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Chronik Burgenland
07/24/2020

Öffentlicher Verkehr: Auf 1-2-3-Wirbel folgt Ausbaupaket

Nach Arbeitsgespräch versprechen Land und Bund gemeinsamen Ausbau des öffentlichen Verkehrs im Burgenland.

von Michael Pekovics

Mitte Juni stand für Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) wegen des von der türkis-grünen Bundesregierung geplanten 1-2-3-Tickets noch der Gang zum Verfassungsgerichtshof im Raum. „Wegen der massiven Schlechterstellung burgenländischer Pendler“ war das Verhältnis zu Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) mehr als getrübt.

Als „vollkommen dilettantisch“ bezeichnete Doskozil ihre Pläne, die zunächst die Einführung des 3er-Tickets vorsehen. Das würde nämlich jene Burgenländer, die durch Niederösterreich nach Wien pendeln, schwer benachteiligen, so der Landeshauptmann. Weil zum Beispiel Mattersburger dafür 1.090 Euro zahlen müssten, Niederösterreich aus dem nur wenige Kilometer entfernten Wiener Neustadt aber nur 700 Euro.

Wie berichtet, gilt die Stufe 1 für ein Bundesland, die Stufe 2 für zwei Bundesländer und die Stufe 3 für ganz Österreich. Ein weiterer Kritikpunkt von Doskozil war, dass man nicht auf der einen Seite ein derartiges Ticket anbieten könne, wenn auf der anderen Seite die zur Verfügung gestellte Infrastruktur nicht den Anforderungen entspricht. Er hätte sich von „einer grünen Ministerin erwartet, dass da ein Vorstoß kommt“.

Gemeinsamer Plan von Land und Bund

Zu diesem dürfte es jetzt kommen. Gewessler stattete am Freitag dem Burgenland ihren ersten offiziellen Besuch ab. Im Zentrum der Gespräche mit Doskozil und Verkehrslandesrat Heinrich Dorner stand der Ausbau des öffentlichen Verkehrs im östlichsten Bundesland.

Bis Ende des Jahres wollen Bund und Land ein gemeinsames Öffi-Investitionspaket schnüren. „Wenn es um gute Zugverbindungen, moderne Infrastruktur und das günstige 1-2-3-Ticket geht, haben die Burgenländer in mir eine starke Verbündete“, verspricht Gewessler. Doskozil wiederum betonte, dass es das oberste Anliegen des Burgenlandes sei, endlich die Weichen für eine pendlerfreundliche Zugverbindung zwischen der Landes- und der Bundeshauptstadt zu stellen.

„Wir diskutieren schon viel zu lange über alle möglichen Streckenvarianten. Niemand versteht, wieso das Burgenland das einzige Bundesland ist, in dem es keine zeitgemäße und schnelle Zuganbindung nach Wien gibt“, so Doskozil. Zum Thema 1-2-3-Ticket forderte Landesrat Dorner eine „faire Ticketreform. Das heißt, dass es keine Ungleichbehandlung burgenländischer Pendler geben darf“. Schließlich könne die Umsetzung nur unter Einbindung der Hauptbetroffenen, nämlich der Länder, erfolgen, betonte Dorner.

Was soviel heißt, wie dass das Match „Burgenland gegen Bundesregierung“ vorerst in die nächste Runde geht.

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