Weltumradler: Weiterreise wegen Nahost-Konflikts ungewiss
Im türkisblauen Schimmer des Indischen Ozeans fällt der Abschied schwer. „Was soll ich sagen… vom Paradies abzureisen ist nicht leicht, wenn man nicht muss“, schreibt Weltumradler Edwin Schmidt dem KURIER aus Sansibar. Wochenlang hat er dort pausiert, sich zwischen schneeweißen Stränden und Korallensand von den tausenden Kilometern im Sattel erholt. Jetzt warten neue Abenteuer.
Seit bald acht Jahren befindet sich der Mittelburgenländer auf Weltreise mit seinem treuen Fahrrad. In dieser Zeit hat der studierte Maschinenbau-Konstrukteur drei Mal den Äquator überquert (in Asien, Amerika und Afrika) und ist durch 23 Länder geradelt.
Die letzten zwei Jahre hat Edwin Schmidt, nach einer längeren verletzungsbedingten Pause, auf dem afrikanischen Kontinent verbracht. „Von allen Kontinenten hat bisher nur der amerikanische Doppelkontinent so viel Zeit beansprucht: Bei der Fahrt von Los Angeles nach Rio de Janeiro, anno 2020 bis 2022. Damit wird die Fahrt durch Afrika zur bisher längsten meiner kontinentalen Durchquerungen“, schreibt der Extremsportler.
Schon mehrfach stand Schmidts Reise kurz vor dem Abbruch. Doch keines der vielen Hindernisse konnte den Strebersdorfer aufhalten. Und auch das fortschreitende Alter vermag Schmidt nicht zu bremsen. Vor zwei Wochen wurde der Mittelburgenländer 60 Jahre alt – er macht darum nicht viel Aufhebens.
„The Show must go on“ – im Freddie-Mercury-Museum in Stone Town schöpfte Schmidt neue Inspiration.
Wie er den 60er feierte? „Auf Sansibar tat ich es den Urlaubern gleich: Ich urlaubte! Keine Verpflichtungen in Pedale treten zu müssen um voranzukommen, nach dem Frühstück einfach am Pool sitzen bleiben solange ich mochte, entspannt über die Welt sinnieren und eigenen Gedanken nachhängen. Hier hatte ich definitiv mein Plätzchen für die Auszeit gefunden.“
Neuer Entdeckerdrang
Bei einem Besuch im Freddie-Mercury-Museum in Stone Town, der Darbietung von „We Are the Champions“ einer Besucherin lauschend, wurde Schmidts Entdeckerdrang wieder geweckt. Ein neues Ziel stand plötzlich fest: Der mit seinen fast 6.000 Metern höchste Berg Afrikas – der Kilimandscharo. Schmidt verspricht sich davon nicht weniger als „ein monumentales Highlight“ seiner schier endlosen Reise.
Wie es danach für den Mittelburgenländer weitergeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt höchst ungewiss. Der Krieg in Nahost wirft seinen Schatten voraus. Denn eigentlich hatte Schmidt geplant, von Nordostafrika auf die arabische Halbinsel überzusetzen. Aber es hätte auch schlimmer kommen können, wie der 60-Jährige erzählt: „Hätte ich mir für Mozambique, Simbabwe, die Victoriafälle, Sambia, Malawi-See und zuletzt Sansibar, nicht so viel Zeit genommen und meine Visa entsprechend verlängert, wäre es sehr wahrscheinlich dass ich jetzt bereits in Saudi-Arabien, UAE oder sogar im Iran unterwegs wäre“.
Erst Pandemie, dann Krieg
Sieht er die Bilder von Rückholaktionen aus den betroffenen Ländern, werden bei Edwin Schmidt Erinnerungen an den Beginn der Coronapandemie wach – wegen der er im Jahr 2020 monatelang in Neuseeland festsaß.
Damals wie heute gilt für den Weltumradler, ganz im Geiste von Freddie Mercury: „The Show must go on – und glücklicherweise liegen in den kommenden Wochen noch genügend Kilometer durch Kenia und Äthiopien vor uns, die es zu fahren gilt. Wie es danach weitergeht, wird man sehen.“
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