Chronik
04.04.2018

Die Zigarette nach der Operation bleibt

Die Wiener Ärztekammer fordert in Lokalen das Rauchverbot, im Spital will man aber freie Wahl lassen

Zu Melange und zum Bier schmeckt den Rauchern eine Zigarette bekanntlich gut – aber sogar im Krankenhaus wollen viele nicht darauf verzichten. Das bestätigte ein Lokalaugenschein des KURIER im Wiener AKH und im SMZ Ost in der Donaustadt.

Bei herrlichem Wetter standen am Dienstag viele Patienten im Morgenmantel neben Krankenhauspersonal vor dem Spital, um zu rauchen. Bei Schlechtwetter können die Raucher in einen eigenen Bereich in der Cafeteria des Donauspitals ausweichen. Sowohl AKH als auch SMZ Ost verfügen über Trafiken in den jeweiligen Foyers, wo Patienten und Krankenhausmitarbeiter Zigaretten kaufen können.

Heute, Mittwoch, geht das Nichtraucher-Volksbegehren in die finale Phase. Es soll ein erster Schritt zurück zum absoluten Rauchverbot in Restaurants und Bars sein. Aber selbst wenn sich die Initiatoren – Wiener Ärztekammer und Österreichischen Krebshilfe – durchsetzen, würde ein neues Gesetz die Krankenhäuser nicht betreffen. In und rund um Spitäler dürfte weiter gequalmt werden. Und das, obwohl besonders Mediziner gegen die Raucherbereiche in der Gastronomie auf die Barrikaden gehen.

Milde Töne

Der Vizepräsident der Wiener Ärztekammer Wolfgang Weismüller sieht das Thema Rauchen im Krankenhaus auf KURIER-Anfrage unerwartet locker: „Aus medizinischer Sicht ist Rauchen natürlich sehr bedenklich. Wir wollen aber prinzipiell die Freiheit zu rauchen nicht unterbinden. Uns geht es jetzt um die Gesundheit von Lokalgästen und Mitarbeitern in der Gastronomie.“ Außerdem sei es eine Sache der Spitals-Träger, ob in den Krankenhäusern geraucht werden darf oder nicht.

Im Fall des AKH und des Donauspitals ist der Wiener Krankenanstaltenverband (KAV) der Träger – und auch dort nimmt man das Thema locker – oder resigniert vor den vielen rauchenden Patienten.

Vermeidungstaktik

Der KAV sei laut Pressesprecherin Marion Wallner natürlich an die geltenden gesetzlichen Vorschriften betreffend Arbeitnehmerschutz und Nichtraucherschutz gebunden. Im Interesse der Patienten, Besucher und Mitarbeiter sei das Rauchen in den Spitälern, Pflegewohnhäusern und Geriatriezentren des KAV deshalb grundsätzlich verboten.

Aber: „Um zu vermeiden, dass trotz Rauchverbots in Patientenzimmern, Gängen und dergleichen geraucht wird, kann ein Spital bestimmte Zonen definieren, in denen das Rauchen gestattet ist“, sagt Marion Wallner. Dementsprechend gebe es in manchen Krankenhäusern Raucherkabinen oder Raucherzonen im Freien. „Diese Zonen sind alle gekennzeichnet und mit Aschenbechern versehen.“

Nachgefragt

Josef Sattler ist Betriebsratsvorsitzender im UK Krems und versteht die Situation der Raucher im Spital

KURIER: Als Arzt kennen Sie die negativen medizinischen Folgen des Rauchens. Ist es für Sie trotzdem  nachvollziehbar, dass es in vielen Spitälern noch Raucherzonen gibt?
Josef Sattler: Ich selbst bin  Nichtraucher und  bin auch  froh darüber, dass nicht mehr so viel geraucht wird wie beispielsweise  in den 1970er-Jahren, wo in jedem Fernsehstudio Menschen  mit Zigaretten zu sehen waren.  Trotzdem kann ich es nachvollziehen, dass viele Raucher in Ausnahmesituationen eben zur Zigarette greifen. Das ist in Österreich auch legal. Bei dem laufenden Volksbegehren geht es um Nichtraucherschutz und nicht um ein Rauchverbot.

Sprechen Sie beim Thema  Ausnahmesituationen nur von Patienten?
Nein, da geht es nicht nur um Patienten, sondern auch um Angehörige und Mitarbeiter. Wenn es zum Beispiel zu einer Reanimation kommt oder ein Kind  schwer verletzt ist oder gar stirbt, dann ist das natürlich sehr schwierig für die Angehörigen  –  und auch an den behandelnden Ärzten und Mitarbeitern geht das nicht spurlos vorüber. In  solchen Ausnahmesituationen ist es wichtig, Gegenstände und Gewohnheiten des  Alltags  einzugliedern. Manche Menschen  trinken dann einen Kaffee, manche essen ein Stück Brot oder Süßes  und manche rauchen. Das sollte ihnen in so einer Situation auch nicht verwehrt werden, vor allem weil das Rauchen eine Sucht ist. Ich hoffe, dass die Politik in Zukunft angemessene Rahmenbedingungen definiert. Die derzeit laufende Debatte rund um den Nichtraucherschutz hat nichts mit der Thematik des Rauchens in Krankenhäusern zu tun.