Reise einer Jungzwiebel

Ein Mal Andau und retour - Reisen von Gemüsen sind mit­unter weit – und seltsam.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So gesehen ist es nicht schlecht, dass eine burgenländische Jungzwiebel nicht sprechen kann. Denn ihre Reisen sind mit­unter weit – und seltsam.

Der Bund startet Montagabend in Andau im burgenländischen Seewinkel, wird behutsam in eine Kiste gepackt und ins zehn Kilometer entfernte Wallern gebracht. Hier scheint die Welt für die Jungzwiebel noch in Ordnung zu sein.

Doch dann beginnt es heftiger zu werden. Von Wallern holt sie eine Spedition ab, schupft sie – nicht mehr so behutsam – auf die Lade­fläche eines Lasters und auf geht`s nach St. Pölten, immerhin 145 Kilometer entfernt. Knapp drei Stunden Fahrt, bis der Bund am vorläufigen Ziel ankommt. Hier, in der SPAR-Zentrale, wird wenig Rücksicht darauf genommen, wie die Zwiebel gebettet sind. Zeit ist Geld, das rasch verdient werden will.

Nach dem Zwischenstopp wird der Bund auf einen anderen Transporter umgeladen. Die Reise geht also weiter. Und zwar über Wien auf der A 4 ins – erraten: burgenländische Andau.

Unmöglich

„Da muss man sich aufs Hirn greifen“, sagt Martin Rieschl, Obmann des Burgenländischen Gemüseverbandes, über diese Transportwege. „Doch es ist nicht möglich, unser Gemüse vor Ort zu verkaufen.“ Jung­zwiebeln wären wesentlich teurer, wenn er, Rieschl, jedes einzelne Kaufhaus einer Handelskette im Seewinkel selbst beliefern würde.

„Genauso ist es“, sagt Nicole Berkmann von der Handelskette SPAR. Es sei von der Logistik her nicht möglich, dass ein Gemüsebauer direkt an eine SPAR-Filiale liefert. Und sei sie noch so nah.

Das Umweltministerium ist für die Logistik der Handelsketten nicht zuständig. Pressesprecherin Astrid Ostermann. „Wir sind aber dafür, dass regionale Produkte in der Region verkauft werden.“

( Kurier ) Erstellt am 30.03.2012