Vom Lazarett zur Hightech-Klinik mit Medizin-Uni?
Die Abrissarbeiten dauern bis Ende 2026 und kosten rund 5,5 Millionen Euro.
Das erste Oberwarter Spital wurde nach 93 Jahren abgerissen, heute stehen dort mehrgeschoßige Wohnhäuser. Das zweite Krankenhaus ereilt selbes Schicksal schon nach 44 Jahren, der sichtbare Abriss hat begonnen
Derzeit werden Nachnutzungskonzepte geprüft – in Richtung Erweiterung der neuen Klinik, Bau eines „Maggie's Centre“ für Krebspatienten oder für die langfristige Ansiedelung einer Medizin-Uni, so die Gesundheit Burgenland.
Wie alles begann
Die Geschichte der Krankenhäuser in Oberwart ist eng mit der Entwicklung des Südburgenlands verbunden. Bereits 1888 berichtete die Oberwarther Sonntagszeitung über entsprechende Pläne des Gemeindeausschusses.
Man wollte ansteckende Kranke absondern und die Ausbreitung von Epidemien verhindern – eine Reaktion auf Ausbrüche von Typhus, Scharlach oder Diphtherie. 1903 wurde mit dem Bau des ersten Spitals begonnen, ermöglicht durch eine Stiftung des Rotenturmer Grafen Julius Erdödy und seiner Gattin.
93 Jahre nach Eröffnung wurde das erste Oberwarter Krankenhaus ...
... am heutigen Dr.-Emmerich-Gyenge-Platz abgerissen
Da staatliche Zuschüsse fehlten, zog sich die Errichtung über Jahre. 1911 konnte das Bezirkskrankenhaus an der heutigen Spitalgasse – dem späteren Dr.-Emmerich-Gyenge-Platz – eröffnet werden. Das Haus verfügte über 45 Betten.
Lazarett und Gauspital
Während des Ersten Weltkriegs diente das Gebäude als Lazarett. In den 1920er-Jahren folgten mehrere Erweiterungen; bis 1928 betrugen die Baukosten über 270.000 Schilling. Unter Bezirkshauptmann Hermann Alzner wurde das Krankenhaus 1931/32 zur modernsten Anstalt des Landes ausgebaut und um zwei Geschoße erweitert.
Es bot 95 Betten, eine interne und eine chirurgische Abteilung. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1938 wurde die Stiftung aufgelöst und das Spital als Gaukrankenhaus in die Verwaltung des Gaus Steiermark übernommen.
Der Operationssaal im alten Krankenhaus am Ende des Zweiten Weltkriegs.
Nach Kriegsende 1945 gelang es durch Unterstützung der Bevölkerung und der sowjetischen Besatzungsmacht, den Betrieb rasch wieder aufzunehmen. 1949 ging das Haus in die Landesverwaltung über. In den 1950er-Jahren begann eine neue Ausbaustufe:
1954 nahm die interne Abteilung ihren Betrieb auf, 1955 die medizinische Abteilung. Das Krankenhaus zählte 190 Betten – ein Symbol für den Wiederaufbau und die Modernisierung des Landes.
Brutal und teuer
Schon bald wurde klar, dass das Spital im Stadtzentrum zu klein geworden war. 1970 entschied sich die Landesregierung für einen Neubau in der Dornburggasse, auf einem fünf Hektar großen Grundstück, das die Stadtgemeinde kostenlos zur Verfügung stellte.
Das Spital in der Dornburggasse
1981 wurde das neue Landeskrankenhaus – nach Plänen von Matthias Szauer und Gottfried Fickl – von Bundespräsident Rudolf Kirchschläger und Landeshauptmann Theodor Kery eröffnet. Das markante Gebäude im Stil des Brutalismus galt als Fortschritt für die Gesundheitsversorgung im Südburgenland.
Seit 1993 gehört das Krankenhaus zur Burgenländischen Krankenanstalten-Gesellschaft m.b.H. (KRAGES). Anfang der 2000er-Jahre zeigte sich, dass der Bau den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach. Eine Generalsanierung wurde geprüft und verworfen.
Beschluss für neue Klinik
2014 fiel der Beschluss für eine neue Klinik, direkt neben dem bestehenden Gebäude. Nach dem Spatenstich im Mai 2020 – mitten in der Corona-Pandemie – verlief der Bau planmäßig. Ende 2023 war das neue Haus fertig. Seit Mai 2024 ist es in Betrieb.
Die neue Klinik ist eine Schwerpunktkrankenanstalt mit modernster Ausstattung, eigener Abteilung für Onkologie und Palliativmedizin, OP-Roboter, hochauflösendem Computertomografen und einem der leistungsfähigsten Herzkatheterlabors im Land.
Nur wenige Meter entfernt verschwindet gerade der Vorgänger. Das Bundesdenkmalamt entschied 2023, den Komplex nicht unter Schutz zu stellen. Trotz Appellen von Landeskonservator Peter Adam gegen den Abriss wurde im Sommer begonnen. Das Gebäude soll bis Ende 2026 verschwunden sein.
Klinik – und eine Uni?
Aktuell hält das Land an der geplanten Implementierung einer Herzchirurgie in der Klinik Oberwart fest, bekräftigte Hans Peter Doskozil in seiner Budgetrede am Freitag, obwohl er sich nicht sicher sei „ob wir in der Bundeszielsteuerung diesen Beschluss durchbekommen im März“.
Die Abteilung werde jedenfalls mit 1. März zu arbeiten beginnen und auch bei Ablehnung im Bund durch das Land betrieben. Ob selbiges auch für die Uni gilt, bleibt abzuwarten.
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