Wer im Südburgenland als "Zuagroaster" gilt

Ein kleines, dunkles Holzhaus mit grünen Akzenten und roten Rosenbüschen davor.
Historisch war das Burgenland ein Auswanderungsland, doch heute zieht es wieder Menschen an.
Birgit Braunrath

Birgit Braunrath

Als ich die Werbung zum ersten Mal sah, hielt ich sie für einen Scherz: „Schnuppertage im Südburgenland zu gewinnen!“

„Wer braucht Schnuppertage?“, dachte ich. Meine Erfahrung als Zuagroaste war klar: Wenn man einmal im Südburgenland ist, geht man nie mehr weg. Wir dachten über einen Umzug nach und sind schneller hiergeblieben, als wir übersiedeln konnten, ohne Schnuppern.

Die Menschen sind offen, herzlich und echt. Sie hofieren einen nicht, sie lassen einen dazugehören. Auch wenn sie meinen Einwand, ich sei gar keine Zuagroaste, da ich ja in Eisenstadt aufgewachsen und somit Burgenländerin bin, nicht hören: „Eisenstadt? Das gilt bei uns nicht“, erklärte mir ein Hiesiger. Also blieb ich Zuagroaste und akzeptierte diesen Status, weil ich herausfand, dass auch unser Nachbar, der aus einer nur drei Kilometer entfernten Gemeinde stammt, als Zuagroaster gilt.

Auswanderungsland

Wenn dieser Tage tatsächlich auf mein-suedburgenland.at die Ausschreibung für Gratis-Schnuppertage im Südburgenland läuft (kein Scherz!), können sich Familien bewerben, die überlegen, hier Fuß zu fassen .

Und auch wenn man meine – streng subjektive – persönlichen Erfahrung außer Acht lässt, ist das eine gute Idee. Denn auch die Zahlen sprechen für den Zuzug: Bei der innerösterreichischen Migration lag das Burgenland im Jahr 2024 auf Platz zwei: 6.455 Zuzügler aus anderen Bundesländern haben sich das Burgenland als neuen Lebensraum ausgesucht. Weil es lebenswert ist.

Dabei galt das Burgenland traditionell als Auswanderungsland, das viele wegen Armut und Perspektivlosigkeit hinter sich ließen. Allein zwischen 1919 und 1923 verließen 13.000 – vor allem Südburgenländer – die Heimat in Richtung des amerikanischen Kontinents. Insgesamt sind zwischen 1880 und 1950 an die 80.000 Burgenländer ausgewandert. Ohne Schnuppern. Bestimmt fanden nicht viele von ihnen ihr Glück, so, wie ich mein Glück im Südburgenland gefunden habe.

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