Fertig – aber noch nicht zu sehen: Film über Roma im Burgenland

Ohne Drehbuch, aber mit vielen Stimmen: Ein Film von Norbert Blecha – getragen von persönlichen Erzählungen.
Roma Blecha Burgenland Dukumentationsfilm

Zusammenfassung

  • Der Film „Roma im Burgenland“ erzählt Geschichte, Kultur und Gegenwart der Roma im Burgenland mit Beteiligung der Community selbst.
  • Gedreht wurde ohne klassisches Drehbuch, viele Szenen entstanden spontan und zeigen authentische Feste, Musik und Alltag.
  • Das Projekt wurde von verschiedenen Institutionen unterstützt und thematisiert auch weniger bekannte Aspekte wie die Roma-Wurzeln von Charlie Chaplin.

Ein Film ist fertig – gesehen hat ihn noch kaum jemand. 

„Roma im Burgenland“, erzählt von Geschichte, Kultur und Gegenwart einer Volksgruppe, über die lange zu wenig gesprochen wurde. Einen Ausstrahlungstermin gibt es noch nicht. Und doch fällt das Projekt in eine Zeit, in der verstärkt über Sichtbarkeit und Geschichte der Roma und Sinti gesprochen wird.

Film „hat sich ergeben“

Der Weg zu diesem Film war kein geradliniger. „Das hat sich ergeben“, sagt Produzent Norbert Blecha. Bereits vor einigen Jahren hatte er sich intensiv mit der Marktgemeinde Lackenbach (Bezirk Oberpullendorf) beschäftigt – einem zentralen Ort der Verfolgung von Roma und Sinti während der NS-Zeit. Denn dort war von 1940 bis 1945 das „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach. Zahlreiche österreichische Roma und Sinti wurden dort zu Zwangsarbeit verpflichtet, starben oder wurden in größere Konzentrationslager deportiert.

Dieser Aspekt der burgenländischen Geschichte inspirierte Blecha zu dem Film „Lackenbach. Meine Kehillah“, der 2024 erschien. Die Begegnungen während der Dreharbeiten wirkten nach. Sie führten schließlich zu einem neuen Projekt, das den Blick weiter öffnet: weg von einzelnen Schicksalen hin zu einer breiteren Erzählung über Geschichte, Kultur und Gegenwart.

Norbert Blecha und Heinrich Dorner

Norbert Blecha und Heinrich Dorner vor dem Mahnmal für Roma und Sinti in Lackenbach.

Kein Drehbuch vorhanden

Gedreht wurde „Roma im Burgenland“ unter anderem in der Gemeinde Oslip (Bezirk Eisenstadt-Umgebung). Für den Film wurde dort ein Roma-Lager aus den 1930er-Jahren nachgestellt – samt Fest, Musik, Tieren und Alltagsszenen. Zwischen Zelten und offenen Feuerstellen entstand so ein Ort, der an frühere Lebensrealitäten erinnern soll. Roma aus dem Burgenland wirkten selbst mit, spielten, musizierten und erzählten. Genau darin liegt für Blecha der Kern des Films: „Bei “Roma„ erzählen die Roma.“

Roma Blecha Burgenland Dukumentationsfilm

Der Flyer zum neuen Film 

Ein klassisches Drehbuch gab es nicht, vieles entstand aus dem Moment heraus – und wurde später im Schnitt geformt. Während der Dreharbeiten entwickelte sich das nachgestellte Fest zu einer eigenen Dynamik. „Es wurde gesungen, getanzt, gekocht – Szenen, die weniger inszeniert wirkten als vielmehr gemeinsam erlebt“, so Blecha. 

Enkelin von Charlie Chaplin

Neben persönlichen Geschichten spannt der Film auch einen größeren Bogen. Er greift kulturelle Linien auf, etwa die Bedeutung von Musik, und verweist auf weniger bekannte Aspekte der Geschichte. So wird auch thematisiert, dass Charlie Chaplin selbst Roma-Wurzeln hatte – ein Umstand, der lange kaum bekannt war. Carmen Chaplin, die Enkeltochter des weltberühmten Schauspielers, kommt im Film selbst zu Wort.

46-218094074

 Charlie Chaplin selbst hatte Roma-Wurzeln.

Gerade solche weniger bekannten Verbindungen zeigen, wie stark das Bild der Roma in der Öffentlichkeit oft von Unwissenheit geprägt ist. „Dadurch entstehen Vorurteile und wir sind alle durch Vorurteile belastet“, sagt Blecha. „Ich möchte mir meine Meinung selbst bilden. Ich will diese Filme so machen, dass sie nicht belehrend sind.“ Sein Film verstehe sich daher weniger als Erklärung, sondern als Annäherung.

Franz Vranitzky und Norbert Blecha

Franz Vranitzky kommt ebenfalls in dem Film vor.

Unterstützung ist unverzichtbar

Damit solche Perspektiven überhaupt sichtbar werden können, braucht es auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Möglich wurde das Projekt auch durch Unterstützung: „Roma im Burgenland“ wurde unter anderem vom Nationalfonds der Republik Österreich, dem ORF sowie dem Land Burgenland gefördert. „Solche Filme sind ohne diese Partner unmöglich“, so Blecha.

Umgesetzt wurde der Film als Gemeinschaftsprojekt: mit Regisseur Robert Dornhelm, Autor Michael Köhlmeier und Cutter Klaus Hundsbichler – sowie vielen Mitwirkenden aus der Roma-Community im Burgenland.

Wann der Film an die Öffentlichkeit kommt, steht noch nicht fest. 

Kommentare