30.000 Kilometer durch Afrika: Kein Ende in Sicht

Eine Person steht auf einem Sandstrand neben einem Fahrrad und einem Einbaum, im Hintergrund Bäume und Wasser.
Edwin Schmidt bereist seit 2018 die Welt per Fahrrad. Der Tachometer steht mittlerweile bei 106.137 Kilometern.

Der Neid könnte einen fressen. Während das Burgenland bei Minusgraden friert, genießt Edwin Schmidt die ersten Wochen des neuen Jahres bei 30 Grad am Strand in Ostafrika.

Der Mittelburgenländer gönnt sich und seinem treuen Fahrrad gerade eine Auszeit in Tansania, als Schmidt dem KURIER ein Update von seiner seit 2018 andauernden Weltreise gibt. Seit März 2025 radelt er, ausgehend vom Kap der Guten Hoffnung, die Ostküste Afrikas entlang. Eitel Sonnenschein war auch auf dieser Etappe eher die Ausnahme als die Regel.

Nachdem Edwin Schmidt auf seiner Afrika-Reise bereits vor einem wütenden Elefanten fliehen musste, kam er im vergangenen Sommer dann Krokodilen näher, als ihm lieb war.

Der 59-jährige Burgenländer wollte sich im idyllischen Malawisee abkühlen. Doch ein alter Mann riet ihm davon ab: Manchmal würden sich Krokodile hinter den Felsen in der Bucht verstecken. Große Krokodile. Erst zwei Wochen zuvor sei ein Mann von einem Nilkrokodil attackiert und getötet worden. „Von da an hielt sich mein Verlangen ein Bad zu nehmen etwas in Grenzen – und einen Schnorchelgang verwarf ich völlig“, berichtet Schmidt mit einem Schuss Ironie.

Ganz anders als die manchmal furchteinflößende Wildnis Afrikas erlebte der Strebersdorfer die Einheimischen. „Malawi wird aufgrund seiner freundlichen Menschen auch oft das ‚warme Herz Afrikas‘ genannt“, erzählt Schmidt. Vor allem Kinder suchten den Kontakt zu dem sportlichen weißen Mann und seinem schwer beladenen Fahrrad.

Erst Krokodile, dann Unruhen...

Doch auf den Extremsportler wartete bereits das nächste Hindernis: Just als er von Malawi nach Tansania einreisen wollte, kam es nach der dortigen Präsidentschaftswahl zu schweren Ausschreitungen. Schmidt: „Der Grenzübergang, über den ich einreisen wollte, wurde von Demonstranten geplündert und niedergebrannt. Das Internet wurde lahmgelegt, Militär an den Straßen stationiert und Ausgangssperren verhängt.“

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Edwin Schmidt in Malawi.

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Edwin Schmidt in Malawi.

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Edwin Schmidt in Malawi.

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Edwin Schmidt in Malawi und Tansania.

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Edwin Schmidt in Malawi und Tansania.

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Edwin Schmidt in Malawi und Tansania.

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Edwin Schmidt in Malawi.

In Anbetracht der Lage änderte Edwin Schmidt seine Pläne und kam einige Wochen später als geplant mit einem Frachtboot in Tansania an.

...obendrein Verständigungsprobleme

Auf dem Gebiet des früheren Deutsch-Ostafrika bereitete dem Burgenländer die Sprachbarriere zunächst die größten Schwierigkeiten. „In bisherigen Ländern mit englischer Amtssprache hatte die Verständigung gut funktioniert. Doch nun befand ich mich im Reich der Bantu-Sprache Swahili. Selbst die Suche nach einer Unterkunft kostete mich fast den letzten Nerv“, berichtet Schmidt von ungeahnten Problemen – denen noch viele weitere folgen sollten.

Ersatzteile gesucht - und schlussendlich gefunden

Nachdem der Extrem-Radler inzwischen 30.000 Kilometer auf dem afrikanischen Kontinent zurückgelegt hatte, machten sich langsam ernsthafte Verschleißerscheinungen bemerkbar. Improvisieren, anpassen, überwinden – hat sich für Schmidt in Afrika zur Lebensmaxime entwickelt. Die Suche nach passenden Teilen gestaltete sich so schwierig, dass er sich zum Teil selbst welche basteln musste.

In der fünftgrößten Stadt Afrikas, Daressalam, wurde er schließlich fündig und konnte lang überfällige Reparaturen an seinem Gefährten vornehmen: „Als Weihnachtsgeschenk bekam das welterprobte Radl ein neues Antriebsset, und damit kommen wir im nagelneuen Jahr 2026 locker weitere 10.000 Kilometer durch Afrika.“

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