Chronik | Burgenland
09.01.2013

St. Martins Therme wird ausgebaut

Im September wird mit den Umbauten begonnen. Die "kalte Zeit" soll damit vorbei sein.

Die St. Martins Therme & Lodge in Frauenkirchen soll ausgebaut werden. Für die Erweiterung wurden laut Landeshauptmann Hans Niessl, SPÖ, bereits 14 Millionen Euro Investitionsvolumen beschlossen. Die Erweiterung betreffe sowohl die Therme als auch die Lodge. Für die Therme sei beispielsweise eine einzigartige Sauna am See geplant. Baubeginn ist jedenfalls heuer im September. 2014 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

„Wir sind erfolgreich unterwegs“, sagt der Geschäftsführer der St. Martins Therme & Lodge, Klaus Hofmann. Um diesen Erfolg zu prolongieren, habe man sich entschlossen zu investieren und die Anlage auszubauen. Man müsse konkurrenzfähig sein, den Mitbewerbern wie Blumau, der Therme Oberlaa oder Bad Erlach Paroli bieten. Daher lautet die Devise: „Klasse statt Masse. Warmes Wasser alleine genügt aber nicht.“

Mit dem Ausbau der Lodge, bei dem nicht nur das Bettenangebot um insgesamt 133 Betten ausgebaut, sondern auch der Spa-Bereich sowie das Thermen-, Sauna- und Liegenangebot verbessert wird, soll das „noch immer große Potenzial der Wintersaison in der Region weiter gehoben werden“, hofft Hofmann.

Doch hier dürfte der Knackpunkt liegen. Hofmann klagt nämlich über Tourismusbetriebe der Region, die in der „kalten Zeit mit uns nicht kooperieren“. Sie würden den Gästen kein Angebot machen und Winterschlaf halten, so Hofmann. Zimmer seien nicht verfügbar. „Damit habe wir nicht gerechnet“, gibt der Geschäftsführer zu.

Für Peter Zellmann (siehe Interview) vom Institut für Freizeit- und Tourismusforschung in Wien kommt diese Entwicklung nicht überraschend: „Man kann nicht von oben nach unten drüberfahren. Man muss die Beteiligten verstärkt einbeziehen.“ Das sei nicht geschehen.“

Uneingebunden

Die St. Martins Therme wurde seiner Meinung nach „von Anfang an viel zu wenig in die Region eingebunden“. Ein derartiger Leitbetrieb sei dann eine „wirkliche Innovation“, wenn die 13 eingebundenen Gemeinden und deren Betriebe die Therme als „ihre“ Therme, als „mein Angebot“ verstehen. „Als die eigentlichen (Mit)Gastgeber.“

Am Donnerstag startet übrigens die Tourismusmesse in Wien. Dort werden sich auch alle anderen burgenländischen Thermenstandorte von ihrer besten Seite präsentieren.

St. Martins Therme

Die St. Martins Therme hat es geschafft, innerhalb von drei Jahren ein wichtiger Leitbetrieb des Burgenlandes zu werden. 200 Mitarbeiter sind beschäftigt. 1959 m2 Thermalwasserfläche mit einer Temperatur von 32 bis 35 Grad.

Vogelbeobachtung ist zu wenig

KURIER: In die St. Martins Therme & Lodge in Frauenkirchen werden 14 Millionen Euro investiert. Wie sinnvoll finden Sie dieses Vorhaben? Peter Zellmann: Der Tourismus im Burgenland braucht vor allem einen Impuls für eine vollkommen neue Angebotsentwicklung als die eigentliche touristische Kernaufgabe. Dafür sind nicht 14 Millionen, sondern eventuell zwei Millionen notwendig, die allerdings effizienter, nachhaltiger und wertschöpfender eingesetzt wären. Ein zusätzlicher Betrieb im engeren Thermenkonzept ist ein teurer Schritt ohne Erfolgsgarantie.

Hat der Thermentourismus in der Ostregion bereits den Plafond erreicht? Das Angebot wächst, die Nachfrage stagniert. Das sagt wohl alles. Der Ausweg über konstruierte Schwerpunktsetzungen – Kinder, Pensionisten, Wellnessorientierte, Naturinteressierte – funktioniert nicht.

Wie lange ist ein Thermenaufenthalt für Urlauber noch attraktiv? Thermen sind eine verlässliche, gute Angebotsnische für Tagesausflüge (Freizeit) und Kurzurlauber (Tourismus). Nur stellen sie keinen Selbstläufer mehr dar. Das Angebot des „Drum -Herum“ wird wichtiger, besonders für Stammgäste, auf die es – nachdem der Markt nicht mehr wächst – ja zunehmend ankommen wird. Nationalpark und Vogelbeobachtung allein waren im Seewinkel dafür aber von Anfang an zu wenig.

Wie würden Sie den Burgenland-Tourismus positionieren? Mit den bekannten Schwerpunktsetzungen Rad, Wandern, See, Wein, Sport und Kultur in Verbindung mit dem typisch pannonischen Stil kann eine Einzigartigkeit kreiert werden, die es im tourismusverwöhnten, alpin geprägten Mitteleuropa (noch) nicht gibt.

Oberstes Ziel? Die anderen nachmachen und mit ihren eigenen Waffen schlagen zu wollen, ist der falsche Weg. Die Tourismusverantwortlichen müssen mehr nachdenken.