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Chronik Burgenland
03/01/2022

Nova-Rock-Halle wird zu Flüchtlingsquartier

Von Tag zu Tag kommen mehr Flüchtlinge aus der Ukraine.

von Michael Pekovics

Historisch betrachtet ist das Burgenland oft das erste Bundesland, das sich mit ankommenden Flüchtlingen beschäftigen muss. Zuletzt war das im Zuge der großen Migrationsbewegung im Jahr 2015 der Fall. Damals federführend: Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) in seiner Funktion als Polizeichef des Landes, der sich heute bereits selbst ein Bild von der Situation an der Grenze bei Nickelsdorf machte.

Basierend  auf den damals gemachten Erfahrungen und abgestimmt auf die aktuellen Entwicklungen wollen die Verantwortlichen  auch auf die flüchtenden Menschen aus der Ukraine reagieren.  Der große Unterschied zu 2015? Damals handelte es sich um asylsuchende Menschen aus Syrien oder anderen Teilen der Welt. Ukrainische  Bürger dürfen sich im Gegensatz zu ihnen jedoch drei Monate ohne Visum im Schengenraum aufhalten. Außerdem kennen zumindest jene, die derzeit nach Österreich kommen, ein genaues Reiseziel und wollen zu Verwandten oder Bekannten, meist nach Deutschland, weiterreisen.

Die Anzahl der ankommenden Menschen hat sich seit Wochenbeginn bereits vervielfacht. Waren es in der Nacht auf Montag rund 1.000 ukrainische Bürger, die über die burgenländisch-ungarische Grenze kamen, wurden von Montag auf Dienstag bereits rund 3.000 gezählt. Und in den kommenden Tagen dürfte es noch mehr werden.

Sicherheitsgipfel im Land und mit Bund

Aus diesem Grund trafen sich am Dienstagnachmittag  Vertreter der Sicherheitsorganisationen wie Bundesheer, Polizei, Rotes Kreuz und Feuerwehr mit Doskozil, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Dabei ging es um Themen wie die Schaffung einer zentralen Anlaufstelle für die Organisation von Unterkünften oder die Koordination von Spenden- und Hilfslieferungen.

„Das Burgenland wird seinen Beitrag leisten“, sagte Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ). Erste Maßnahme: In Nickelsdorf wird die Nova-Rock-Halle geräumt und zu einem Sammelquartier.

Nickelsdorf: Vorbereitungen laufen

Absperrgitter und sonstige Festival-Utensilien finden sich derzeit noch in der großen Nova Rock-Halle bei Nickelsdorf - all das wird seit Dienstagabend abtransportiert, denn das Land Burgenland bereitet eben dort ein Sammelquartier für Flüchtlinge aus der Ukraine vor. Ziel sei es, dass die Halle zum Wochenende hin bezugsfertig wird, erklärte Festivalorganisator Ewald Tatar am Mittwoch. Noch sei nicht geklärt, ob es als Übergangslösung für ankommende Flüchtlinge oder als Schlafquartier benötigt werde, aber am Mittwoch liefen die Vorbereitungsarbeiten dafür voll an, erklärte Tatar.

Jene Gegenstände, die für eine Open Air-Lagerung geeignet sind, werden nun am Gelände draußen abgestellt. Alles andere soll inzwischen in Garagen der Straßenmeisterei unterkommen. Aufgebaut werden jedenfalls Container für die Sanitäranlagen sowie Büros. „Das soll alles so schnell wir möglich fertig sein, Ziel ist das Wochenende“, so Tatar weiter. Eine Herausforderung sei das Beheizen der großen Halle.

Das Ausräumen und den Abtransport übernehmen Mitarbeiter der Straßenbauämter des Landes sowie Kräfte des Festivalorganisators. Bestellt wurde laut Doskozils Büro noch Dienstagabend die Infrastruktur wie etwa die Elektroinstallationen oder die Sanitäreinrichtung.

Ukraine: Wie kann ich helfen?

Damit auch die österreichweite Koordination reibungslos funktioniert, ist für Donnerstag eine Krisensitzung mit Bund und Ländern geplant. Beim Innenministerium kann sich auf nachbarschaftsquartier@bbu.gv.at melden, wer leere Wohnungen zur Verfügung stellen will.  

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