Unter Druck: Wohin sich südburgenländische Dörfer entwickeln
Leerstand, Zuzug, Jobs und Schulen: Das Burgenland sucht neue Antworten auf die Frage, was Orte lebendig hält.
Ein leeres Gasthaus am Hauptplatz. Ein früherer Greißler, dessen Auslage seit Jahren leer ist. Ehemalige Schulgebäude, die im besten Fall eine Nachnutzung gefunden haben und im schlechtesten Fall leer stehen oder gar verfallen. Mittendrin die Bevölkerung, die den Verlust von ländlichen Institutionen wie Bankstelle, Postamt oder überhaupt der Nahversorgung in den vergangenen Jahren in vielen Gemeinden hautnah miterlebt hat.
Die Bürgermeister stehen im Spannungsfeld zwischen dem Anspruch ihrer Bürger auf Lebensqualität und der Wirklichkeit. Denn die demografische Entwicklung ist bekannt: Das Land wird älter, die Fertilitätsrate sinkt und viele junge, die für Ausbildung, Job oder Karriere in die Stadt gehen, bleiben dort.
Präsentation der Dorfentwicklungsstrategie auf einem Bankerl.
Das Land hat dazu jetzt eine neue Dorfentwicklungsstrategie vorgelegt. Sie richtet sich an alle 171 Gemeinden und soll Förderung, Beratung und Beteiligung stärker bündeln. Bis Juni 2027 steht dafür eine Million Euro zur Verfügung. Gefördert werden unter anderem die Nachnutzung leer stehender Gebäude, Maßnahmen für lebendige Ortskerne, Investitionen in öffentliche Räume, Sanierungen, Energiesparen und Projekte für mehr Klimafitness.
Der zentrale Gedanke
Die Orte sollen sich stärker „von innen nach außen“ entwickeln. Also nicht immer neue Flächen am Ortsrand verbauen, sondern Bestehendes besser nutzen. Leere Häuser, alte Gasthäuser, aufgelassene Geschäfte oder ungenutzte Gebäude werden damit zur eigentlichen Zukunftsreserve vieler Gemeinden.
Wie dringend das Thema ist, zeigt sich besonders im Südburgenland. Dort startete der Leader-Verein südburgenland plus im Kastell Stegersbach zwei neue Projekte: „Zuagroaste und Dobleibende“ sowie „Employer Branding Südburgenland“. Mehr als 40 Vertreter aus Gemeinden, Wirtschaft und Regionalentwicklung diskutierten über Zuzug, Ortsentwicklung und Arbeitsmarkt.
Das Südburgenland braucht ein besseres Image
Der Titel der Veranstaltung brachte die Lage auf den Punkt: „Neue Nachbarn! Neue Häuser! Genug Jobs?“ Denn Zuzug allein macht noch kein lebendiges Dorf. Es braucht auch Arbeitsplätze, Kinderbetreuung und vieles mehr.
Gleichzeitig will das Südburgenland sein Image korrigieren. Es gebe aktuell mehr als 500 freie Jobs in der Region, sagt Oliver Stangl, Geschäftsführer von südburgenland plus. Trotzdem halte sich das Bild der abgehängten Abwanderungsregion. Genau dieses Bild soll aufgebrochen werden: Das Südburgenland will nicht nur Wohnort sein, sondern Arbeits- und Lebensraum.
Im Südburgenland wurden zwei neue Leader-Projekte präsentiert.
Zur ländlichen Entwicklung gehört aber auch eine der emotionalsten Fragen jeder Gemeinde: die Schule. Wo eine Schule steht, ist mehr Leben im Alltag. Wo sie verschwindet, bleibt oft mehr zurück als ein leeres Gebäude. Im Pinkatal wird derzeit besonders intensiv darüber diskutiert, wie Bildung im ländlichen Raum künftig organisiert werden soll.
Der nun doch nicht umgesetzte Bildungscampus Pinkaboden in Eberau, kleine Schulstandorte und die Zukunft der Region im Unteren Pinkatal stehen auch im Mittelpunkt der KURIER-Diskussion „Pinkatal: Schule, Campus, Zukunft“ am 18. Juni im WeinKulturHaus Bildein. Dort geht es nicht nur um Schulorganisation, sondern um eine größere Frage: Was hält eine Region zusammen? Unter diesem Link finden Sie weitere Informationen.
Ideen von 100 Kindern sollen in die zukünftigen Planungen der Landeshauptstadt mit einfließen.
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