"Papa Joe" Gruber ist seit 23 Jahren im Geschäft und betriebt zwei Bordelle in Trausdorf und Marz, früher war er Turnprofessor

© GEORG GESELLMANN/georg gesellmann

Lokalaugenschein
03/15/2014

Zweifacher Bordellbesitzer ist "bei Gott kein Teufel"

Bei Prostitution geht es um Ausbeutung der Frauen, sagt Renate Holpfer von der Beratungsstelle.

von Georg Gesellmann

Wenn Joe Gruber durch seinen Heimatort Sieggraben im Burgenland spaziert und einer älteren schwarz gekleideten Frau begegnet, bekreuzigt sie sich und schaut gen Himmel. "Sie denkt sich wahrscheinlich, hier kommt die Sünde in Person", sagt Gruber. Er versteht die alte Frau, denn wenn jemand zwei Bordelle (Noblesse in Marz und Eden-Bar in Trausdorf) betreibt, "der kann kein Guter sein". Gruber fühlt sich aber mit keiner Sünde behaftet. "Das ist ein Job wie jeder andere, der ruhigste der Welt." Und: "Ich bin ja bei Gott kein Teufel."

Eden-Bar im burgenländischen Trausdorf. Ave Maria (Gegrüßet seist du Maria) ist aus den Musik-Boxen zu hören. Wände in rotem Samt, Barockleuchten-Imitate. Auf einem großen Bildschirm wird ein Porno gezeigt. Die Bilder sind scharf. Joe Gruber, dreifacher Familienvater, ehemaliger Sportlehrer (18 Jahre unterrichtete er an einem Wiener Gymnasium) und Ex-Fußballstar des FC Sieggraben, in seiner Jugend Liebling vieler Frauen, sieht diese Filme tagtäglich.

Aus allen Schichten

Die Gäste kommen meist erst nach Mitternacht. Betrunken? "Verallgemeinern kann man es nicht." Seine Gäste kommen aus allen Schichten der Gesellschaft. Ob Bürger- oder Baumeister, Straßenkehrer oder Beamter. "Selbst zwei Pfarrer machten gerne einen Einkehrschwung zu uns."

Er erinnert sich noch an Zeiten, wo Geschäftsleute bis zu 70.000 Schilling in einer Nacht auf die Tische geschmissen und in die Höschen gesteckt haben. Der Verdienst für die Frauen habe sich in den vergangenen Jahren "drastisch" verschlechtert. Eine Dame verdiente vor 15, 20 Jahren 80.000 bis 100.000 Schilling im Monat. "Heute kann sie noch so toll sein, es bleiben ihr vielleicht 2000 Euro", behauptet der ehemalige Turnprofessor.

Er selbst sieht sich nicht als Ausbeuter der Frauen. "Sonst würden sie ja nicht Papa Joe zu mir sagen", meint Joe Gruber. Angelique (Name geändert) aus der Dominikanischen Republik unterstützt Papa Joe: "Ja, er ist sehr nett zu mir und hilft auch bei rechtlichen Fragen."

30 bis 40 Euro beträgt die Miete für ein Zimmer. Je nachdem, wie lange die Räumlichkeit benötigt wird. Wie viel der Freier der Frau zahlt, das machen sie sich untereinander aus. 30 Prozent erhalten die "Schönen der Nacht" bei Getränken. Eine Flasche Sekt kostet zwischen 60 und 80 Euro.

Abhängig

Renate Holpfer, Geschäftsführerin der Frauenberatungsstelle Frauen für Frauen Burgenland, sieht das anders: "Bei Prostitution geht es immer um Ausbeutung des weiblichen Körpers. Ich habe noch keine Frau kennengelernt, die Prostitution als ihren Wunsch-Job definiert hätte." Alle habe sie als abhängig wahrgenommen, von einem Zuhälter oder deswegen, weil sie für sich keine Möglichkeit gesehen haben, einer anderen Beschäftigung nachzugehen, mit der sie für sich und ihre Kinder den Unterhalt hätten finanzieren können. Sehr viele Frauen seien von Gewalt betroffen und können keine Hilfe organisieren.

Wenn Gruber von "seinen Frauen, denen es gut geht" spricht, äußere er zumindest einen Besitzanspruch, "das alleine muss hellhörig machen".

Und wenn der Herr Gruber meint, dass er die Frauen nicht ausbeutet: "Na, wovon lebt er dann?"

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