Chronik | Burgenland
22.04.2018

Südburgenland: Wo Uhula draufsteht, ist Uhudler drin

Konditor Robert Gansfuss setzt in Eberau mit den speziellen Trauben des Südburgenlandes seine Heimat süß in Szene

Kreativität und Fantasie besitzt Robert Gansfuss. Das sieht man bereits, wenn man sein „Mehlspeis-Paradies“ auf dem Hauptplatz von Eberau betritt. Der Südburgenländer hat sich mittlerweile mit seinen Tortenkreationen über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Zuletzt mit der „Burgkräutertorte“ für die Burg Güssing, die verpackt in einer Holzschachtel mit dem Logo der Burg Güssing auf Wunsch überall in die Welt verschickt werden kann. „Anfragen kamen bereits aus der Schweiz, Kanada und den USA. Es gibt ja viele ausgewanderte Burgenländer, für die das interessant ist.“

Eine spezielle süße Erfindung hat Gansfuss schon länger zu bieten. Unter der hauseigenen Markt „Uhula“ produziert er Marmelade, Likör und Schokolade aus dem für das Südburgenland charakteristischen Uhudler. „Auf die Idee eine eigene Schokolade herzustellen, bin ich durch Zufall gekommen. Ich habe einmal eine Uhudlerschokolade gegessen, die nach vielem geschmeckt hat, aber nicht nach Uhudler. Also habe ich ein eigenes Rezept entworfen.“ Dieses unterliegt seinem Geheimnis, nur so viel verrät er: „Die Tafeln werden handgegossen, in die Füllung kommt hauseigene Marmelade und selbst hergestellter Uhudlerlikör.“

Qualität vor Quantität

„Meine Gäste können sich darauf verlassen, dass sie immer nur frische Mehlspeisen serviert bekommen“, betont er. „Alles wird mit reiner Butter hergestellt. Margarine gibt es bei mir nicht. Und grundsätzlich versuche ich möglichst alles selbst herzustellen, also auch die Marmeladen oder Fruchtpürees für die Füllungen“, betont der Konditormeister.

Dass er einmal jeden Tag in der Backstube stehen wird, sei für ihn von Kind auf klar gewesen. „Meine Eltern hatte eine Bäckerei. Ich habe als kleiner Bub mit der Mama und Oma gebacken, die Eier aufgeschlagen oder gemixt. Das hat mir schon damals Spaß gemacht“, erzählt er von den Anfängen.

Jüngster Konditor

Mit 15 habe er dann die Lehre zum Konditor begonnen. Da er im Südburgenland keinen Betrieb gefunden hatte, musste er nach Eisenstadt pendeln. „Die Konditorei gibt es heute nicht mehr, aber ich habe in der Zeit sehr viel gelernt. Nicht nur beruflich, sondern auch, weil ich als sehr junger Bursch ganze Woche von zuhause weg war. Auch wenn es hart war, so bin ich früh selbstständig geworden.“

Nach der Gesellenprüfung hat Gansfuss im Wiener Café Landtmann gearbeitet. „Aber ich wollte noch mehr lernen, also habe ich die Meisterschule für Bäcker, Müller und Konditoren in Wels gemacht. Damals war ich mit knapp 21 Jahren der jüngste Konditormeister Österreichs. Danach hat mir das Café Landtmann angeboten, als Produktionsleiter Stellvertreter anzufangen. Das war eine Ehre für mich“, sagt er.

Doch es dauerte nicht allzu lange, da hatte der Südburgenländer genug von der Stadt. „2003 bin ich wieder ins Burgenland zurück. Meine Eltern hatten zwar die Bäckerei, aber ich wollte mir etwas eigenes aufbauen.“

Das Haus, in dem sich heute Roberts Mehlspeis-Paradies befindet, ist das Nachbarhaus der elterlichen Bäckerei (heute wird sie von Robert Gansfuss Bruder geführt). „Die Frau, die hier gewohnt hat, hat immer zu mir gesagt: ‚Robert, du musst ein Kaffeehaus aufmachen.‘ Als sie gestorben ist, habe ich beschlossen, das Haus zu kaufen und hier mein Mehlspeis-Paradies zu eröffnen.“

Das war 2008. Acht Monate später, nach einem Komplettumbau, wurde eröffnet. „Seit 2009 bin ich selbstständig und ich könnte mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Ich kann kreativ sein, meiner Fantasie freien Lauf lassen.“ Das Café war von Anfang an ein Nichtraucherlokal. „Es war ein Risiko, aber jeder akzeptiert es. Viele Stammgäste sind starke Raucher. Für alle ist es kein Problem, für die Zigarette hinauszugehen.“