Zwei Vikare, viele Wege zur Kirche

Heike KroemerRatsvikar, Thomas Tiwald, Stotzing
Foto: Heike Kroemer Thomas Tiwald hätte auch mit weiblichen Priestern kein Problem.

Engagement in der Kirche verbindet Inge Strobl-Zuchtriegl und Thomas Tiwald. Die Rolle der Frau beschäftigt beide.

Thomas Tiwald und Inge Strobl-Zuchtriegl könnten unterschiedlicher nicht sein. Er ein junger Wirtschafter mit einer sehr liberalen Einstellung zur Kirche, der frei drauflos plaudert. Sie eine studierte Theologin, die ihre Worte mit Bedacht auswählt und für die Glauben innere Ruhe und das Finden der eigenen Mitte bedeutet. Was die beiden Burgenländer verbindet, ist ihr Engagement für die Kirche. Beide spiegeln wider, wie breit das Spektrum an Kandidaten ist. Sie sind Ratsvikare in den Pfarren Stotzing bzw. Eisenstadt-Oberberg und stellen sich morgen, Sonntag, erneut der Wahl, die diesmal unter dem Motto „Gut, dass es die Pfarre gibt!“ steht.

Inge Strobl-Zuchtriegl hat sich sehr bewusst dafür entschieden, ihr freiwilliges Engagement in die Kirchen­arbeit einzubringen. „Ich bin mit der Kirche sehr verbunden. Für die Mitarbeit in der Pfarre Eisenstadt-Oberberg habe ich mich entschieden, weil das sehr viele Möglichkeiten bietet. Im sozialen, im kulturellen Bereich, im Bereich des kommunikativen Miteinanders. Eine Pfarre lebt von den Menschen, die in ihr sind und wirken. Mir war es wichtig, in einer lebendigen Pfarre mitwirken zu können“, so die 57-Jährige. Was Strobl-Zuchtriegl besonders am Herzen liegt, ist das kulturelle Erbe Joseph Haydns zu erhalten. In der Bergkirche wurden viele seiner Messen aufgeführt, hier fand er auch seine letzte Ruhestätte.

 

Mediator

Thomas Tiwald kam zu seiner Funktion im Pfarrgemeinderat wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind. „Der Pfarrer hat bei uns geläutet und ich dachte, dass er meine Frau kontaktieren will. Doch er fragte mich, ob ich nicht Interesse hätte, in der Pfarre mitzuarbeiten“, erzählt der junge Stotzinger. Das erste Reinschnuppern ist jetzt fünf Jahre her, die Tätigkeit gefällt Tiwald. Als „straighter“ Kirchenmann sieht sich der zweifache Familienvater nicht. „Ich bin sehr weltoffen und gehöre sicher zu den liberalen Vertretern“, sagt er lachend. Das merkt man auch, wenn man ihn nach der Rolle der Frau in der Kirche befragt. „Frauen engagieren sich ja jetzt schon in vielen Bereichen. Ich persönlich hätte auch mit weiblichen Priestern kein Problem“, sagt Tiwald, der sich als Mediator zwischen weltlicher Kirche und Pfarrer sieht.

Strobl-Zuchtriegl meint: „Die Tradition in der Kirche ist von den Männer her bestimmt, das hat auch mit dem Ursprungsort, Israel, zu tun. Aber: ,Die’ Zukunft ist weiblich, und es wird an den Frauen liegen, lebendige Kirche zu gestalten.“

Dass das Kirchenvolk nicht immer die Meinung der Kirchenleitung mitträgt, ist für die beiden kein Problem. „Es gibt immer verschiedene Blickwinkel. Diversität und Differenz bereichern“, sagt Strobl-Zuchtriegl. Und Tiwald bricht es noch weiter herab. „Ich glaube, dass die Person des Priesters in der

Pfarre ganz wichtig ist. Wenn der bei den Menschen ankommt, dann wird auch die Gemeinschaft nicht so leicht erschüttert.“

Gemeinderäte: Frauen in der Mehrheit

Wahlen Nach den Pfarrgemeinderatswahlen 2007 gab es in den 171 Pfarren der Diözese Eisenstadt 2061 Pfarrgemeinderäte. Die Mehrheit davon, nämlich 1113 waren Frauen. Die Wahlbeteiligung lag bei 37 Prozent. Gewählt wird alle fünf Jahre in den Kategorien Frauen, Männer & Jugendliche. Die Mitglieder des PGR wählen aus ihrer Mitte den/die Ratsvikar/in. Das religiöse Ehrenamt rangiert österreichweit auf dem dritten Platz hinter einer Tätigkeit im Kultur- oder Sportbereich. Das Aufgabengebiet umfasst die Caritas, die Jugend/Jungschar, das Ausrichten von Kirchenfesten, Gestaltung der liturgischen Feiern oder Wallfahrten.

 

(kurier) Erstellt am
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