Wissenschaftlich und penibel wird in Frauenkirchen die Synagoge aus dem 17. Jahrhundert erforscht

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Archäologie
04/26/2014

Zufall bringt Licht ins Dunkel

In Frauenkirchen wurde bei Baggerarbeiten eine alte Synagoge entdeckt

von Georg Gesellmann

Die nordburgenländische Stadt Frauenkirchen war einst weltberühmt. Denn sie gehörte bis zum Jahre 1938 zu den sogenannten Siebengemeinden (hebräisch: Schewa Kehilot), die einen hohen Stellenwert – weltweit – in der jüdischen Community genossen.

Auch wenn es schon lange her ist, will man in Frauenkirchen dieses jüdische Leben nicht verdrängen. Dies ist dem Verein „Initiative Erinnern Frauenkirchen“, der vor rund zwei Jahren unter der Federführung von Herbert Brettl gegründet wurde, zu verdanken. „Dieser Verein bezweckt, verschiedene Erinnerungsstätten im Raum Frauenkirchen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, insbesondere Relikte der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Frauenkirchen“, sagt Brettl.

An sich war „ein würdiges Erinnerungszeichen“ am ehemaligen Standort des jüdischen Tempels – wo heute Autos vor dem Zielpunkt parken – geplant. Jetzt müssen der Architekt Martin Promintzer, er ist aus Frauenkirchen, und die Künstlerin Dvora Barzilai ein neues Konzept entwickeln. Denn durch „einen Zufall“ bei Baggerarbeiten, so Archäologe und Grabungsleiter Kurt Fiebig, „sind wir auf eine noch ältere Synagoge gestoßen“. Es handelt sich dabei um eine aus dem späten 17. oder frühen 18. Jahrhundert. Einen derartigen Fund hätte es in Österreich noch nicht gegeben, so Fiebig. Von einer „Sensation“ will der Archäologe dennoch nicht sprechen, „aber es ist ein außergewöhnliches historisches Kunstdenkmal“.

Herbert Brettl ist „natürlich“ über diesen Fund „mehr als begeistert“. Er und der Verein fühlen sich dadurch bestätigt, die Geschichte aufzuarbeiten. Dieses Thema sei zwar nach wie vor in Frauenkirchen respektive im Seewinkel „heiß“, aber eines möchte er nicht: „Schuldzuweisungen, sondern ein würdiges Gedenken.“

Während in Frauenkirchen erste Erfolge für die jüdische Gemeinde zu verzeichnen sind, kämpft Gertraud Tometich in Mattersburg um ein ähnliches Projekt. Nur hier hat man nach Bodenradarmessungen am Brunnenplatz, wo der Tempel stand, „leider nichts gefunden“, sagt Tometich. Grabungen wird es nicht geben. Geplant ist eine „Erinnerungsstätte“. Die Stadtgemeinde Mattersburg steht diesem Projekt „sehr positiv“ gegenüber. Ein anderes Projekt bahnt sich jedoch in Mattersburg an: Der Weg entlang der Wulka, vom Brunnenplatz weg, soll nach Samuel Ehrenfeld, dem letzten Rabbiner von Mattersburg, benannt werden.