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Burgenländer kämpft bei WorldSkills um Medaille

Elias Stephan aus Bad Sauerbrunn vertritt Österreich bei den „WorldSkills“ in Schanghai. Noch nie holte ein Burgenländer bei den Berufsweltmeisterschaften Edelmetall.
Vier Männer stehen zusammen, halten eine rot-gelbe Fahne mit Adlerwappen und einen schwarzen Koffer mit gelbem Schriftzug.

Für Elias Stephan wird es im September ernst. Der 21-jährige Möbeltischler aus Bad Sauerbrunn tritt von 22. bis 27. September bei den 48. WorldSkills in Schanghai an – den Berufsweltmeisterschaften, bei denen sich die besten jungen Fachkräfte aus aller Welt messen. Bisher hat noch kein Teilnehmer aus dem Burgenland bei den WorldSkills eine Medaille geholt.

Stephan ist Teil des 48-köpfigen österreichischen Teams und startet im Bewerb der Möbeltischler. Vor seiner Reise nach China wurde er von Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth und WK-Direktor Harald Schermann offiziell verabschiedet. Mit einem Augenzwinkern bekam der junge Handwerker einen Koffer überreicht – „damit er beim Heimflug genug Platz für eine Medaille hat“.

Tischler für Luxusjachten

Dass Stephan auf internationaler Bühne antritt, kommt nicht von ungefähr. Der Bad Sauerbrunner arbeitet bei List General Contractor in Bad Erlach, wo hochwertige Möbelstücke für Luxusjachten gefertigt werden. Es sind Einzelanfertigungen, bei denen Maßarbeit, Materialkenntnis und präzise Abläufe gefragt sind. „Ich arbeite täglich an Bauteilen, bei denen es auf jedes Detail ankommt. Genau diesen Anspruch nehme ich auch mit zu den WorldSkills“, sagt Stephan.

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Der Wettbewerb in Schanghai ist für ihn nicht nur ein Leistungsvergleich, sondern auch eine persönliche Bewährungsprobe. „Für mich ist das die Chance, mein Können auf internationalem Niveau zu zeigen und mich mit den Besten meines Berufs zu messen. Gleichzeitig ist es eine große persönliche Herausforderung – weil dort unter Druck entschieden wird, wie präzise und konstant man wirklich arbeitet.“ In der Vorbereitung gehe es daher nicht nur um einzelne Handgriffe. Entscheidend seien stabile Abläufe, sauberes Arbeiten unter Zeitdruck und ein möglichst fehlerfreier Gesamtprozess. Genau diese Faktoren entscheiden bei den WorldSkills über Punkte und Platzierungen.

Signal gegen den Trend

Wirtschaftskammerpräsident Andreas Wirth sieht in Stephans Teilnahme ein Signal für die Lehre: „Die Teilnahme an den WorldSkills ist ein starkes Zeichen für die Qualität der dualen Ausbildung und für die Leistungsfähigkeit unseres Handwerks.“ WK-Direktor Harald Schermann betont die Vorbildwirkung des jungen Facharbeiters: Internationale Wettbewerbe würden sichtbar machen, „welches Know-how in den Betrieben steckt“. Stephan stehe stellvertretend für viele talentierte Nachwuchsfachkräfte im Burgenland.

Der Auftritt in Schanghai fällt in eine Zeit, in der die Lehre im Burgenland vor erheblichen Herausforderungen steht. Laut Wirtschaftskammer wurden Ende 2025 im Burgenland 2.346 Lehrlinge ausgebildet, um 6,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit ist der Rückgang stärker ausgefallen als im Österreich-Schnitt. Besonders wichtig bleiben dennoch Gewerbe und Handwerk: Fast die Hälfte aller burgenländischen Lehrlinge wird in diesem Bereich ausgebildet. Gleichzeitig kämpfen viele Betriebe darum, genügend geeignete Nachwuchskräfte zu finden. Die Gründe dafür reichen von demografischen Veränderungen über die starke Konkurrenz weiterführender Schulen bis hin zu einem Imageproblem mancher handwerklicher Berufe.

„Elias Stephan zeigt eindrucksvoll, was mit Engagement, Präzision und fachlicher Konsequenz möglich ist“, sagt Wirth. Sein Motto: „Mit einer Lehre kann man alles erreichen.“ Für Stephan selbst zählt nun vor allem die Vorbereitung. Im September soll sich zeigen, ob erstmals ein Burgenländer mit einer WorldSkills-Medaille heimkehrt.

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