Der fadeste Beruf? Dieser Steuerberater widerspricht
Er liebt Zahlen – und Menschen. Bernd Loranth in seiner Kanzlei in Oberwart.
Von Vanessa Halla
„Nichts in dieser Welt ist sicher, außer dem Tod und den Steuern“. Dieses Zitat, das von Benjamin Franklin stammen soll, trifft es – zumindest in Österreich – auf den Punkt, schließlich haben wir hierzulande eine der höchsten Steuerquoten weltweit zu berappen.
„Wir sind kein Steuerparadies, ganz im Gegenteil“, sagt auch Bernd Loranth. Und der Steuerberater mit eigener Kanzlei im Herzen von Oberwart weiß, wovon er spricht.
Bernd Loranth ist 46 Jahre alt, lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Rotenturm und ist seit 14 Jahren selbstständiger Steuerberater.
Seine Mitarbeiter sind von anfangs drei auf mittlerweile 27 gewachsen, ebenso wie das Tätigkeitsfeld der Kanzlei Loranth. Genug Arbeit für den oft als „fadesten Beruf der Welt“ bezeichneten Steuerberater gibt es offensichtlich auch im Burgenland.
„Ich liebe Zahlen“
Dass ihm nicht fad wird, das unterschreibt Bernd Loranth sofort. Dass sein Beruf fad sei, will er allerdings nicht gelten lassen. „Ich liebe Zahlen! Das habe ich schon früh in der Schule gemerkt. Mathe war mein Fach, in Deutsch hingegen habe ich auch Fünfer kassiert“, erzählt der Steuerberater schmunzelnd und sagt weiter: „Zahlen erzählen immer eine Geschichte über den Menschen dahinter, das ist das für mich faszinierende daran.“
Loranth folgt seiner Liebe für Zahlen, maturiert in der HAK Oberwart und absolviert die Ausbildung zum Steuerberater an einer Fachhochschule in Wien.
Steuerparadies(isch)
Warum sein Beruf sehr wohl cool ist, beschreibt der Zahlenmensch auch so: „Während des Studiums habe ich ein Auslandssemester auf Hawaii gemacht. Zugegeben, ich war damals nicht oft in den Vorlesungen, sondern lieber am Strand. Aber auch an einem der schönsten Orte der Welt braucht man Steuerberater. So gesehen ist Hawaii also auch ein Steuerparadies“, lacht Loranth. Warum er, als zahlenaffiner Mensch, nicht eine Karriere in einer Bank in Betracht gezogen habe, wollen wir von dem Unternehmer wissen. „Weil man sich im Bankwesen nur schwer selbstständig machen kann.“
Genau das hat der Rotenturmer im Alter von 32 Jahren dann nämlich gemacht. „Steuerberater ist eigentlich die falsche Berufsbezeichnung. Wir sind Allrounder wenn es um Unternehmen geht. Buchhaltung, Personalverrechnung und der Jahresabschluss sind natürlich Kernaufgaben des Berufes, aber viel Zeit vor dem Bildschirm verbringe ich nicht mehr. Ich könnte kein Controller sein und im Hinterkammerl den ganzen Tag auf den Bildschirm starren, da würde ich narrisch werden“, gesteht Bernd Loranth.
Zahlenpsychologie
Ein typischer Arbeitstag besteht für den 46-Jährigen aus Terminen mit Klienten und Mitarbeitern. „Ich entwickle Businesspläne, führe Finanzierungsgespräche oder kümmere mich um Insolvenzabwicklungen. Das Wichtigste am Beruf des Steuerberaters ist das Zwischenmenschliche. Das lernt man nur in der Praxis, nicht auf der Uni. Steuerberatung, das sind nicht nur Zahlen, sondern auch viel Psychologie. Wenn du mit nackten Zahlen bei einem Klienten bei der Tür reingehst, kommst du auch genauso wieder raus. Du unterhältst dich über Gott und die Welt, fragst, wie es der Familie und dem Hund geht und ärgerst dich gemeinsam über das Wetter. Ohne das Vertrauen meiner Klienten zu haben, kann ich meinen Job nicht machen“, weiß der Profi.
Wie man einen Scherbenhaufen zusammenkehrt, ohne sich als Draufgabe noch an den Splittern zu verletzen – auch das gehört zum Beruf von Bernd Loranth. „Insolvenzen sind immer schlimm und oft mit vielen Schicksalen verbunden. Es ist ein ethisches Dilemma, aber du lernst, damit umzugehen. Deshalb ist das Zwischenmenschliche in meinem Beruf unerlässlich. Ohne ausreichende Empathie kann man den Beruf nicht gut machen.“
Bürokratie: Ein Klotz am Bein
Erschwerend kommt bei der Ausübung des Jobs eines Steuerberaters auch noch die Republik Österreich obendrauf. Bernd Loranth: „Mit der Bürokratie kämpfen wir am meisten, das ist ein riesen Klotz am Bein. Eine Entbürokratisierung ist aber in vielen Bereichen lange nicht in Sicht, ebenso wie eine Senkung der Steuerquoten. Es verwundert nicht, dass auch immer mehr burgenländische Betriebe ihren Firmensitz ins Ausland verlagern“, findet der 46-Jährige abschließend klare Worte.
Benjamin Franklins Zitat hat als auch gut burgenländisch Gültigkeit: „Nix is bei ins fix – außa an Tod und da Steija.“
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