Tourismusbranche: Lehrlinge als Glücksbringer

Mit einer Imagekampagne will man Jugendlichen einen Job in der Gastronomie oder Hotellerie schmackhaft machen.

Sie arbeiten dann, wenn andere frei haben, die Bezahlung ist schlecht, und man muss vielleicht auch noch die schlechte Laune des Gastes ertragen. Gegen dieses überholte Bild in den Köpfen vieler Menschen kämpft die Wirtschaftskammer Burgenland nun gemeinsam mit der Landesberufsschule in Eisenstadt an. Durch die Imagekampagne "Glücksbringer" will man Jugendlichen im Alter von 13 bis 15 Jahren eine Ausbildung und infolge einen Arbeitsplatz im Tourismus wieder schmackhaft machen. Denn die Branche hat ernste Nachwuchssorgen. Dafür seien aber nicht nur das angeschlagenen Image, "sondern auch die demografische Entwicklung verantwortlich. Es gibt immer weniger Jugendliche, und die zieht es oft in die Schulen und an die Universität", sagt Fachgruppenobmann Helmut Thury.

Jene, die sich für eine Lehre entscheiden, weisen oft Defizite auf, die gerade im Umgang mit Gästen problematisch sind. "Vielen Jugendlichen fehlt die soziale Kompetenz", weiß Ausbildungsbeauftragter Ernst Horvath.

Mit der Imagekampagne will man nun aktiv gegen die Nachwuchsprobleme vorgehen,
sowie Lehrstellensuchende und Ausbildungsbetriebe zusammenführen. "Wir klären die Jugendlichen auch darüber auf, wie breit gefächert die Karrierechancen im Tourismus sind. Vom Lehrling zum Hotelchef oder gar zum eigenen Unternehmen ist alles drinnen", betont Thury. Und die Rückmeldungen jener Lehrlinge, die den Schritt in den Tourismus gewagt haben, seien durchwegs positiv. "Die Gäste zeigen sich dankbar, wenn man engagiert ist. In keinem anderen Beruf bekommt man mehr Anerkennung", glaubt Horvath.

Ein großer Pluspunkt soll der abwechslungsreiche Aufgabenbereich sein: Vom Hotel- und Gastgewerbeassistenten über den Restaurantfachmann/-frau bis hin zum Reisebüroassistenten reicht das Spektrum.

Schulversuch

An der Berufsschule in Eisenstadt läuft dazu noch ein Schulversuch, der einzigartig in Österreich ist. Der streng strukturierte Unterricht, aufgeteilt in einzelne Fächer, gehört der Vergangenheit an. Kompetenzorientierung heißt das Zauberwort. "Uns geht es nicht nur darum, Wissen zu vermitteln. Wichtiger ist es, das Wissen in der Praxis richtig anwenden zu können", sagt Direktor Johannes Fenz. Statt Einzellehrern würden nun Teams agieren. Der 50-Minuten-Unterricht wurde durch Blöcke ersetzt, in denen Kompetenzen erarbeitet werden.

"Unsere Schüler erlernen Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz. Wir hoffen, sie damit zu wahren Glücksbringern zu machen", erklärt Fenz.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011