Freisprüche nach Prügelattacke in Neusiedl am See
Freisprüche und Diversionen im Wiener Raubprozess gegen sechs Jugendliche nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung in Neusiedl am See.
Mit Freisprüchen und Diversionen hat am Montag ein Prozess gegen sechs Jugendliche am Wiener Landesgericht geendet. Den Burschen war vorgeworfen worden, einen 20-jährigen mutmaßlichen Drogendealer und dessen damals 14-jährigen Begleiter in Neusiedl am See zusammengeschlagen zu haben. Zudem soll dem heute 15-Jährigen ein Gucci-Gürtel im Wert von 400 Euro abgenommen worden sein.
Der Schöffensenat konnte allerdings nicht mehr feststellen, wer den Gürtel tatsächlich an sich genommen hatte. „Es ist Ihnen zugutegekommen, dass Sie sich sehr ähnlich sehen“, sagte die Richterin zu einem Brüderpaar. Deshalb wurden alle sechs Angeklagten vom Vorwurf des Raubes freigesprochen. Auch der Vorwurf des versuchten Raubes wurde fallengelassen. Laut Anklage hätten die Jugendlichen versucht, dem 20-Jährigen einen Schuh wegzunehmen.
Was nach Ansicht des Gerichts allerdings vorlag, war versuchte schwere Körperverletzung durch vier der Angeklagten. Der 20-Jährige erlitt Prellungen und blaue Flecken. Der damals 14-jährige Begleiter stieß mit dem Kopf gegen eine Betonstiege und erlitt eine Platzwunde. Die Rettung musste ihn versorgen.
Auch hier konnte laut Gericht nicht mehr festgestellt werden, wer welche Schläge und Tritte gesetzt hatte. Die vier Jugendlichen bekannten sich jedoch grundsätzlich zu den Taten. Ihre Verfahren wurden diversionell erledigt. Sie müssen innerhalb eines halben Jahres jeweils 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der 17-jährige Erstangeklagte muss zusätzlich 100 Euro Pauschalkosten zahlen. Zuvor hatten die vier dem 20-Jährigen 1.000 Euro symbolisches Schmerzengeld übergeben.
Auslöser des Konflikts sei der Drogentod des Cousins des Erstangeklagten gewesen, erklärten die Verteidiger. Der Verwandte sei an einer Überdosis Suchtgift gestorben. Der 17-Jährige habe den mutmaßlichen Drogendealer deshalb „zur Rede stellen“ wollen und dafür Freunde mit ins Burgenland genommen. Ein Ermittlungsverfahren gegen den 20-Jährigen sei allerdings eingestellt worden, hielt die Richterin fest.
Das Opfer schilderte vor Gericht, der Angeklagte habe ihm geschrieben, er sei „schuld am Tod seines Cousins“. Danach seien mehrere Jugendliche auf ihn losgegangen. Sie hätten ihn geschlagen, getreten und bespuckt.
Auf einem Video, das einer der Angeklagten aufgenommen hatte, waren Teile der Auseinandersetzung zu sehen. Darauf liegt das Opfer am Boden, während ein Angeklagter mehrfach gegen dessen Rücken tritt und versucht, ihm einen Schuh wegzunehmen. Auch der damals 14-jährige Begleiter wurde geschlagen und stürzte auf den Hinterkopf.
Den Vorwurf des Raubes bestritten alle Angeklagten. Laut Verteidigung sei es nicht darum gegangen, Gegenstände dauerhaft zu behalten, sondern darum, die Opfer zu demütigen. Der Gucci-Gürtel sei später gegen drei Maxi-King-Riegel an einen Unbekannten weitergegeben worden.
Der 20-Jährige soll laut Aussagen der Angeklagten vor der Eskalation ein Messer gezogen haben. Einer der Jugendlichen erklärte, das Opfer habe seine Uhr und seine Kette gegen „Gras“ tauschen wollen. Als der Mann nach den Gegenständen gegriffen habe, habe er zugeschlagen.
Für Aufsehen sorgte am Ende auch eine Diskussion über Snapchat. Einer der Angeklagten soll ein Video mit dem Gürtel über die Plattform verschickt haben. Die Richterin ging zunächst davon aus, dass der sogenannte Snap im Archiv gespeichert sein müsse. Der Staatsanwalt machte daraufhin einen Selbsttest, auch ChatGPT wurde zur Funktionsweise der App befragt. Schließlich räumte die Richterin ihre Fehleinschätzung ein.
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