Burgenlands Vizepolizeichef Fasching geht: Wer ihm folgen könnte

Seit 2008 war der Rohrbacher Vizechef der burgenländischen Polizei. Ab 1. April ist der Generalmajor nach 46 Dienstjahren im Ruhestand. Fünf Bewerber rittern um seine Nachfolge.
Medientermin Grenzkontrollschwerpunkt in Oberpullendorf

Als Werner Fasching im August 1980 in die damalige Bundesgendarmerie eingetreten ist, war Bruno Kreisky noch Bundeskanzler, an der Fußball-EM in Italien nahmen erstmals acht statt vier Nationalteams teil – und Hans Peter Doskozil beendete gerade seine Volksschulzeit.

46 Jahre später und viele Sprossen auf der Karriereleiter höher endet die Dienstzeit von Generalmajor Fasching in ein paar Wochen. Ab 1. April ist der langjährige stellvertretende Landespolizeidirektor (von 2012 bis Anfang 2016 war er Vize von Doskozil) im Ruhestand.

Mit Fasching (64) legt demnächst einer der profiliertesten Polizisten des Landes die Uniform ab.

Im Führungstrio der Landespolizeidirektion, dessen Zusammensetzung über die Jahre mehrmals gewechselt hat, verkörpert Fasching die Kontinuität. Seit 2008 (damals noch als Stellvertreter des Landespolizeikommandanten) ist er die Nummer 2 in der burgenländischen Exekutive. Weil er mit Strategie und Einsatz aber die zentralen Felder der Polizeiarbeit verantwortet, sehen ihn manche de facto noch ein bisschen höher in der Hierarchie.

Entscheidungsfreudig

„Fasching hinterlässt eine große Lücke“, sagt ein leitender Beamter. Er rechnet dem Vorgesetzten nicht nur die „Entscheidungsfreudigkeit“ hoch an, sondern auch dessen Bereitschaft, die Sorgen und Nöte von Streifenpolizisten ernst zu nehmen. Fasching hat offenbar seine eigenen Anfänge nicht vergessen, nach der Grundausbildung begann er Anfang der 1980er-Jahre am Posten in Neudörfl/Leitha.

„Ein bisschen Wehmut ist schon dabei“, sagt Fasching angesichts des nahenden Abschieds zum KURIER. Gerade die letzten Jahre seien dank eines „perfekten Teams supergut verlaufen“, resümiert er.

Grenzerfahrungen

Andererseits freue er sich nach 46 Jahren, endlich ein bisschen leiser treten zu können. Aufregend war es ohnehin lange genug. Etwa als Fasching 2006 nach einem längeren Intermezzo als Vizechef der burgenländischen Kriminalabteilung zum Leiter der nationalen Frontex-Kontaktstelle im Innenministerium bestellt wurde. Da war der Polizeioffizier in Sachen Grenzschutz ständig auf Achse, „von Portugal bis Aserbaidschan“, erinnert er sich.

Eine Grenzerfahrung der anderen Art sei das Jahr 2015 gewesen, als innerhalb weniger Monate rund 300.000 Flüchtlinge nach Österreich kamen. 

Besonders die Bilder aus der Südsteiermark, wo Migranten einfach an der Polizei vorbeimarschierten und diese ohnmächtig zusehen musste, seien „erschütternd“ gewesen. In Nickelsdorf sei es vergleichsweise besser gelungen, die Menschenmassen zu ordnen und weiter zu transportieren, findet Fasching. 

Froh ist er darüber, was ihm erspart blieb: Von seiner Dienstwaffe musste er nur insofern Gebrauch machen, als er mit gezückter Pistole einen Serieneinbrecher verhaftete – just in seiner Heimatgemeinde Rohrbach bei Mattersburg.

Im Ernstfall abfeuern musste er seine Dienstwaffe in seiner langen Dienstzeit nie.

Umso lieber schießt Fasching bei Wettkämpfen.

Der Polizist ist ein ausgezeichneter und höchst erfolgreicher Sportschütze. Die Zahl der Medaillen, die der Vorderladerschütze bei Welt- und Europameisterschaften bisher gewonnen hat, ist zweistellig, von Staatsmeisterschaften gar nicht zu reden. 2008 etwa kam Fasching aus Australien mit der Goldenen nach Hause. Vorderlader werden von vorne durch die Mündung geladen. Heuer im August geht die WM in Eisenstadt über die Bühne, da möchte Fasching unbedingt noch einmal dabei sein.

Übrigens: Seine beiden Kinder konnte Fasching sowohl für den Polizeidienst als auch für den Schießsport begeistern.

Als wäre das noch nicht genug, hat der Generalmajor noch eine zweite nicht alltägliche Leidenschaft. Er segelt – freilich nicht bloß auf dem Neusiedler See, sondern auf den Weltmeeren.

2019 hat Fasching zusammen mit zwei Freunden den Atlantik überquert. Auf einem elfeinhalb Meter langen Boot ging es in 23 Tagen von den Kanarischen Inseln bis nach Tobago vor der Nordküste Südamerikas. 

Aber was sind 23 Tage gegen 46 Jahre?

Kommentare