Wie der „Drohnen-Peter“ Rehkitze vor dem Mähtod rettet
Wird ein Rehkitz entdeckt, wird die Stelle markiert und das Jungtier in Sicherheit gebracht.
Bis zu 25.000 Rehkitze sterben in Österreich jährlich bei landwirtschaftlichen Mäharbeiten. Ein Grund dafür ist die fatale zeitliche Überschneidung der ersten Grünlandmahd mit der Geburt der Jungtiere. Da Rehkitze beim Annähern von Traktoren nicht fliehen, sondern ihrem Instinkt folgen und sich regungslos ins hohe Gras drücken, sind Tiertragödien oft die Folge.
Zur Vermeidung solcher Naturdramen rückt immer wieder Peter Mautner, Spitzname „Drohnen-Peter“, mit seiner 13.000 Euro teuren Ausrüstung aus – ein KURIER-Lokalaugenschein rund um den Sonnenberg in Siget (Bezirk Oberwart).
Die Suche in der Wiese
Pünktlich um 19 Uhr startet der Südburgenländer sein Wärmebild-Fluggerät. Umringt ist er von mehreren Bauern, die ihre Traktoren mit montierten Mähvorrichtungen am Feldrand geparkt haben. Surrend steigt die Drohne auf eine Höhe zwischen 65 und 80 Metern und wird anschließend langsam im Gleitflug über die erste Wiese dirigiert.
Auf zwei Monitoren verfolgbar, wechselt der Pilot von einer gestochen scharfen Farbansicht auf ein Schwarz-Weiß-Bild. „All die weißen Punkte sind für uns interessant.“ Mit geschultem Auge entlarvt er die ersten hellen Darstellungen als kleine Erdhaufen und bestätigt seine Einschätzung durch eine starke Zoomvergrößerung. Nach einigen exakt koordinierten Flugrouten stoppt der Drohnenpilot sein Wärmebild-Fluggerät, markiert eine Stelle und präsentiert die Örtlichkeit formatfüllend auf den Bildschirmen. Volltreffer. „Da haben wir ein Kitz. Es liegt in circa 145 Metern Entfernung, knapp neben einer Baumreihe in der Wiese.“
„Aus Liebe zu den Tieren“
Freude bei den Landwirten und bei Oberwarts Bezirksjägermeister Siegfried Fleischacker, der die Rettungsaktion ebenfalls verfolgt. Ausgestattet mit einem Funkgerät, einem Kescher und einer Kiste werden wir zur Stelle gelotst, die Drohnen-Peter permanent im Blick behält. Knapp vor unserem Eintreffen springt das Rehkitz auf und läuft in ein sicheres Waldstück.
Nach unserer Rückkehr gibt Peter Mautner grünes Licht für die erste Fläche. „Die Wiese ist sauber, kein Kitz mehr, ihr könnt jetzt mähen.“ Während an dieser Stelle mit mehreren Traktoren bereits Heu geerntet wird, lässt der südburgenländische Pilot seine Drohne über die danebenliegende Wiese gleiten. In knapp 200 Metern Entfernung wird er wieder fündig.
Ein von Bezirksjägermeister Fleischacker angeführtes Rettungsteam wird in Marsch gesetzt. Aber auch hier macht das Bambi einen Sprung und läuft in eine sichere Baumgruppe. Wenig später gibt Peter Mautner auch dieses Areal für die Mähtraktoren frei.
„Ich mache das unentgeltlich, aus Liebe zu den Tieren. Mit meiner Arbeit will ich den Rehkitzen eine zweite Chance geben“, schildert Drohnen-Peter und verweist auf eine beeindruckende Statistik. „Nach zahlreichen Testflügen habe ich heuer im Mai mit der Aktion begonnen. Bis jetzt war die Drohne insgesamt 52 Stunden in der Luft. Bei 161 Flügen habe ich 159 Felder mit einer Größe von 212 Hektar abgesucht.“
So wird ein Kitz gerettet
Freudig ergänzt der Hobbypilot: „Wenn die Jungtiere vor dem Einfangen, so wie heute, an einen geschützten Ort laufen, zähle ich sie nicht mit. Tatsächlich konnte ich bis jetzt 69 Kitze sichern.“ Selbstverständlich werden die Jungtiere nicht mit nackten Händen berührt, sondern nur mit Handschuhen angefasst und in eine mit Heu oder einem Handtuch ausgelegte Spezialtransportkiste gesetzt. Nach dem Mähen werden sie schonend an einer geeigneten Stelle nahe dem Fundort wieder ausgesetzt.
Bezirksjägermeister Siegfried Fleischacker: „Ich bin Peter Mautner für seinen Drohneneinsatz sehr dankbar. Nicht nur in meiner Funktion, sondern weil es mir als leidenschaftlichem Jäger selbst ein Anliegen ist, die Rehkitze so professionell retten zu können. Wie wichtig seine freiwillige Arbeit ist, zeigt sich an seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz.“
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