Rock’n’Roll-Messe: Wenn der Pfarrer in die Gitarrensaiten haut

Eine Musikgruppe mit Gitarren und Mikrofonen posiert vor einem verzierten Altar und Weihnachtsbäumen.
Am Samstag findet in der Neusiedler Pfarrkirche ein unkonventioneller Gottesdienst mit der Band "Captain Minus und die Mathematiker" statt.

Es kommt zusammen, was zusammengehört. Selbst, wenn es sich um Dinge aus zwei komplett verschiedenen Welten handelt. Auf die Rock-’n’ Roll-Band „Captain Minus und die Mathematiker“ und die Neusiedler Pfarrkirche trifft das zweifelsfrei zu.

Die Gruppe rund um Frontman Wolfgang Borbely wird am morgigen Samstag vor dem Altar eine „Rock-’n’ Roll-Messe“ zelebrieren. Die Idee kam aber nicht von den Musikern, sondern vom Pfarrer Gabriel Kozuch.

„Ich habe alle mir bekannten Neusiedler Bands angesprochen, ob sie im Laufe des Jahres eine Messe gestalten würden. Und ich habe mich sehr gefreut, dass alle Bands mit Begeisterung zugesagt haben“, erzählt der weltoffene Geistliche im Gespräch mit dem KURIER.

Beim „Captain Minus“-Sänger rannte Kozuch mit der Anfrage offene Türen ein: „Die Idee gab es bei uns schon sehr lange. Der Erfinder war unser Gitarrist Harri, schon vor vielen Jahren. Das Problem war nur, dass es keine Vorlage für eine Rock’n’Rol-Messe gibt – zumindest nicht für das, was wir unter Rock’n’Roll verstehen“, beschreibt Wolfgang Borbely die Ausgangslage.

Der Fall war klar: Die Band musste ihre eigene Messe von Grund auf konzipieren. Der Pfarrer hatte zum Glück keine Einwände: „Alle Bands haben eine Ahnung davon, was eine Messe ist. Ich verlasse mich auf ihr Gefühl“, sagt der katholische Priester gelassen.

Elvis und Jesus

Borbely und seine Bandkollegen machten sich also an die Arbeit. Die ersten Grundpfeiler waren schnell eingeschlagen. Nachdem sich die „Mathematiker“ hauptsächlich dem Rock ’n’ Roll im Stil der Fifties verschrieben haben, war klar, dass eine Nummer von Elvis Presley ins Programm muss.

46-222112238

Die Neusiedler Pfarrkirche wird morgen zum Konzertsaal. 

Die Wahl fiel auf „Crying in the Chapel“ – eines jener Lieder, das schon in der Originalversion perfekt in eine Kirche passt. Das gleiche gilt für „Hosanna“ (aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“) und „Lucky Day“ von Sasha.

Glaube und Gitarren

Bei anderen Songs wurden die Texte an den religiösen Rahmen angepasst. Als Leitmotiv kristallisierte sich das Thema Dankbarkeit heraus – der Titel der rockigen Messe lautet „Grace Filled Day“. „Alle in der Band sind voll dabei. Mann kann auch mit Rock’n’Roll Gott loben“, ist der Musiker überzeugt. Es werde am Samstag sogar eigens für den Gottesdienst komponierte Stücke zu hören geben, lässt Borbely anklingen.

Zwei musikalische Messen mit Neusiedler Bands sind bereits über die Bühne gegangen – für die Darbietungen von „Doc Zorro“ und „Chiquitas“ gab es viel Applaus im Gotteshaus. Ob die rockige Abendmesse mit „Captain Minus“ bei den Gläubigen ebenso großen Zuspruch finden wird, traut sich der Sänger noch nicht abzuschätzen. „Schauen wir einmal, wie es ankommt. Unsere Motivation ist, dass Kirche nicht so ablaufen und klingen muss wie in den letzten 2.000 Jahren. Man kann auch mit Rock’n’Roll Gott loben.“

Vater Unser bleibt Vater Unser

Das ist ganz im Sinne des Neusiedler Pfarrers: „Ein Vater Unser muss ein Vater Unser bleiben. Aber es gibt viele Stellen in der Messe, wo man sich frei ausleben kann und die Lieder frei gestalten kann.“

Wie „Captain Minus und die Mathematiker“ diese „Freiräume“ nutzen, können alle Interessierten am Samstag ab 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Neusiedl am See live erleben.

Pfarrer rockt mit

Priester Gabriel Kozuch wird übrigens nicht nur die Messe leiten, sondern beim Eröffnungslied auch selbst zur Gitarre greifen. „Captain Minus“ freut sich auf die göttliche Jamsession: „Der Gabriel ist ein super Priester, der offen ist für alles!“

Eine weitere Gruppe hat sich bereits für einen Gottesdienst im Frühling angemeldet: Im April ist die selbst ernannte „erste Boyband aus Neusiedl am See“ an der Reihe: „The Chunks“. Man darf gespannt sein, welches Motto sie für ihren Gottesdienst wählen werden.

Vom Rock zum Schlager

Ungewöhnliche Wege geht auch die evangelische Pfarrgemeinde in Rust. Am Sonntag kommender Woche (8. Februar, 9 Uhr)wird hier zu einem Schlager-Gottesdienst im Gemeindesaal geladen.

Pfarrerin Claudia Schörner gestaltet Liturgie und Predigt rund um die Themen Liebe und Freundschaft. Für das musikalische Programm ist der Damen-Chor „Family Singers“ zuständig.

Auf der Liederliste stehen unvergessliche Schlager-Klassiker, die auch gut in einen Gottesdienst passen. Zum Beispiel: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“ (Wencke Myhre, 1966) und „Es geht mir gut, Merci Chéri“ (Mireille Mathieu, 1971).

Mitsingen ausdrücklich erwünscht.

Kommentare