Chronik | Burgenland
17.05.2018

„Müssen draußen bleiben“: Anrainer wollen Seezugang

Eine Podersdorfer Siedlung hatte direkten Zugang zum Neusiedler See. Nun ist er versperrt.

Ihrem Namen wird die Siedlung „Wüste“ am Ortsrand von Podersdorf trotz Regenwetters nicht gerecht. Idyllisch präsentieren sich die rund 70 Häuser nahe dem Neusiedler See. Doch der Schein trügt. Denn trüb ist nicht nur das Wetter an diesem Tag, sondern auch die Stimmung, die seit Monaten zwischen den rund 170 Bewohnern der „Wüste“ und der Gemeinde.

„Wir werden einfach ignoriert.“ Gottfried Ettl ist sichtlich aufgebracht. Seit den 70er-Jahren bewohnt er ein Haus in der „Wüste“. Bisher brauchte er quasi nur über die Straße zu gehen und schon war er direkt am Wasser des Neusiedler Sees. „Die Häuser wurden damals mit der Zusage gebaut, einen Seezugang zu haben“, erzählt Ettl. Doch nach rund 40 Jahren wird den Bewohnern nun dieses Recht mittels einem Zaun verwehrt. „Bereits vor drei Jahren hat die Gemeinde hier eine Kiteschule errichten lassen, aber wir konnten nach wie vor hinein. Seit dem Frühjahr 2017 ist aber leider Schluss damit. Das gesamte Areal ist eingezäunt und wir werden ausgesperrt“, sagt der Podersdorfer.

Nur für Bootsbesitzer

Grund für das Aussperren der „Wüsten“-Bewohner waren Umbauarbeiten der Gemeinde. Die beiden Segelhafen Süd und Nord wurden zusammengelegt. „Daher wurde der Segelhafen am Südstrand vergrößert und ein Trockenliegeplatz für Boote errichtet“, sagt die Bürgermeisterin von Podersdorf, Michaela Wohlfahrt. Dieser sei versperrt und nur für Bootsbesitzer zugänglich. „Natürlich bedeutet es für die Bewohner, dass sie an dieser Stelle nun nicht mehr zum See können. Aber es war eine notwendige Maßnahme der Gemeinde“, bekräftigt Wohlfahrt.

Stattdessen hätten die rund 170 Anrainer die gleichen Berechtigungen wie alle anderen Podersdorfer auch: „Mit einer Berechtigungskarte, die sie sich von der Gemeinde holen können, kann jeder Siedlungsbewohner gratis ins Strandbad“, erklärt die Bürgermeisterin. Gottfried Ettl gibt sich damit nicht zufrieden: „Es macht einen Unterschied, ob man nur wenige Meter bis zum See hat, oder zwei Kilometer bis zum Strandbad gehen muss“, zeigt er sich verärgert. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass die Gemeinde Veränderungen durchführt, aber „unser Recht muss gewahrt bleiben. Wir wären ja schon mit einem Ersatz zufrieden“, betont Ettl. So würde sich gleich daneben der Eingang zum Campingplatz befinden. „Wenn wir diesen nützen könnten, wären wir zufrieden.“

Rechtliche Schritte

Seit Juli des vergangenen Jahres sei er deshalb mit der Bürgermeisterin im Gespräch, um eine für alle verträgliche Lösung zu erzielen. Auch eine Unterschriftenliste wurde der Ortschefin übergeben. Doch bisher kam man auf keinen gemeinsamen Nenner. „Es wird vorerst so bleiben. Es gibt keine Alternative“, sagt Wohlfahrt.

Ettl will dennoch weiter für den direkten Seezugang für die „Wüsten“-Bewohner kämpfen: „Wir überlegen rechtliche Schritte dagegen zu unternehmen. Es kann nicht sein, dass wir gut 40 Jahre Zutritt hatten und nun nicht mehr.“