Hitziger Streit um dürre Pflanzen in Neusiedl am See
Mit Lavendel bepflanzter Kreisverkehr in Neusiedl am See
Was zwischen Wolf Stockinger und der Stadtgemeinde Neusiedl am See schiefgelaufen ist, darüber kann man als Außenstehender nur spekulieren. Fakt ist, dass der selbsternannte „Zaubergärtner“ in den vergangenen zehn Jahren Dutzende Pflanzenbeete im klimafitten und mehrfach preisgekrönten „New Pannonian Style“ in der Stadt kultiviert hat – jetzt nicht mehr.
In den vergangenen Wochen äußerte Stockinger immer wieder öffentlich seinen Unmut darüber, wie die Mitarbeiter der Stadt nun mit seinem Werk umgehen. Die grüne Stadtpartei schloss sich Mitte Juni der Kritik an und sprach von einem „ökologischen und finanziellen Desaster“: Von Stockingers knapp 80 Beeten sei inzwischen die Hälfte in einem desolaten Zustand.
"Zaubergärtner" Wolf Stockinger
Anfang der Woche wandte sich der Gärtner selbst an den KURIER: „Nach gründlicher Bestandsaufnahme muss ich leider bestätigen, dass mittlerweile über 40 Beete durch falsche Maßnahmen geschädigt, verwahrlost, oder gar zerstört wurden. Ich muss ehrlich sagen: ich hab' zuvor in meinen 40 Berufsjahren insgesamt nicht annähernd so viel Lieblosigkeit und Empathiebefreitheit und zugleich auch Beratungsimmunität, wie hier von den Entscheidungsträgerinnen der Neusiedler Stadtgemeinde, erleben müssen“, macht Wolf Stockinger seinem Frust Luft.
Während der jüngsten Hitzewelle hätte er gerne zahlreiche Pflanzen vor dem Vertrocknen gerettet, klagt Stockinger weiter – Mitarbeiter des Bauhofs hätten ihm jedoch zu verstehen gegeben, dass keine weiteren ehrenamtlichen Tätigkeiten von ihm erwünscht seien.
„Stadt hüllt sich in Schweigen“
Im Rathaus würden seine Beschwerden indessen auf taube Ohren stoßen: „Leider hüllt sich die Stadtgemeinde Neusiedl seit März in eisiges Schweigen und antwortet mir nicht.“
Zu allem Überdruss sei im vergangenen Frühjahr auch noch sein „Lebensbaum“, wie er selbst angeblich Jahrgang 1966, vor seinem Haus gefällt worden – „obwohl ich alle Verantwortlichen im Vorfeld eindringlich ersucht hatte, mit mir zu kommunizieren“.
Für Wolf Stockinger hat es sich in Neusiedl am See damit ausgegartelt. Er leitet nun vermehrt Projekte in anderen Gemeinden – zuletzt etwa in Nickelsdorf, Kittsee und Winden am See – und verlegte seine „Gartentage“ nach Gols.
Bürgermeisterin kontert
In einer Stellungnahme gegenüber dem KURIER wies Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) Stockingers Vorwürfe entschieden zurück: „Die Beete wurden wie jedes Jahr im Frühjahr gereinigt und werden regelmäßig gepflegt. Im gesamten Stadtgebiet blüht es. Unser Bauhof-Team leistet täglich hervorragende Arbeit für ein gepflegtes, sauberes und blühendes Stadtbild – auch bei hochsommerlichen Temperaturen. Gerade in diesem Jahr sind wir mit einem extremen Sommer konfrontiert, der unsere Grünflächen und unser Bauhof-Team besonders fordert. Der Vorwurf, die Stadtgemeinde würde ihre Grünflächen vernachlässigen, entspricht daher nicht den Tatsachen.“
Zudem werde im Stadtgebiet laufend nachgepflanzt, betont Böhm: 300 Bäume seien in den vergangenen Jahren neu gepflanzt worden, allein heuer würden bis Jahresende 50 weitere dazukommen. Das Projekt „Baumpatenschaften“ im Seebad sei ein großer Erfolg.
Elisabeth Böhm, Bürgermeisterin von Neusiedl am See (SPÖ)
Auch der Darstellung Stockingers, seine Arbeit sei ehrenamtlich gewesen, widerspricht die Stadtchefin: „Eine ehrenamtliche Pflege der städtischen Grün- und Blühflächen durch Dritte hat es in dieser Form nicht gegeben. Es bestanden Vereinbarungen, die mit finanziellen Aufwendungen verbunden waren und grundsätzlich eingehalten wurden.“ Diese Vereinbarung mit Wolf Stockinger sei im Vorjahr auf eigenen Wunsch nicht verlängert worden.
Zum Vorwurf der Nicht-Kommunikation sagt Böhm: „Die Darstellung, es habe keine Kommunikation zur Kooperation gegeben, ist nicht richtig. Wir haben stets auf Augenhöhe kommuniziert. Projekte werden nach Priorität gereiht und entsprechend abgearbeitet.“
Und der „Lebensbaum“?
Und warum musste Stockingers geliebter „Lebensbaum“ weichen? Die nüchterne Antwort der Bürgermeisterin: „Die Stadtgemeinde Neusiedl am See führt seit Jahren einen vom Gemeinderat beschlossenen Baumkataster. Auf dieser Grundlage überprüfen die Bundesforste jährlich den Baumbestand im gesamten Stadtgebiet. Beschädigte, kranke oder nicht mehr standsichere Bäume werden aus Sicherheitsgründen entfernt; wo möglich, werden nur kranke Teile zurückgeschnitten.“
Ob Stockinger und Neusiedl am See noch einmal auf einen grünen Zweig kommen werden? Die Worte des Zaubergärtners klingen nicht nach Versöhnung: „Die Situation hat mich und meine Frau krank gemacht. Wir brechen zunehmend unsere Zelte aus dieser lieblos geführten Stadt ab.“
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