Mit nur 23 Jahren: Dieser junge Oberwarter hat drei Meisterbriefe
Von Vanessa Halla
Brille trägt er keine. „Ich brauche noch keine, aber ich weiß, dass das nicht so bleiben wird. Die Altersweitsichtigkeit wird auch mich ereilen, das ist so sicher, wie das Amen im Gebet“, sagt Paul Wagner im Brustton der Überzeugung.
Und der dreifache Meister in den Berufen Augenoptiker, Kontaktlinsenoptiker und Hörgeräteakustiker muss es schließlich wissen, obgleich er mit seinen gerade einmal 23 Lenzen noch gut zwei Jahrzehnte entfernt von der Gleitsichtbrille ist.
Was aber im Leben des Großpetersdorfers fast immer so sicher war, wie das Amen im Gebet, war sein Berufswunsch: Optiker. „Schon als Bub habe ich im Geschäft vom Opa Brillengläser geputzt und Etuis geschlichtet. Als Teenager bin ich dann in die HTL gegangen und wollte kurzzeitig sogar Mechaniker lernen. In der zweiten Klasse war dann aber Schluss mit Schule für mich. Dann bin ich zum Papa ins Büro und habe ihn gefragt, ob ich bei ihm in die Lehre gehen darf“, erinnert sich Paul Wagner.
Der Augenoptikermeister behält im Job den Durchblick.
"Zwischen ein und 100 Jahren alt"
2017 beginnt er seine Ausbildung zum Augenoptiker im Familienunternehmen. „Die Berufsschule ist in Hall in Tirol. Wir waren damals nur neun Lehrlinge aus ganz Österreich, acht Mädels und ich. Sonderlich begehrt ist mein Job auch heute noch nicht, aber zumindest ein bisserl beliebter als noch vor neun Jahren“, sagt Wagner. Warum sich Wagner dann gleich drei Meisterbriefe im Bereich Augen und Ohren erarbeitet hat? „Weil ich mir keine schöneren Berufe vorstellen kann.“
Paul Wagners Arbeitsgebiet ist umfassend. Wer eine Brille, Kontaktlinsen oder ein Hörgerät braucht, ist bei ihm bestens beraten. „Die Kundschaft im Bereich Optik ist zwischen ein und 100 Jahre alt. Die kommen zum Sehtest zu mir und dann schau ma mal“, so der 23-Jährige augenzwinkernd und erklärt außerdem: „Ein klassischer Sehtest dauert circa 20 Minuten, dann wissen wir, ob der Kunde eine Brille braucht. Ein Besuch beim Augenarzt ist für einen Sehtest nicht mehr Voraussetzung. Bei Auffälligkeiten schicke ich die Leute aber natürlich weiter zum Facharzt.“
Besser oder schlechter? Ein Sehtest klärt, ob eine Brille gebraucht wird.
Besser oder schlechter?
Die Frage „Ist es jetzt besser oder schlechter?“ beim Testen der Sehstärke mit Gläsern in verschiedenen Dioptrien, stellt der Meister seines Faches tausende Male im Jahr. „23 Dioptrien waren bisher der höchste Wert, den ich je bei einem Kunden gemessen und dann dementsprechende Brillengläser gefertigt habe“, erzählt der 23-Jährige.
Die Sehstärke messen, bestehende Brillenstärken kontrollieren, Beratung zu Brillengläsern und Fassungen und deren Anpassung und Reparatur gehören ebenso zum Aufgabengebiet des Optikers, sowie alle damit verbundenen Arbeiten in seinen Berufen als Kontaktlinsenoptiker und Hörgeräteakustiker.
„Die Abwechslung ist das Spannende. Zuerst schleife ich ein Brillenglas, dann habe ich einen Kunden für einen Hörtest da und später passe ich Kontaktlinsen an. Jede Arbeitsstunde gestaltet sich anders.“ Was Paul Wagner außerdem mag: „Dass wir ein Familienunternehmen sind. Meine Schwester macht gerade die Ausbildung zur Optikerin und meine Mama hat ihre Lehrabschlussprüfung noch mit 49 Jahren absolviert.“
Paul Wagner beim Schleifen der Brillengläser.
Abwechslungsreicher Alltag
„Es gibt Kunden, die kommen rein ins Geschäft, setzen eine Brille auf und die ist es dann. Andere fahren zweimal alle unsere drei Filialen ab, bis sie ihre Brille gefunden haben. Bei den Brillenfassungen gibt es derzeit keinen augenscheinlichen Trend. Aber die harte Kontaktlinse, die erlebt aktuell wieder einen Aufschwung. Bei vielen Kunden steht dabei der Umweltgedanke im Vordergrund. Die Linsen kaufst du dir einmal und kannst sie dann eineinhalb Jahre lang tragen“, erklärt Paul Wagner.
Viel Kundschaft kommt auch mit beschädigten Brillenfassungen zu Wagner ins Geschäft in die Oberwarter Bahnhofstraße. „Dass die Bügel oft in alle Richtungen stehen, das ist für mich Alltag“, lacht der Fachmann. Was umgekehrt weniger oft vorkommt, sich dafür aber sehr herausfordernd gestalten kann, sind Besuche von den Mini-Kunden. Paul Wagner: „Für Kleinkinder ist oft schon das Anprobieren einer Brille ein Drama, da geht’s auch mal rund bei uns im Geschäft. Feingefühl ist da ebenso gefragt, wie Schützenhilfe von den Eltern und Geschwistern. Wenn Kinder die Brille dann aber aufgesetzt haben und vielleicht zum ersten Mal wirklich gut damit sehen können, ist das immer ein ganz besonderer Moment.“
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