Posse um eine Ehrenbürgerschaft

Schützen am Gebirge: Pensionierter Schuldirektor hätte Ehrenbürger werden sollen. Doch vor der Abstimmung im Gemeinderat suchte die ÖVP das Weite.

Die Gemeinde Schützen am Gebirge ist  ein hartes Pflaster. Seit Jahren währt der Streit wegen der geplanten Umfahrungsstraße.

Im Gemeinderat ist aber derzeit nicht die Straße Thema, sondern eine Ehrenbürgerschaft. Konkret geht es um Gustav Jaidl. Der Oggauer war mehr als drei Jahrzehnte Direktor der Volksschule Schützen und ist seit September in Pension. Jaidl war in der Kommune sehr aktiv. Unter anderem leitete er den Kirchenchor und studierte Messen ein. Für seinen Einsatz hätte Jaidl am vergangenen Dienstag die Ehrenbürgerschaft erhalten sollen.

Doch am vergangenen Wochenende flatterte ein Schreiben Jaidls in die Schützener Haushalte, in dem er sich Luft darüber machte, wie übel ihm in seiner Zeit als Direktor  mitgespielt worden sei. Kennt man die Hintergründe und liest zwischen den Zeilen, so ist zu erkennen, dass seine Vorwürfe auch gegen ÖVP-Bürgermeister Walter Hofherr gerichtet sind, dessen Frau zu dieser Zeit auch Lehrerin in der Schule war und nun Direktorin werden könnte.

Der Ortschef gab sich auf KURIER-Anfrage gelassen. „Es gab Differenzen. Das ist lange her. Mit meiner Frau hatte es nur am Rande zu tun. Ich werde da jetzt sicher nicht irgendwelche alten Sachen aufwärmen. Dafür bin ich mir zu gut“, sagte Hofherr. Einfluss auf die Ehrenbürgerschaft werde der Brief nicht haben.

Eklat Jaidl erklärte, er wollte mit diesem Schreiben alle informieren, nachtragend sei er aber nicht. „Eine Ehrenbürgerschaft würde mich natürlich freuen“, so Jaidl.

Was vordergründig harmonisch wirkte, kam  anders. Während einer Sitzungsunterbrechung verließ ein  Großteil der ÖVP den Gemeinderat. Bürgermeister Hofherr erklärte, er müsse wegen eines privaten Termins ebenfalls gehen und übergab an seinen Vize. Dieser konnte nur noch die Beschlussunfähigkeit des Gemeinderates feststellen. Die Ehrenbürgerschaft wurde nicht mehr behandelt. Freitag forderte die SPÖ Hofherr aufgrund dieser Aktion in einem Flugblatt zum Rücktritt auf.

Der Bürgermeister konnte für eine Stellungnahme nicht erreicht werden.

Ausschreibung für Bauvorhaben im April 2012

Seit Jahren spaltet die geplante Umfahrungsstraße in Schützen am Gebirge die Ortsbevölkerung. Vor allem die Menschen entlang der B 50 wollen endlich eine Lösung. Straßengegner und -befürworter matchten sich zuletzt mit einer wahren Plakatschlacht, die das Ortsbild prägte. Nun sind alle Behördenverfahren für die im Norden geplante Umfahrung abgeschlossen und auch die Enteignungen sind über die Bühne gegangen. „Die Betroffenen können nun noch beim Bezirksgericht die Höhe der Entschädigungszahlung beeinspruchen bzw. wäre theoretisch noch der Gang zum Verwaltungsgerichtshof möglich“, erklärt Hofrat Hans Godowitsch. Der VwGH könnte dann eine aufschiebende Wirkung aussprechen. „Wir gehen aber nicht davon aus, dass dies passiert. Das wäre sehr ungewöhnlich“, sagt der Straßenbau-Chef. Sobald die Rechtssicherheit gegeben  sei, werde das Schützener Straßenbauprojekt zur Ausschreibung kommen. Dies soll im April/Mai 2012 sein. „Wir werden dann rund um den Sommer zu bauen beginnen“, erklärt Godowitsch.

( Kurier ) Erstellt am 17.12.2011