Wie ein Schüler aus dem Südburgenland zum Lebensretter wurde
Rudolf Meran während seiner Stammzellenspedne.
Von Gernot Heigl
Zum möglichen Lebensretter durch eine Stammzellenspende wurde ein 19-jähriger Matura-Anwärter der HAK Stegersbach. Im KURIER-Interview schildert Rudolf Meran, warum er sich für diesen Schritt entschieden hat. Auch beschreibt er seine Gedanken über den an Leukämie erkrankten Empfänger, wie die Abnahme im Spital vor sich ging und warum er sich nicht als Held fühlt.
Im April vergangenen Jahres organisierte Naturwissenschaftslehrerin Angelika Heiling-Meltsch in der HAK Stegersbach einen Vortrag über die Stammzellenspende. Nach umfangreicher Aufklärung durch Dr. Barbara Pelzmann, Ärztin im Krankenhaus Oberwart und medizinische Leiterin vom Verein „Geben für Leben“, gab es die Möglichkeit einer freiwilligen Typisierung.
"Helfen liegt mir im Blut"
Diesen Vorgang mit Erfassung persönlicher Daten sowie Entnahme eines Speichelabstrichs absolvierte – wie rund 100 Mitschüler und Lehrer – auch Rudolf Meran aus der 5. Klasse.
„Helfen liegt mir im Blut, ich bin ja freiwilliger Sanitäter beim Roten Kreuz. Daher war mir sofort klar, dass ich da mitmachen möchte. Allerdings dachte ich auch, dass es das war und ich nichts mehr hören werde, bis im Oktober 2025 das Telefon läutete“, schildert der Stegersbacher. „Vom Verein wurde mir mitgeteilt, dass ich als Spender auserwählt worden bin. Das war schon aufregend.“
„Ab dann ging alles sehr professionell über die Bühne“, erinnert sich Rudolf Meran. „Nach dem Ausfüllen von Fragebögen, mehrerer Blutabnahmen und einer genauen Voruntersuchung im Wiener AKH gab es grünes Licht, weil alle Parameter stimmten.“ Dann erzählt der HAK-Schüler, dass er vier Tage lang Spritzen bekam, die bei ihm grippeähnliche Symptome auslösten. „Ein absichtlicher Vorgang, um meine Stammzellen später entnehmen zu können.“
Netflix-Schauen und ein Leben retten
Mitte Jänner war es dann so weit. „Im AKH wurden mir in beide Armbeugen Zugänge gelegt, damit mein Blut auf der einen Seite hinaus- und auf der anderen wieder zurückfließen konnte. Dazwischen war eine spezielle Maschine, die meine Stammzellen in einem Beutel sammelte“, so Rudolf Meran. „Das dauerte sechs Stunden. Da ich ruhig im Bett liegen musste, hab ich währenddessen Netflix geschaut.“
Der Südburgenländer, der heuer zur Matura antritt, sieht sein Engagement alles andere als heldenhaft: „Ist doch wirklich wenig Aufwand, wenn man bedenkt, dass man damit ein Leben retten kann. Ich habe ja lediglich ein bisschen Zeit geopfert, war ein paar Tage kränklich und ein wenig müde. Das war's aber auch schon. Selbstverständlich würde ich es wieder machen und empfehle jedem, sich typisieren zu lassen.“
Mögliches Kennenlernen in fünf Jahren
Aus Datenschutzgründen weiß Rudolf Meran derzeit lediglich, dass „es sich um einen Burschen handelt, der an Leukämie erkrankt ist. Ich hoffe, dass ihm meine Stammzellen helfen und er rasch wieder ganz gesund wird. Das weiß man aber erst im Laufe der Zeit.“ Nachsatz: „Nach fünf Jahren, wenn alles gut ausgeht und wir das beide wollen, ist ein gegenseitiges Kennenlernen möglich.“
Dr. Barbara Pelzmann, die sich seit 2018 im Burgenland für Typisierungen ehrenamtlich einsetzt, freut sich über die erfolgreiche Spende und sagt: „Die Stammzellen gingen nach Kroatien.“
Premiere für einen burgenländischen Schüler
Die Ärztin weiter: „Übrigens ist Rudolf der erste burgenländische Schüler, der sich in einer Schule typisieren hat lassen und dann aus der internationalen Datenbank auserwählt worden ist.“
Als Dank und Anerkennung für seine Spende wurde dem Matura-Anwärter am Donnerstag in der HAK Stegersbach eine Urkunde überreicht.
Als Dank und Anerkennung für seine Spende wurde dem Matura-Anwärter am Donnerstag in der HAK Stegersbach eine Urkunde überreicht. Für alle Personen, die sich ebenfalls registrieren lassen wollen, gibt es Informationen unter www.gebenfuerleben.at
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