Vom Lager Lackenbach in die Vernichtungsstätten

Historiker Herbert Brettl legt neues Buch über "Lager Lackenbach" vor. Von 3.300 inhaftierten Roma und Sinti überlebten 500.
Herbert Brettl, Historiker

Mit der Verfolgung von Roma und Sinti während der NS-Zeit hat sich der Historiker Herbert Brettl schon öfter beschäftigt. Jetzt hat der Nordburgenländer mit „Das Lager Lackenbach“ (Verlag Lex Liszt) dem größten Roma-Zwangsarbeitslager im NS-Staat ein Buch gewidmet.

Am 23. November 1940 wurde das Lager in einem ehemaligen Esterhazy-Gutshof eingerichtet. Roma und Sinti wurden interniert, um Ortschaften „zigeunerfrei“ zu machen und sie als Zwangsarbeiter auszubeuten. 1938 lebten in dem auf die Gaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilten Burgenland 8.500 Roma und Sinti – so viele wie in keinem anderen Bundesland.

Das Lager war Ausgangspunkt für Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager. Von den 3.300 in Lackenbach internierten Menschen lebten bei der Befreiung durch sowjetische Truppen im Frühjahr 1945 nur noch rund 500. 250 waren im Lager an Flecktyphus und anderen Krankheiten gestorben. Im November 1941 wurden in zwei Transporten je 1.000 Personen ins Ghetto Lodz verfrachtet. Dort starben sie an den Folgen von Unterernährung und Zwangsarbeit oder wurden im Vernichtungslager Kulmhof ermordet. Im März und April 1943 gab es weitere Transporte aus Lackenbach ins KZ Auschwitz.

Das Werk basiert auf Recherchen Brettls in österreichischen, deutschen und polnischen Archiven und erschließt neue Quellen. Besonderes Augenmerk richtet der Autor auf die Wahrnehmung des Lagers durch die Bevölkerung sowie auf den Nutzen der Zwangsarbeit für die regionale Wirtschaft.

In Lackenbach hat Brettl sein Buch schon präsentiert, Mönchhof am 19. April (17 Uhr im Dorfmuseum) und Eisenstadt 7. Mai (19 Uhr, Pädagogische Hochschule) folgen.

https://www.brettl.at/

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