Nicht ohne meine Region: Warum Tourismus Einheimische braucht

Die Positionierung von Therme und Hotel schreitet voran. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen soll die Bevölkerung ins Boot geholt werden. Von diesem Plan könnten alle profitieren.
Große Hotelanlage mit mehreren Gebäuden, Außenpool, Spielplatz und weitläufigen Grünflächen bei sonnigem Wetter.

Von Gernot Heigl und Michael Pekovics

Touristische Angebote werden oft als etwas verstanden, das sich in erster Linie an Gäste richtet. Gerade im ländlichen Raum zeigt sich deutlich: Ohne die regionale Bevölkerung verlieren viele Initiativen an Wirkung – und an Zukunft. Denn Infrastruktur, Veranstaltungen und Freizeitangebote leben davon, dass sie angenommen werden und dass sich die Bevölkerung mit ihnen in einer gewissen Weise identifiziert. Sie entfalten ihren Wert besonders dann, wenn auch jene davon profitieren, die vor Ort leben.

Beispiele finden sich derzeit gleich mehrfach. Während das Hotel Allegria in Stegersbach (Bezirk Güssing) sein Veranstaltungsprogramm bewusst für Gäste und Bevölkerung öffnet – vom Rad-Event bis zum Kabarettabend –, richten sich auch die kostenlosen Führungen rund um den Welttag der Fremdenführer explizit an Einheimische (siehe Artikel unten). Beide Ansätze verfolgen dasselbe Ziel: bekannte Orte neu erlebbar zu machen und zusätzliche Freizeitmöglichkeiten zu schaffen.

Volle Kraft voraus

Dazu kommen andere Faktoren, wie zum Beispiel im Fall von Stegersbach. Die im Jahr 2024 vom Land übernommene Therme ist zuletzt deutlich präsenter geworden. Einerseits wegen Investitionen in die Infrastruktur, andererseits aber auch dank zahlreicher Events, die für Hotel- und Thermengäste, aber vor allem auch für die Bevölkerung organisiert werden.

Unter dem Motto „Monate voller Highlights“ gibt es heuer wieder jede Menge Veranstaltungen. Den Auftakt bildet kommenden Samstag „Losradeln in Stegersbach“. Die rund 45 Kilometer lange Strecke führt durch die Region, die Teilnahme ist kostenlos. Im Anschluss gibt es für alle „Radler“ einen Gratis-Thermeneintritt sowie ab 18 Uhr eine Verkostung mit der Destillerie Puchas aus Kukmirn.

Im März folgen Live-Musik-Abende, Kasperltheater, Zaubershows und eine Weinverkostung. Höhepunkt ist am 28. März ein langer Thermen- und Saunaabend bis Mitternacht mit Liveband. Am 1. und 2. April findet ein Osterbasar im Foyer der Therme statt. „Der Zutritt ist von 9 bis 17 Uhr möglich – bewusst mit Straßenschuhen und ohne Eintritt, damit auch Besucher aus der Region unkompliziert vorbeikommen können“, sagt General Manager Marcel Pomper. Ergänzt wird das Programm durch ein Kasperltheater und einen Kabarettabend mit Fredi Jirkal sowie weitere Veranstaltungen an der Abendbar. Weitere Highlights sind Ballon-Tage im Mai, August, September und Oktober. Zudem ist am 1. August ein großes Familienfest in der Therme geplant.

Wechselseitiger Nutzen

Mit den Aktionen möchte das Hotel Allegria „die Therme, das Resort und den Golfbereich noch stärker für die gesamte Region öffnen“, sagt Pomper. Der Nutzen soll wechselseitig sein. Betriebe und Initiativen gewinnen durch höhere Auslastung, stärkere regionale Verankerung und mehr Sichtbarkeit. Gleichzeitig entsteht für die Bevölkerung ein breiteres Angebot direkt vor der Haustür – von kulturellen Einblicken bis zu niederschwelligen Veranstaltungen für Familien. Touristische Infrastruktur wird damit nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch gesellschaftlich relevanter.

Am Ende entsteht eine klassische Win-win-Situation: Was für Gäste gedacht ist, wird zum Mehrwert für die Region – und was von Einheimischen angenommen wird, stärkt wiederum den Tourismus und damit die Arbeitsplätze in der Region.

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