Chronik
03.04.2018

Gaffer filmten vom Lift aus sterbenden Skifahrer

Schaulustige hielten mit ihren Smartphones fest, wie die Helfer vergeblich um das Leben eines Skifahrers kämpften

Scharfe Kritik an Schaulustigen üben Ersthelfer im Zusammenhang mit einem Skiunfall am Kärntner Nassfeld: Dort haben Skifahrer vom Lift aus gefilmt, wie die Einsatzkräfte vergeblich um das Leben eines Verunfallten kämpften.

Am Ostermontag um 13.15 Uhr war ein 63-jähriger Kärntner aus Maria Saal mit Alpinskiern auf der FIS-Abfahrt unterwegs. Im Auslauf des Steilhanges kam er aus Eigenverschulden zu Sturz und blieb mit schweren Kopfverletzungen bewusstlos in der Nähe der Bergrettungsstation liegen. Ersthelfer der Bergrettung Klagenfurt waren sofort an der Unfallstelle und begannen mit Reanimationsmaßnahmen. In der Folge trafen weiters die Alpinpolizei, der Rettungshubschrauber Airmed 1 sowie die Polizei Kötschach ein.

Polizeieinsatzleiter Albert Schellander fielen sofort die Schaulustigen auf, die die Vorgänge mit ihren Mobiltelefonen fotografierten und filmten. „Wie viele es waren, kann ich nicht sagen, weil wir uns ja um den Schwerverletzten kümmern mussten. Aber wir haben oft aufgeschaut und gesehen, dass die Skifahrer vom 15 Meter entfernten Schlepplift aus schamlos alles gefilmt haben“, beanstandet Schellender. Zehn Helfer hätten um das Leben des Betroffenen gekämpft, der 63-Jährige sei aber leider vor Ort seinen Verletzungen erlegen.

Kein Schutztuch

Schellander weiter: „So eine Hilfsaktion am Berg ist nicht mit einer im Tal vergleichbar. Wir haben kein Schutztuch, können die Würde des Menschen nicht wahren. Ein Helfer ist so in Rage geraten, dass er an einen Schaulustigen herangetreten ist und ihn angeschrien hat, wie pietätlos er ist“, sagt Schellander.

Das Filmen und Fotografieren eines Einsatzes ist übrigens nicht strafbar; lediglich die Veröffentlichung, eine unterlassene Hilfeleistung oder die Behinderung der Hilfe könnten verfolgt werden. Letzteres lag nicht vor.