: Bernhards Stücke werden bekanntlich gespielt und da zahllose Menschen immer wieder nach seiner Ruhestätte fragten, hat die Friedhofsverwaltung am Fuße seines Grabes doch noch eine Tafel mit seinem Namen angebracht.

Anziehungspunkt

Was Beethoven für den Zentralfriedhof, ist Gustav Mahler für Grinzing: der große Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Als der Komponist 1911 mit 50 Jahren an einer Herzschwäche verstorben war, entwarf der berühmte Architekt Josef Hoffmann den Grabstein. Mahler ruht an der Seite seiner vierjährig verschiedenen Tochter Anna, und nur wenige Schritte entfernt von der Ruhestätte seiner Frau Alma Mahler-Werfel. Sie starb 1964 in New York und ließ ihre sterblichen Überreste nach Wien überführen.

Die ersten Bestattungen im alten Teil des Grinzinger Friedhofs erfolgten im Pestjahr 1713, der neue Teil entstand 1829. Der Friedhof gilt als eine der schönsten Ruhestätten Wiens und beherbergt rund 5.000 Gräber, davon weit mehr als 100 Prominenten- und ehrenhalber gewidmete Gräber.

Auch die Damen Christl Schönfeldt und Lotte Tobisch ruhen in Grinzing in trauter Nachbarschaft. Dabei konnten sie einander zu Lebzeiten nicht ausstehen. So sagte die Tobisch, die der Schönfeldt 1981 als Opernballorganisatorin gefolgt war, spitz: „Sie hat den Opernball in den 1950er-Jahren glänzend organisiert, aber sie hat nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass die Zeiten nach einem Vierteljahrhundert andere geworden sind.“ Die Damen haben bis zu Schönfeldts Tod im Jahr 2013 kein Wort mehr miteinander gewechselt.

Der Grabstein, in den „Lotte Tobisch von Labotyn“ eingraviert ist, erzählt die diffizile Geschichte ihres Lebens: Sie hatte sich als 22-jährige Schauspielerin in den um 37 Jahre älteren Dramaturgen Erhard Buschbeck verliebt, doch als der Direktor des Burgtheaters wurde, musste sie es verlassen: „Direktor und Schauspielerin an einem Theater, das war damals unmöglich.“ Er starb 1960, womit für sie die große Liebe und die große Schauspielkarriere auf der Strecke geblieben sind. In ihrem Grab am Grinzinger Friedhof haben sie einander wiedergefunden. Nach fast 60 Jahren!

Autoren, Journalisten...

Ebenfalls in Grinzing sind die Architekten August Sicard von Sicardsburg (Staatsoper), Heinrich Ferstel (Votivkirche) und Gustav „Ironimus“ Peichl begraben. Weiters die Journalisten Hans Dichand, Alfons Dalma und Ex-KURIER-Chefredakteur Hubert Feichtlbauer, der Schriftsteller Heimito von Doderer, der Kabarettist Martin Flossmann sowie die Schauspieler Raoul Aslan, Ida Krottendorf, Ernst Meister und Helmuth Lohner, dessen Grabinschrift kaum leserlich ist.

Inmitten all der Prominenz ruht auch derjenige, der jahrzehntelang über sie berichtete: der 2015 verstorbene Kronen-Zeitung-„Adabei“ Roman Schliesser, der zuletzt für die KURIER-freizeit geschrieben hat.

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